Zusammenfassung

  • TomTom und citiEU erweitern ihre bestehende Zusammenarbeit für Kunden in Europa und im Nahen Osten um ein breites Portfolio an Verkehrs- und Kartendiensten.
  • Beobachtete Fahrzeugstichproben, modellierte Verkehrsmengen und die tatsächliche Nutzbarkeit einer Straße sind verschiedene Größen. Welche Prüfungen möglich sind, hängt vom gelieferten Produkt ab.

Ein Verkehrsgutachten bleibt oft länger im Umlauf als die Datenabfrage, auf der es beruht. Gerade deshalb ist nicht nur entscheidend, was die fertige Karte zeigt, sondern auch, welche Annahmen mitgeliefert werden. Die ausgeweitete Kooperation von TomTom und citiEU rückt diese Übergabe zwischen Datenanbieter, Beratung und Kunde in den Blick.

Die Mitteilung vom 10. September beschreibt eine Fortsetzung und Erweiterung, keinen erstmaligen Zusammenschluss. citiEU soll für Kunden in Europa und im Nahen Osten Traffic Analytics, historische Verkehrsmengen, Live-Verkehrsdienste, Kartendaten und Maps APIs nutzen. Genannt werden unter anderem Verkehrsplanung, Studien, Notfallreaktion und Dienste zur Routenoptimierung. Vertragswert, Exklusivrechte oder gemessene Verbesserungen des Verkehrsflusses lassen sich aus der Mitteilung nicht ableiten.

Das Bündel kann dem Kunden Integrationsarbeit abnehmen. Die Beratung macht aus mehreren Informationsarten eine verwertbare Antwort. Ihr Wert liegt aber auch darin, die Herkunft einer Zahl nicht hinter einem überzeugenden Ergebnisbild verschwinden zu lassen.

Eine Stichprobe ist keine Vollerhebung

Die Dokumentation zu Traffic Density erläutert, dass mehrere Messungen desselben Fahrzeugs auf einem Straßenabschnitt innerhalb dessen Stichprobe nur einmal zählen. Damit ist weiterhin die beobachtete Stichprobe gemeint, nicht die Gesamtheit aller vorbeigefahrenen Fahrzeuge. Ein Mindestwert für die durchschnittliche Stichprobengröße kann dazu führen, dass ein Bericht zurückgewiesen wird. Ohne Vorgabe gilt der Standardwert null. Eine Schwelle für den Durchschnitt sichert zudem nicht jeden einzelnen Abschnitt und jedes Zeitfenster ab.

Die Selected-Link-Analyse von O/D Analysis v2 verwendet für das Verkehrsvolumen dagegen eine Modellschätzung, keine Fahrzeugzählung. Dafür müssen Geometrie und Zeitraum abgedeckt sein und eine passende Kartenversion vorliegen. Diese ist nicht zwangsläufig die neueste. Der letzte angefragte Tag muss außerdem mindestens vier Tage zurückliegen. Das ist eine Bedingung dieser konkreten Auswertung, kein Hinweis darauf, dass TomToms Live-Verkehrsdienste generell vier Tage hinterherhinken.

Auch das Ausgabeformat verändert die Prüfbarkeit. Das veröffentlichte Schema von Traffic Stats Batch nutzt die Stichprobengröße intern zur Berechnung, gibt sie aber nicht als Feld aus. Wer diese Information prüfen muss, braucht dafür einen geeigneten Weg im tatsächlich beschafften Dienst. Daraus folgt weder, dass alle Produkte dieselben Felder liefern, noch dass TomTom Stichproben grundsätzlich nicht zugänglich macht.

Die Beispiele stammen aus Produktunterlagen. Welche Schnittstelle citiEU bei einem bestimmten Kunden einsetzt, steht nicht in der Partnerschaftsmitteilung. Die Beispiele dürfen daher nicht zu einer behaupteten Kundenkonfiguration werden.

Die Leerstelle braucht eine zweite Frage

In einem Beitrag vom 4. August schildert TomTom, wie citiEU bei Überschwemmungen in Palermo fehlende Fahrzeugstichproben als Hinweis auf unbenutzbare Straßen heranzog. Der Beitrag knüpft diesen Schluss ausdrücklich an eine starke Abdeckung und Durchdringung der Beobachtung. Es handelt sich um einen älteren, vom Anbieter beschriebenen Fall, nicht um einen unabhängig nachgeprüften Erfolg der September-Vereinbarung.

Gerade die Bedingung ist lehrreich. Verschwinden auf einer normalerweise zuverlässig beobachteten Straße die Spuren, kann das ein wichtiges Signal sein. Ist die Beobachtung unsicher, kann dieselbe Leerstelle auch aus fehlenden Daten entstehen. Lokale Bestätigung und der Zustand des Datendienstes gehören deshalb neben die Karte.

Die wirtschaftliche Chance besteht nicht allein in mehr verfügbaren Informationen. Sie liegt in einer Analyseleistung, die Beobachtung, Schätzung und Entscheidung auseinanderhält. Die geprüften Quellen belegen bislang keine projektspezifische Abdeckung, vereinbarten Dienstgüten oder gemessenen Kundenergebnisse.