Zusammenfassung

  • Autonomica ergänzte in einem Laboraufbau eine simulierte Wurzel um Test-Labels für IDN-Top-Level-Domains und prüfte sie mit ausgewählter DNS-Software. Im getesteten Umfang meldete der Bericht kein unerwartetes Verhalten.
  • ICANN stellte klar, dass der Versuch weder die produktive Wurzel noch die Perspektive von Endnutzern einbezog. Das Ergebnis konnte eine technische Entscheidung stützen, aber keinen Namen genehmigen und nicht bestimmen, wer ihn auswählen durfte.

Eine Top-Level-Domain ist nur ein kurzes Label. Ihre Aufnahme in die Wurzel verändert jedoch, wohin das öffentliche DNS Menschen führen kann. 2006 trennte ICANNs Testplan zwei Fragen, die leicht ineinanderlaufen: Können DNS-Komponenten internationalisierte Labels in einer wurzelähnlichen Umgebung transportieren? Und machen Anwendungen und Oberflächen diese Namen für Menschen benutzbar? Die erste Frage wurde im Labor untersucht. Die zweite war als spätere Phase vorgesehen und durfte deshalb nicht als Ergebnis der ersten gelten.

Tina Dam war eng in das Programm eingebunden; als Autorin des Versuchs führen die Quellen sie jedoch nicht. Das ICANN-Archiv beschreibt sie als Senior Director für IDNs, zuständig für Entwicklung und Management entsprechender Projekte, darunter den Fast Track für Länder-Domains. Die Mitteilung von 2007 nennt sie als Kontaktperson für den Test. Den Bericht von Autonomica verfasste Lars-Johan Liman. Als der Fast Track 2009 startete, sprach Dam von Jahren der Entwürfe, Tests und ehrenamtlichen Arbeit. Das belegt ihre anhaltende Führungsrolle im Programm, nicht die persönliche Gestaltung oder Durchführung jedes einzelnen Tests. (ICANN-Biografie; Testmitteilung von 2007; Ankündigung des Starts 2009)

Der Versuchsaufbau war konkret und begrenzt. Nachdem ICANN Autonomica im Oktober 2006 beauftragt hatte, veröffentlichte die Organisation einen Planentwurf zur Kommentierung. In Stockholm richtete Autonomica eine abgeschlossene Umgebung mit zwei Root-Nameservern, einem Server für Top-Level-Domains, iterativen Resolvern und einem Abfragegenerator ein. Grundlage war eine Kopie der aktiven Root-Zone, ergänzt um Testdelegierungen. Auf den Root-Servern liefen BIND 9.3.2 und NSD 2.3.5; bei den Resolvern kamen mehrere BIND-Versionen sowie Microsoft DNS unter Windows 2000 und 2003 zum Einsatz. Das Team schickte gewöhnliche DNS-Abfragen durch den Aufbau und suchte nach falschen Antworten oder unerwarteten Verzögerungen. Für die geprüften Fälle verzeichnete der Bericht erwartetes Verhalten und keine überraschenden Verzögerungen. (ICANN-Testplan vom Dezember 2006; Testbericht von Autonomica)

Das Ergebnis verringerte eine bestimmte Unsicherheit: Die ausgewählte Software verarbeitete die ergänzten Delegierungen in dieser simulierten Umgebung. Es bewies nicht, dass jeder Resolver, jedes Gerät, jeder Browser, jede Zeichentabelle oder jeder Registrierungsprozess ebenso funktionieren würde. Der Bericht begrenzte seine Aussage ausdrücklich auf die getesteten Implementierungen. Im März 2007 zog ICANN zwei weitere Grenzen: Der Versuch fand nicht an der produktiven Wurzel statt und bezog die Perspektive der Endnutzer nicht ein. Der frühere Plan hatte Tests von Anwendungen und Oberflächen als eigene Phase beschrieben. Eine korrekte Serverantwort sagt daher nichts darüber aus, was Menschen beim Eingeben, Anzeigen oder Aufrufen eines internationalisierten Namens erleben. (ICANN-Mitteilung zum Test)

Auch die Auswahl des Namens lag nicht beim Labor. Der 2009 angekündigte Fast Track verlangte mehr als technische Kompatibilität: Die Mitteilung nannte Unterstützung durch Regierung und Gemeinschaft sowie eine Stabilitätsprüfung. Das heutige Verfahren trennt weiterhin die „String Evaluation“, bei der geprüft wird, ob ein vorgeschlagenes Label ein berechtigtes Land oder Gebiet repräsentiert, von der „String Delegation“: dem späteren Antrag, einen genehmigten String zu betreiben und in die Wurzel aufzunehmen. Ein Test kann eine Stufe der Entscheidungskette informieren, ohne selbst die Entscheidung zu sein. (Antragssystem des Fast Track)

Auch das Protokoll setzt Grenzen. IDNA unterscheidet ein Unicode-U-Label von seiner ASCII-kompatiblen A-Label-Form. Beide sind verwandte Darstellungen desselben Labels; daraus folgt nicht, dass jede Oberfläche es gleich anzeigt oder akzeptiert. Die späteren IDNA2008-Dokumente beschreiben Registrierung und Lookup, lassen bestimmte Abläufe auf Seiten der Registrare aber außerhalb ihres Geltungsbereichs. Dams öffentliche Biografie führt sie außerdem als ICANN-Mitarbeiterin, die 2010 eine Arbeitsgruppe mit mehreren Interessengruppen bei der Überarbeitung der IDN-Leitlinien unterstützte. Zusammengenommen zeigen die Quellen, warum „der Wurzelzonentest war erfolgreich“ unvollständig bleibt: technische Kompatibilität, Eignung eines Strings, Delegierung und tatsächliche Nutzererfahrung sind getrennte Prüfungen. (RFC 5890; RFC 5891; Entwurf zur Überarbeitung der IDN-Leitlinien 2010)

Quellen