Zusammenfassung
- 2010 zeigte Tobias Knecht einen Umweg im APNIC-Whois: Abuse-Meldungen erreichten Technikkontakte statt des zuständigen Teams.
- Seine prop-079 verlangte für IPv4-, IPv6- und AS-Einträge eine IRT-Referenz mit eigener Abuse-Mailbox. Seit dem 8. November 2010 gilt das für neue oder geänderte Einträge.
- Ein Ziel im Verzeichnis war erst der Anfang. Seit 2019 prüft APNIC aufgrund einer späteren Richtlinie IRT-Mailadressen alle sechs Monate.
Der Techniker als unfreiwilliger Postverteiler
Die Meldung ist da. Nur nicht beim Incident-Team. Ein Netzwerktechniker soll sie weiterleiten. Tobias Knecht beschrieb diesen Umweg im APNIC-Whois. Tobias Knecht beschrieb in seinem Vorschlag vom Februar 2010, dass Meldungen im APNIC-Gebiet häufig an tech-c oder admin-c gingen. Im Whois fehlte ein verpflichtender Kontakt für Missbrauchsfälle. Viele Betreiber hatten eigene Teams. Das öffentliche Verzeichnis zeigte weiter allgemeine Kontakte.
Prop-079 verband den Eintrag einer Ressource mit der zuständigen Stelle. IPv4- (inetnum), IPv6- (inet6num) und AS-Nummern-Einträge (aut-num) sollten auf ein IRT-Objekt verweisen. IRT steht für Incident Response Team; das Objekt musste eine abuse-mailbox enthalten. Wer eine Adresse nachschlug, fand nun den Meldeweg. Die Suche nach einem freiwilligen Weiterleiter fiel weg.
Die Umstellung folgte dem normalen Pflegezyklus. Neue Einträge brauchten den Verweis sofort. Alte bekamen ihn bei der nächsten Änderung. APNIC nannte in der Einführungsmitteilung zwei praktische Möglichkeiten: einen eigenen Kontakt mit Verfahren vorbereiten oder einen willigen Vorleister beziehungsweise ein externes Incident-Team einschalten. Der angegebene Kontakt musste Berichte wirklich entgegennehmen.
Ein Postfach braucht Pflege
Nach APNICs Chronologie erzielten Policy SIG und Mitgliederversammlung am 4. März 2010 Konsens; der Exekutivrat stimmte im Mai zu. Am 8. November wurde der IRT-Verweis für die Erstellung oder Änderung der betreffenden Datensätze verbindlich. Das ältere Abuse-Mailfeld in Rollenobjekten verschwand Anfang 2011. Knecht hatte dem Meldeweg einen eigenen Platz im Register verschafft.
Sein Text benannte schon die nächste Schwierigkeit: Kontaktangaben altern. Laut APNICs IRT-Hinweisen brachte eine spätere, von anderen Personen verfasste prop-125 ab 30. Juni 2019 die halbjährliche Validierung von IRT-Mailadressen. Erst bekam der Bericht die richtige Anschrift. Später kam die regelmäßige Prüfung hinzu, ob dort noch jemand antwortet.
Ein Bericht kann erst bearbeitet werden, wenn das zuständige Team ihn erhält. Knecht machte dessen Postfach über die Nummernressource auffindbar. Zwischen einem im Whois gefundenen Kontakt und einem Incident-Team liegt damit weniger Zufall — und weniger Weiterleitung durch Leute, die gerade ganz andere Arbeit haben.
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