Zusammenfassung

  • Safe Swiss Cloud AG beschreibt sich als „100 % Schweizer“ und privat gehaltenes Schweizer Unternehmen; die eigene Unternehmensseite nennt zwei eigene Rechenzentren, mehr als 1.000 Hosts und über 10.000 Server — Zahlen aus Selbstauskunft, nicht aus einer Prüfung.
  • Am 3. Dezember 2017 meldete das Unternehmen selbst, dass EveryWare AG eine Mehrheitsbeteiligung an Safe Swiss Cloud AG erworben hat; Netzwoche und IT Reseller berichteten unabhängig, nannten aber weder Betrag noch Anteilsquote.
  • Bereits 2015 dokumentierte die Fachpresse Colocation bei Interxion in Glattbrugg bei Zürich und einen bestehenden Standort bei Equinix Switzerland — also Fremdinfrastruktur neben dem Verweis auf „eigene“ Rechenzentren.
  • Zertifizierungs- und Compliance-Angaben (ISO 27001 sowie die jüngeren Normen, FINMA-Bezüge, BAIT/BAFin, HIPAA, TÜV) stammen aus Unternehmensangaben; unabhängige Registerbelege wurden in den geprüften Quellen nicht erfasst.

Die Ausgangsfrage

Souveränität ist in der Cloud-Werbung ein mehrdeutiges Wort. Es kann den Ort bezeichnen, an dem Daten gespeichert werden, den Rechtsraum, der den Anbieter bindet, oder das Eigentum an den physischen Anlagen. Ein Anbieter kann die ersten beiden Punkte erfüllen und beim dritten dennoch von Dritten abhängen. Safe Swiss Cloud AG positioniert sich ausdrücklich auf allen drei Ebenen. Die Frage lautet daher nicht, ob das Unternehmen Schweizer Cloud-Dienste betreibt — das tut es —, sondern welche Teile dieser Positionierung durch unabhängig prüfbare Quellen getragen werden.

Die eigene Compliance-Seite formuliert die Position am schärfsten: Das Unternehmen bezeichnet sich als 100 % Schweizer Unternehmen, verweist auf Rechenzentren in der Schweiz und führt aus, als vollständig Schweizer Eigentum nur Schweizer, europäischem und anerkanntem internationalem Rechtsgebrauch unterworfen zu sein (Safe Swiss Cloud, swiss-secure-compliant). Auf derselben Seite steht der Satz, man nutze das Interxion-Rechenzentrum in Glattbrugg bei Zürich, und es wird die FINMA-Rundschreiben-Praxis zum Outsourcing bei Banken referenziert. Zwei Aussagen auf einer Seite berühren damit genau die Grenze, um die es hier geht: einerseits „eigene“ Schweizer Infrastruktur, andererseits dokumentierte Nutzung einer fremden Colocation-Einrichtung.

Was die Unternehmensseiten selbst sagen

Die Unternehmensseite nennt Gründung 2013, 100 % Schweizer Eigentum, zwei eigene Rechenzentren, mehr als 1.000 Hosts, über 10.000 Server, Kunden auf vier Kontinenten, seit 2011 ausschließlich erneuerbare Energie, eine erste ISO-27001-Zertifizierung 2015 und den Anspruch, seit Oktober 2019 alle Plattformen in eigenen Rechenzentren in der Schweiz zu betreiben; als Adresse wird Zurlindenstrasse 52A, 8003 Zürich angegeben (Safe Swiss Cloud, Über uns). Weitere Produktangaben desselben Auftritts beschreiben souveräne IaaS auf Basis von Kubernetes, OpenStack und VMware, private KI-Umgebungen mit GPU-Pools in der Schweiz und der EU sowie aktuelle Zertifizierungen und Normbezüge bis hin zu einer TÜV-Bescheinigung zur Bilanzierung erneuerbarer Energie seit 2024. Diese Angaben sind sämtlich Selbstauskunft: Sie sind detailliert und konsistent genug, um als Positionierung ernst genommen zu werden, aber keine der geprüften Quellen enthält einen unabhängigen Registerbeleg, etwa einen akkreditierten Zertifikatsauszug.

