Summary

  • Tobias Fiebig und Franziska Lichtblau beschrieben bei RIPE 93 den Werdegang eines Technikers, der eine neue Lösung zur richtigen Zeit einführt, ihr einziger Experte wird und später Verbesserungen abwehrt, während er ihre Störungen behebt. Das offizielle Abstract führt diesen Verlauf bis zum Busfaktor nahe eins und zur Erschöpfung.
  • Im Tagesbericht des RIPE NCC stehen ihre Gegenmittel: Kollegen zu Wort kommen und wachsen lassen, alte Gewissheiten überprüfen, Rückmeldungen einholen und einen Irrtum eingestehen. Damit kann Wissen die Person verlassen, bevor der Dienst von ihrem Dienstplan abhängt.

Ein Mann kennt die Konfiguration, ein Mann bekommt den Pager. Das klingt zunächst nach Effizienz und später nach einem ernsthaften Problem der Personalplanung. Tobias Fiebig und Franziska Lichtblau stellten am 26. Oktober bei RIPE 93 genau diese Figur auf die Bühne. Im offiziellen Vortragsabstract macht ein junger Ingenieur mit einer neuen Technologie alles richtig. Dann wird er zu ihrem Hüter. Er bekämpft Vorschläge für Änderungen und löscht die Brände, die das inzwischen alte System verursacht. Der Busfaktor nähert sich eins; der Fachmann brennt aus und schreckt Nachwuchs ab. Eine richtige Entscheidung hat sich einen falschen Alleinbesitzer gesucht.

Das RIPE-93-Programm gab den beiden eine halbe Stunde im Eröffnungsplenum. Der Bericht des RIPE NCC hält fest, was sie dem Betrieb empfehlen: Platz für andere Stimmen, erneute Prüfung alter Axiome, Offenheit für Kritik und Selbstreflexion. Wer in der Änderungsrunde einen Einwand zulässt, erklärt auch die Annahmen hinter dem aktuellen Zustand. Wer einen Kollegen an einer Reparatur beteiligt, schafft einen zweiten Menschen, der die nächste Nacht durchschlafen oder übernehmen kann.

TU Wien stellt Fiebig als Professor für Computer Networks seit März 2026 und Leiter der Forschungseinheit Internet Infrastructures vor. Seine Arbeit umfasst Protokolle und Messungen ebenso wie menschliche und organisatorische Fragen des verlässlichen Netzbetriebs. Dass er vor den menschlichen Abhängigkeiten warnt, kommt aus der Technik, nicht aus einem Motivationsseminar.

Viele Teams nennen ihren besten Feuerwehrmann „unersetzlich“. Jede nicht dokumentierte Ausnahme und jedes abgewehrte Änderungsangebot macht das Wort wörtlicher. Die Technik, die er einst rettete, kann dann nur in dem Tempo altern, in dem er allein sie noch versteht. Fiebigs und Lichtblaus Pointe ist scharf: Die Anerkennung des Experten sollte an der Zahl seiner Nachfolger sichtbar werden, nicht an der Zahl der Nächte, in denen nur sein Telefon klingelt.