Zusammenfassung

  • Im Oktober 1994 meldete ein Bericht ein laufendes, FidoNet-kompatibles Intermail-System am IPAM-Knoten der University of Sierra Leone. GreenNet in London rief es dienstags und donnerstags ab; laut Bericht fehlte IPAM eine internationale Direktwahlleitung.
  • Securicom bot einen anderen kommerziellen Weg: Kunden wählten einen lokalen Rechner an, der täglich Internet-E-Mails mit Baobab in Washington austauschte. Das Hochschulnetz SierraNet wurde noch erprobt; vier Tage externen E-Mail-Verkehrs waren an den vollständigen Betrieb geknüpft. Der Netzwerkbericht vom Oktober 1994 ist die zeitgenössische Quelle für diesen Weg.

Der erste datierte Bericht schildert keine landesweite Standleitung ins Internet. Am 19. Oktober 1994 hieß es, am IPAM, dem Knoten IPAM der University of Sierra Leone, laufe ein mit FidoNet kompatibles Intermail-System. GreenNet in London rief es dienstags und donnerstags an. Der Hochschulknoten hatte keine internationale Direktwahlleitung; wie sich die weiteren Abrufe finanzieren ließen, war noch offen. Damit eine Nachricht das lokale System verlassen konnte, musste ein Rechner am anderen Ende zur vorgesehenen Zeit anrufen.

Im März 1995 bot Securicom Consultants in Freetown kommerzielle E-Mail an. Die Firma beschrieb ein Speicher-und-Weiterleitungs-System: Der Rechner des Kunden wählte Securicoms lokalen Computer über Modem und Telefonleitung an, tauschte Nachrichten aus und übergab dort die für das Internet bestimmten E-Mails. Baobab Communications in Washington rief Securicoms Rechner einmal täglich ab. Das Basispaket kostete 600 US-Dollar einschließlich eines 14.400-Baud-Modems, Installation und Schulung. Für den Versand wurden 250 Leones je Kilobyte, für den Empfang 150 Leones genannt. Das sind veröffentlichte Preise, keine typische Rechnung und kein Beleg für eine bestimmte Kundenzahl. Die Beschreibung vom März hält Weg und Tarif fest.

Ein Bericht vom April zeigt, warum von „dem“ Sierra-Leone-Gateway nicht die Rede sein kann. Am Hochschulknoten des IPAM herrschte wenig Betrieb, und der Institutsleiter fürchtete die Kosten. Der FidoNet-Knoten des US Information Servicees leitete seine Internet-E-Mails direkt über Baobab, nicht über Securicom. Die Bibliothek des Fourah Bay College wiederum vereinbarte mit Securicom einen Dienst für Menschen ohne eigenen Computer: Mitarbeitende tippten Nachrichten ab und druckten Antworten gegen eine geringe Gebühr aus. Der Zugang zum Postfach setzte also nicht zwingend einen eigenen Rechner voraus, wohl aber die Arbeitszeit der Bibliothek. Der Netzwerkbericht vom April beschreibt diese verschiedenen Zugangspunkte.

Im September erklärte Feyi Asgill von Securicom, die Firma tausche seit November 1994 täglich E-Mails mit Baobab aus; mehr als zehn Stellen seien angeschlossen, darunter Sierra Leone Chamber of Commerce and Industry, Sierra Leone Broadcasting Service und die Bibliothek des Fourah Bay College. Außerdem schrieb er, weltweite Webdienste seien „per E-Mail“ erreichbar. Das ist als Anbieterbeschreibung eines durch E-Mail vermittelten Zugangs zu lesen, nicht als Nachweis, dass Abonnenten das gesamte Web wie über eine direkte IP-Verbindung durchstöbern konnten. Ein lokaler Webdienst war noch geplant; auch der Wechsel zu zwei Abrufen am Tag stand erst bevor. Asgills Bericht vom September ist eine zeitgenössische Anbieterangabe, keine unabhängige Nutzungsprüfung.

Parallel erprobte SierraNet ein Hochschulnetz, das lokale Knoten mit drei Gateways verbinden sollte: CABECA am IPAM, HealthNet bei SierraNet und Baobab bei Securicom. Der Oktoberbericht bezeichnete den lokalen Nachrichtenaustausch und Gateway-Schleifen als Tests. Der vorgeschlagene Zeitplan sollte die IPAM-Abrufe dienstags und donnerstags um höchstens zwei weitere Tage über HealthNet/SierraNet ergänzen. Vier Tage externer E-Mail-Verkehr waren ein mögliches Ergebnis nach vollständiger Inbetriebnahme, keine bereits erreichte Dienstgüte. Eine begleitende Nachricht beschrieb Stromausfälle am IPAM als Risiko für die Abrufe und verglich eine USV für 1.000 US-Dollar mit Solarstrom und Batterien sowie einer lokal zusammengestellten Notstromlösung. Der SierraNet-Testbericht und der Vorschlag zur Gateway-Stromversorgung unterscheiden Betrieb und Planung.

Heng Lus Note 65, „Running-Code Primacy“, dient hier als redaktionelle Linse, um einen als laufend beschriebenen Abruf von einer getesteten Topologie und einem bedingten Zeitplan zu trennen. Sie ist kein Beleg für Sierra Leones Geschichte. Im April 1998 veröffentlichte das NSRC einen Traceroute sowie Telnet- und Ping-Antworten eines Sierratel-Hosts. Dieser spätere Nachweis legt nicht fest, wann der erste öffentliche IP-Dienst begann. Die Route von 1998 markiert eine andere Phase als die E-Mail-Systeme von 1994–95.