Zusammenfassung
- Ein Update vom Januar 1997 beschreibt einen Universitätsdienst auf Basis von DOS, Waffle und UUCP, der mit der University of Puerto Rico verbunden war.
- Laut Verfasser zahlten 200 bis 300 Menschen monatlich nach dem Umfang der gesendeten und empfangenen E-Mail. Er erinnert sich außerdem, dass das Netz seine Kunden verlor, als Telesur im Oktober 1995 einen Online-Dienst startete.
Das Netz hinter dem Postfach
Der erste öffentliche Internetdienst Surinames wird häufig auf 1995 datiert. Telesurs Jahresbericht 2010 führt in seiner Chronologie für dieses Jahr „Suriname via Telesur op internet“ auf. Die Vereniging Surinaams Bedrijfsleven (VSB) nannte in einem Jubiläumsbeitrag 2016 den 30. Oktober 1995 als Einführungsdatum. Beide Rückblicke erklären nicht, was das Universitätsnetz vor oder parallel zu diesem öffentlichen Angebot leisten konnte.
Ein bei der Network Startup Resource Center (NSRC) erhaltenes Update vom Januar 1997 ist konkreter. Jan David beschreibt ein akademisches System, das anfangs auf einem DOS-Rechner mit Waffle, einem Mailbox- und Bulletin-Board-Programm, einem 9.600-Baud-Telebit-Modem und einer Telefonleitung lief. Per UUCP tauschte es E-Mail mit der University of Puerto Rico aus. Später holten ein 386er mit Waffle und ein 486er mit Linux Nachrichten vom DOS-Rechner ab. Das war ein E-Mail-Pfad, kein allgemeiner Webzugang.
Dasselbe Update unterscheidet diese universitäre Einrichtung von zwei weiteren laufenden Netzen: einem „vollständigen“ Angebot und einem reinen E-Mail-Dienst. Beide waren über Telesurs Erdfunkstelle F2 und eine internationale Satellitenverbindung angebunden. Die kommerzielle E-Mail-Einwahl ist deshalb nicht automatisch mit dem universitären UUCP-Weg gleichzusetzen. Das Archiv ordnet auch nicht jeden Kunden einem Netz zu.
Jeder Nachricht hing ein Preis an
David schreibt, dass 200 bis 300 Menschen das Universitätsnetz nutzten und monatlich nach den gesendeten und empfangenen Kilobytes bezahlten. Verwaltet wurde es ihm zufolge von Gerold Van Dijk, dem Leiter des universitären Rechenzentrums, und Freiwilligen wie Andy Lo A Foe. Eine Teilnehmerliste oder detaillierte Tarifübersicht liegt nicht bei. Nutzerzahl und Abrechnung bleiben daher Angaben eines Beteiligten, keine unabhängig geprüften Kennzahlen.
Die im Bericht genannten kommerziellen Tarife waren anders: Vollständiger Einwahlzugang kostete 25 US-Dollar im Monat, einschließlich zwei Stunden Onlinezeit, danach 20 Cent pro Minute. Der reine E-Mail-Zugang kostete monatlich 10 Dollar, ebenfalls mit anschließendem Minutentarif. Eine 64-kbit/s-Standleitung war mit 3.000 Dollar pro Monat angegeben. Die Zahlen stehen für verschiedene Leistungsstufen und Abrechnungseinheiten; sie sind nicht der Kilobytepreis des Universitätsdienstes.
David zufolge bekam Van Dijk das Geld für eine Standleitung nicht zusammen oder wollte dieses finanzielle Risiko nicht eingehen. Als Telesur im Oktober 1995 seinen Online-Dienst startete, so David, verlor das Universitätsnetz „fast über Nacht“ seine Kunden. Das ist die Erklärung eines netznahen Zeitzeugen, keine Marktstudie. Telesurs Chronik bestätigt einen Internet-Meilenstein im Jahr 1995, aber weder den genauen Monat noch den Rückgang der universitären Kundschaft.
Was die Quellen belegen
Die Quellen stützen eine mehrschichtige Entwicklung: universitäre Store-and-forward-E-Mail, kommerzielle Einwahldienste mit unterschiedlichen Leistungen und Telesurs Internetdienst von 1995. Sie belegen weder das erste gesendete IP-Paket im Land noch die Reichweite von Haushaltszugängen, eine landesweite Nutzerzahl oder das sofortige Ende des Universitätsnetzes. Die Nachricht von 1997 blickt auf die Erfahrung eines einzelnen Netzes zurück; die späteren Darstellungen fassen einen nationalen Meilenstein zusammen.
Dieser Maßstabsunterschied ist entscheidend. Ein nationales Jubiläum kann den Start eines Telekommunikationsangebots markieren und zugleich auslassen, wie ein Campus davor und danach Nachrichten austauschte. Surinames erhaltene Aufzeichnung macht eine kleinere Einheit sichtbar: E-Mail-Bytes über einen von Freiwilligen betriebenen Pfad statt Webseiten oder einer ständigen Verbindung.
Quellen: NSRC, „SR.Net – Suriname Update (1/97)“, 20. Januar 1997; Telesur-Jahresbericht 2010, historischer Überblick; VSB, „Telesur en Suriname markeren 30 jaar internet en digitale vooruitgang“; ICT Association Suriname, „Bloggen over ICT, Mens en Maatschappij“, die ebenfalls das 30-Jahre-Jubiläum rahmt, aber das Universitätsnetz nicht dokumentiert.
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