Zusammenfassung
- Von 2000 bis Mitte 2002 bedienten drei Gateways unterschiedliche Kundengruppen in Timor-Leste: das UN-System, das Entwicklungsprojekt des UNDP und Telstra. Nach Darstellung der Regierung arbeitete nur Telstra kommerziell.
- Die Zahl beschreibt getrennte Dienste und Kundenkreise, nicht drei frei zugängliche Anbieter oder drei nachweislich unabhängige internationale Routen. Timor Telecoms Vertrag vom Juli 2002 umfasste das kommerzielle Gateway; UN-Organisationen behielten interne Dienste.
Wenn eine Institution verbunden war, konnten Einwohner deswegen noch keinen gleichartigen Anschluss buchen. Für Timor-Lestes Internet nach dem Krieg ist deshalb die Dienstgrenze aussagekräftiger als eine einzelne Anschlusszahl: Die Gateways entsprachen verschiedenen Aufgaben, Kundengruppen und Finanzierungswegen. In einer Präsentation vom April 2006 unterschied das Verkehrs- und Kommunikationsministerium für den Zeitraum von 2000 bis Mitte 2002 drei Gateways: eines für das UN-System, eines für das Internet Network for Development Project des UNDP und eines von Telstra. Sie versorgten unterschiedliche Kundenkreise; nur Telstras Gateway sei kommerziell gewesen. Mehrere Institutionen konnten also online sein, bevor es einen einheitlichen Einzelhandelsmarkt gab. (Verkehrs- und Kommunikationsministerium von Timor-Leste, „Internet & Intranet Services in Timor-Leste“, 2006)
Der Verwaltungsbedarf erklärt die erste Trennung. Nach den Zerstörungen von 1999 musste die Übergangsverwaltung der Vereinten Nationen in Osttimor (UNTAET) verstreute Büros verbinden. Die Resolution zur Einrichtung von UNTAET legte die Verwaltungsbefugnisse und den Wiederaufbauauftrag fest, beschreibt aber keine Netztopologie. Das Ministerium hält fest, dass UNTAET ohne vorhandene Kommunikationsinfrastruktur ein System für den Austausch zwischen den Büros aufbauen musste. Im November 2000 startete das UNDP ein Projekt, das Internet für öffentliche Verwaltung, zivilgesellschaftliche Organisationen, diplomatische Vertretungen und einige UN-Agenturen bereitstellen sollte. Nach Projektende sollten die beschafften Geräte an die Regierung übergehen. Ein Entwicklungsprojekt mit festgelegtem Auftrag war kein universelles Angebot. (UN-Sicherheitsrat, SC/6745, 25. Oktober 1999; Verkehrs- und Kommunikationsministerium, 2006)
Die beiden Quellen widersprechen sich beim Projektbeginn. Das Ministerium datiert den Start auf November 2000, der Projektleiter den ersten Anschluss auf den 2. Februar desselben Jahres. Sie könnten verschiedene Projektphasen meinen, doch die Quellen lösen den Widerspruch nicht auf; die Abfolge bleibt offen.
