Zusammenfassung

  • TechNet verband Einrichtungen aus Forschung und Entwicklung; den kommerziellen Zugang für die Öffentlichkeit startete SingNet im Juli 1994.
  • Ein Konsortium kaufte TechNet 1995 und machte daraus Pacific Internet. Ein früherer Leiter erinnert sich an den Übergang von Team, Servern und Kunden.

Wer die Geschichte als Wettbewerb um den Titel „der Erste“ erzählt, übersieht den entscheidenden institutionellen Schritt. Singapur wechselte nicht an einem Tag vom Universitätsnetz zum Internet für alle. Zunächst entstand ein Forschungsnetz, dann ein kommerzieller Dienst für die Öffentlichkeit. 1995 wechselte schließlich das bestehende Netz selbst in eine private Betriebsstruktur.

Im September 1991 kündigte Kommunikationsminister Mah Bow Tan die Technology Network, kurz TechNet, als nationale Forschungsinfrastruktur an. Das National Science and Technology Board sollte sie mit Unterstützung des Computer Centre der National University of Singapore und von Singapore Telecom umsetzen. Ein Lenkungsausschuss aus Regierung, Industrie und Hochschulen sollte die Arbeit begleiten. Die Rede dokumentiert den angekündigten Aufbau, nicht den bereits laufenden Betrieb an diesem Tag. Rede von 1991, National Archives of Singapore

Der NUS-Professor Bernard Tan datiert den Start des ersten landesweiten Forschungs- und Entwicklungsnetzes auf 1992. TechNet brachte Internetzugang über die Universität hinaus zu Forschenden in Behörden und Unternehmen. Eine spätere Darstellung des Centre for Liveable Cities zählt für 1994 rund 50 angeschlossene Organisationen; zugelassen waren weiterhin Einrichtungen mit Forschungs- und Entwicklungsbezug. Bernard Tans Rückblick Centre for Liveable Cities

Eine Regierungsrede aus dem Jahr 1994 nennt 27.000 Nutzer aus Forschung, Entwicklung und Bildung auf TechNet. Separat hält sie fest, dass Singapore Telecom SingNet am 1. Juli für die Öffentlichkeit startete und im ersten Monat etwa 600 Abonnenten gewann. „Landesweit“ bedeutete also nicht, dass alle Einwohner TechNet nutzen konnten. Rede von 1994, National Archives

NUS IT führt die Privatisierung von TechNet als Meilenstein des Jahres 1995. Bernard Tan zufolge kauften Sembawang Media, ST Computer Systems und Singapore International Media das Netz und formten daraus Pacific Internet, den zweiten Internetzugangsanbieter des Landes. Eine zeitgenössische Meldung gab die Begründung des NSTB wieder: Weil kommerzielle Unternehmen den Dienst zunehmend nutzten, solle er privatwirtschaftlich kommerzialisiert werden. Die Meldung nannte über 50.000 Nutzer, während die Regierungsrede von 1994 27.000 aufführte. Unterschiedliche Zeitpunkte und womöglich Zählweisen machen daraus keine vergleichbare Zeitreihe. NUS IT South China Morning Post, 4. Juli 1995

Tan Tin Wee, der die TechNet-Einheit leitete, beschreibt den Betrieb hinter dem Wechsel. Nach seiner Erinnerung wechselte sein Team zu Pacific Internet; Netzwerkraum, Server und Kundenstamm gingen mit. Zudem sei eine internationale Leitung von 256 auf 512 kbit/s ausgebaut worden. Das ist die konkrete Erinnerung eines Beteiligten, aber keine geprüfte Anlagenliste des Verkaufs. APNIC-Interview mit Tan Tin Wee

Eine spätere SEC-Einreichung von Pacific Internet besagt, dass das Unternehmen am 28. März 1995 als Sembawang Media Pte Ltd gegründet wurde und noch im selben Jahr den kommerziellen Betrieb in Singapur aufnahm. Firmengründung, TechNet-Verkauf, Lizenzierung und kommerzieller Start hängen zusammen, sind aber unterschiedliche Ereignisse. SEC-Unterlage von Pacific Internet

Der Übergang zeigt, dass sich der institutionelle Zweck eines Netzes ändern kann, ohne dass sein Protokoll neu geschrieben wird. Geräte, Betriebserfahrung, Verbindungen und Nutzer machten TechNet bereits vor dem Verkauf zu einem laufenden Dienst. Die Quellen stützen diese Kontinuität in groben Zügen, legen jedoch weder alle Verkaufsbedingungen noch den Umzug jedes Kunden offen. Vorsichtig lässt sich sagen: Singapurs öffentliches Internet wuchs sowohl durch einen neuen Verbraucherdienst als auch durch die Kommerzialisierung eines bestehenden Forschungsnetzes.