Zusammenfassung

  • Die W3C-Empfehlung WCAG 2.1 von 2018 verlangte, dass durch Interaktion ausgelöste Bewegungsanimationen abgeschaltet werden können, sofern sie für Funktion oder Information nicht wesentlich sind.
  • Der erste öffentliche Entwurf von Media Queries Level 5 beschrieb im März 2020 prefers-reduced-motion mit den Werten reduce und no-preference. Eine spätere WAI-Technik zeigt, wie Autoren Bewegung unter reduce entfernen oder eine ruhige Seite bauen und Bewegung erst bei no-preference hinzufügen können.

Die Karte machte bei jedem Klick einen Purzelbaum. Das Gestaltungsteam sah darin eine sympathische Geste. Für den Menschen am Bildschirm war es vielleicht das zehnte Mal, dass zwischen ihm und dem nächsten Absatz noch eine kleine Zirkusnummer stand. Seinen Wunsch hatte er längst in Betriebssystem oder Browser hinterlegt: bitte weniger Bewegung. Nun kam es darauf an, ob die Seite diesen Wunsch in ihre eigene Gestaltung einbezog.

Die W3C-Empfehlung WCAG 2.1 vom 5. Juni 2018 sprach das Problem in Erfolgskriterium 2.3.3 an, Animation aus Interaktionen. Bewegungen, die eine Handlung des Nutzers auslöst, sollen abschaltbar sein, wenn sie für Inhalt oder Funktion nicht wesentlich sind. Das Dokument zeichnet keine neue Karte. Es gibt dem Leser die Wahl, ob er vor ihr noch einmal eine dekorative Flugfigur ansehen muss.

Der erste öffentliche Arbeitsentwurf von Media Queries Level 5 vom 3. März 2020 beschrieb die passende CSS-Frage: prefers-reduced-motion. reduce steht für einen dem System mitgeteilten Wunsch nach weniger Bewegung. no-preference sagt, dass dem System keine solche Präferenz bekanntgegeben wurde; als bloße boolesche Abfrage ergibt dieser Wert sogar falsch. Schweigen bleibt Schweigen. Es ist keine Bitte um drei zusätzliche Salti.

Der Browser reicht das Signal aus der Umgebung des Lesers an die Seite weiter. Die Website entscheidet, welche CSS-Regeln darauf reagieren. Sie kann die neue Karte sofort zeigen, den Übergang beruhigen oder eine bestimmte Animation an eine Bedingung knüpfen. Eine einzige Einstellung des Lesers kann viele Seiten erreichen; jeder Herausgeber bleibt für die Bewegungen verantwortlich, die er seinen Inhalten verpasst. Das ist eine kleine technische Schnittstelle mit einer großen gestalterischen Frage dahinter.

Der Arbeitsentwurf vom 18. Dezember 2021 führte die beiden Werte im Bereich der Nutzerpräferenzen weiter. Die W3C-Veröffentlichungsgeschichte zeigt den ersten öffentlichen Entwurf 2020 und die späteren Arbeitsfassungen, darunter die von 2021. Eine Entscheidung aus einem Einstellungsmenü bekam eine Formulierung, die sich in einer Stylesheet-Bedingung wiederfinden ließ.

Die WAI-Technik C39, im Januar 2026 aktualisiert, beschreibt zwei Wege. Man kann zuerst die Animation bauen und sie unter @media (prefers-reduced-motion: reduce) ausschalten. Oder man beginnt mit einem ruhigen Layout und fügt den Effekt erst unter @media (prefers-reduced-motion: no-preference) hinzu. Für unsere akrobatische Karte ist die zweite Variante ein nützlicher Redaktionstest: Welche Information liefert ihr Purzelbaum, die ihr stilles Erscheinen nicht bereits liefert?

C39 bezieht sich hier auf CSS-Bewegung nach einer Handlung wie Klicken oder Scrollen. WAI erklärt, dass solche Effekte manche Menschen ablenken oder ihnen Übelkeit bereiten können. Das Kriterium von 2018 berücksichtigt wesentliche Bewegung für Funktion und Information. Der Leser kann seine Wahl über eine allgemeine Einstellung mitteilen, ohne jeder Website seine persönlichen Gründe vorzulegen.

Die künstlerische Leitung bleibt bei der Website, und der Browser trägt ihr die Präferenz des Lesers zu. Die nächste Karte muss erscheinen und lesbar sein. Ein Purzelbaum ist eine zusätzliche Entscheidung. Wenn der Leser um einen Stuhl bittet, kann die Seite auch im Sitzen eine gute Geschichte erzählen.