Ein Bericht von Michael Mwaura, dem Projektleiter des UNDP, beschreibt den Dienst genauer. Das Network Startup Resource Center archivierte ihn im August 2002. Er datiert den ersten Internetanschluss des Projekts auf den 2. Februar 2000 und sagt, zunächst seien UN-Agenturen im selben Gebäude angeschlossen worden. Der Link startete mit 64 Kbit/s und wurde im April auf 128 Kbit/s erhöht. Später bot das Projekt Direktanschlüsse, Funkzugang, gemietete Einwahlleitungen und individuelle Einwahl an. Die Monatsgebühren unterschieden sich nach Kundengruppe und Dienst; UN-Agenturen im UN House hatten eigene Preise für Direktanschlüsse. Mit der Kapazität wuchs somit auch die Auswahl der Zugangsformen. (UNDP Internet Project in East Timor, vom NSRC archivierter Bericht, 13. August 2002)
Bei den Kapazitätsangaben für Mai 2001 widersprechen sich die Quellen zur Richtung. Mwauras Bericht nennt 512 Kbit/s ausgehend und 128 Kbit/s eingehend. Das Timor-Leste-Kapitel des Digital Review of Asia Pacific 2003/2004 nennt 128 Kbit/s ausgehend und 512 Kbit/s eingehend. Diese Angaben sollten nicht zu einem scheinbar eindeutigen Wert zusammengezogen werden. Beide Quellen belegen den Anstieg von den anfänglichen 64 Kbit/s und ein Upgrade 2001; die Richtung des asymmetrischen Links bleibt in den vorliegenden Unterlagen offen. (UNDP-Projektbericht; Digital Review of Asia Pacific 2003/2004)
Telstra hatte eine andere Stellung: Das Ministerium bezeichnete ihr Gateway für diesen Zeitraum als das einzige kommerzielle. Im Juli 2002 gewann Timor Telecom eine internationale Ausschreibung nach dem Modell „Build-Operate-Transfer“; der Vertrag umfasste den Betrieb des kommerziellen Internet-Gateways des Landes. Damit änderte sich der vorgesehene Betreiber des kommerziellen Zugangs. Eine sofortige Zusammenführung institutioneller Netze ist dadurch nicht belegt. Laut demselben Ministerium behielten UN-Büros und einige diplomatische Vertretungen interne Gateways; Telstra diente ihnen als Ausweichlösung. (Verkehrs- und Kommunikationsministerium, 2006)
Die Chronologie wird oft auf ein einziges Datum der „ersten Internetverbindung“ verkürzt, obwohl die Quellen unterschiedliche Bereiche beschreiben. Der 2. Februar 2000 betrifft das UNDP-Projekt; der ministerielle Bericht zu drei Gateways und getrennten Kundengruppen reicht bis Mitte 2002. Keine der beiden Angaben belegt, wann jede Institution, jedes Unternehmen oder jeder Haushalt Zugang bekam. Die Zahl der Gateways beschreibt die Trennung von Diensten, nicht drei unabhängige Seekabel und auch keine landesweite Abdeckung.
Der Vertrag von 2002 macht Timor Telecom ebenfalls zu einem Teil dieser Geschichte. Das heutige BTW-Verzeichnis führt ein Profil der Organisation; den engeren historischen Beleg liefert der Bericht des Ministeriums: Der Vertrag schloss das kommerzielle Gateway ein. Die Übertragung einer Betriebsaufgabe beweist nicht, dass interne Dienste, öffentlicher Zugang und physischer Transport zu einem System verschmolzen. (Verzeichnisprofil Timor Telecom, SA; Verkehrs- und Kommunikationsministerium, 2006)
Die passende historische Einheit ist nicht „das Land ging online“, sondern der einzelne Dienst und seine Kundschaft. UNTAET brauchte Verwaltungsverbindungen; das UNDP organisierte institutionellen und entwicklungspolitischen Zugang zu eigenen Tarifen; Telstra betrieb das kommerzielle Gateway. Die Vergabe von 2002 änderte diesen kommerziellen Betreiber. Wer die Grenzen sichtbar hält, verwechselt den Anschluss einer Institution nicht mit allgemeinem öffentlichen Zugang und zählt organisatorische Gateways nicht als physische Routenvielfalt.
Quellen
- Verkehrs- und Kommunikationsministerium, „Internet & Intranet Services in Timor-Leste“ (2006)
- Michael Mwaura, UNDP Internet Project in East Timor, NSRC-Archiv (2002)
- Digital Review of Asia Pacific 2003/2004, Kapitel Timor-Leste
- UN-Sicherheitsrat, SC/6745 (1999)
- UNDP, Human Development Report East Timor (2002)
- Verzeichnisprofil Timor Telecom, SA
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