Zusammenfassung
- Im Oktober 1998 untersagten liberianische Behörden Medien die Veröffentlichung von Nachrichten im Internet. Laut CPJ sendete Star Radio ab dem 29. Oktober nach Zahlung einer Gebühr wieder online.
- Die Kurzwellenfrequenz war Gegenstand einer eigenen Entscheidung und blieb zum Jahresende ausgesetzt. Zeitgenössische Beobachter hielten diesen Kanal für wichtig, um ländliche Gebiete zu erreichen.
Zwei Genehmigungen, zwei Verläufe
Am 14. Oktober wies das Informationsministerium lokale Medien an, keine Informationen mehr im Internet zu veröffentlichen. Das Committee to Protect Journalists (CPJ) berichtet, die Anordnung habe Star Radio gegolten; das Justizministerium habe sie für rechtswidrig erklärt. Neun Tage später entzog das Post- und Telekommunikationsministerium dem Sender die Kurzwellenfrequenzen. Am 28. Oktober wurde Star wegen des Beschäftigungsstatus zweier ausländischer Mitarbeiter mit 1.000 US-Dollar belegt. Am folgenden Tag zahlte der Sender 2.000 US-Dollar Registrierungsgebühr und nahm seine Internetveröffentlichungen wieder auf.
Damit waren nicht alle Dienste wiederhergestellt. Der Menschenrechtsbericht des US-Außenministeriums für 1998 sagt, die Regierung habe ihre Haltung zu Internetveröffentlichungen bald geändert, Star die Kurzwelle aber bis zum Jahresende untersagt. Eine Evaluation der International Foundation for Electoral Systems (IFES), gestützt auf einen Besuch und Gespräche im Herbst 1998, datiert die Wiederherstellung des Internetdienstes auf November. Beide Angaben können unterschiedliche Schritte meinen: die Erlaubnis, Meldungen zu veröffentlichen, den Betrieb des Online-Dienstes und die Rückkehr des Radioprogramms.
Die Unterscheidung war für das Publikum wichtig. Online-Meldungen setzen einen nutzbaren Internetzugang voraus. Kurzwelle benötigt eine Frequenz und einen Sender, kann aber Hörer außerhalb Monrovias erreichen. CPJ zufolge verhinderte die anhaltende Sperre, dass Star während einer bevorstehenden Polio-Kampagne einen großen Teil der Landbevölkerung erreichte. Auch IFES-Interviewpartner beschrieben Kurzwelle als wichtig für Organisationen jenseits der Hauptstadt. Das sind Einschätzungen zur Reichweite, keine gemessenen Hörerzahlen.
Die Quellen nennen weder die Zahl der Online-Leser noch technische Protokolle, mit denen sich der genaue Zeitpunkt der vollständigen Wiederherstellung belegen ließe. Das US-Außenministerium verzeichnete 1998 den Start zweier privater Internetanbieter und keinen bekannten Versuch, den Internetzugang allgemein zu unterbrechen oder zu begrenzen. Es handelte sich also nicht um eine landesweite Internetsperre, sondern um eine Beschränkung journalistischer Veröffentlichungen neben einem länger anhaltenden Eingriff in die Frequenznutzung. Die Rückkehr eines Kanals beendete die Kontrolle über den anderen nicht.
Quellen: CPJ, „Attacks on the Press in 1998 — Liberia“; US-Außenministerium, Menschenrechtsbericht 1998: Liberia; IFES, Evaluation of Fondation Hirondelle/Star Radio.
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