Für ein Unternehmen, dessen Verkaufsargument die Prüfbarkeit ist, bleibt das der weichste Punkt der Außendarstellung.

Die Eigentümerfrage

Am 3. Dezember 2017 veröffentlichte Safe Swiss Cloud selbst einen Beitrag, wonach EveryWare AG im Rahmen einer Cloud-Kooperation eine Mehrheitsbeteiligung an Safe Swiss Cloud AG erworben habe, wobei beide Unternehmen unabhängige Anbieter und Marken blieben (Safe Swiss Cloud, Blog). Das ist eine datierte Primärquelle des Unternehmens selbst und damit die stärkste verfügbare Evidenz zur Eigentümerstruktur — und zugleich der Beleg, dass die Formel „100 % Schweizer“ nicht „ohne externe Mehrheitseigner“ bedeutet.

Die Fachpresse berichtete unabhängig. Netzwoche meldete am 4. Dezember 2017, das Zürcher Unternehmen Everyware habe eine Mehrheitsbeteiligung an der Basler Safe Swiss Cloud erworben, mit rund 90 Mitarbeitenden in beiden Häusern, unabhängigen Marken und ohne Angabe des Transaktionsvolumens (Netzwoche). IT Reseller berichtete am 1. Dezember 2017, Everyware unter CEO Kurt Ris habe die Mehrheitsübernahme angekündigt und plane den Ausbau von CaaS, PaaS und SaaS; beide Firmen blieben eigenständig (IT Reseller). Der Wikipedia-Eintrag fasst den Vorgang als Übernahme einer kontrollierenden Beteiligung durch Everyware AG Ende 2017 zusammen (Wikipedia).

Drei unabhängige Berichte stimmen damit mit der Unternehmensdarstellung überein. Was fehlt, ist die Quantifizierung: keine Anteilsquote, kein Kaufpreis, keine spätere Kapitaltabelle. Ob die Beteiligung heute unverändert besteht, ist öffentlich nicht belegt. Ebenso offen bleibt die Sitzfrage: Das Unternehmen nennt Zürich, frühere Berichte beschreiben eine Basler Ansiedlung.

Auch der Gründungsjahrgang ist nicht einheitlich — die Unternehmensangabe lautet 2013, ein bei der Recherche aufgetauchter Profil-Eintrag eines Datenanbieters nennt 2009; dieser Eintrag ist nicht Teil der hier geprüften Quellen und wird deshalb nur als unbestätigte Abweichung vermerkt.

Wo die Infrastruktur tatsächlich stand und steht

Schon vor der Übernahme war die physische Basis teilweise fremd. IT-Markt berichtete am 26. Mai 2015, Safe Swiss Cloud betreibe Cloud-Infrastruktur im Colocation-Zentrum von Interxion in Glattbrugg und ergänze damit einen bestehenden Rechenzentrumsstandort bei Equinix Switzerland (IT-Markt). IT Reseller bestätigte am selben Tag, dass Interxion Glattbrugg Safe Swiss Cloud als Kunden gewonnen habe, und zitierte CEO Prodosh Banerjee zu Sicherheit, Verfügbarkeit und Konnektivität (IT Reseller).

Diese Berichte sind zehn Jahre alt und beschreiben keine heutige Architektur. Sie sind dennoch relevant, weil sie zeigen, dass die Formulierung „eigene Rechenzentren“ und die Nutzung von Colocation-Fläche bei Interxion und Equinix mindestens zeitweise nebeneinander bestanden. Eine öffentliche Erklärung, wann und ob dieser Fremdanteil vollständig in eigene Anlagen überführt wurde, ließ sich in den geprüften Quellen nicht finden — die Unternehmensseite behauptet für Oktober 2019 die vollständige Verlagerung auf eigene Rechenzentren, belegt sie aber nicht mit einem Betriebs- oder Eigentumsnachweis.

Der Unterschied ist für Kunden erheblich: Colocation-Fläche kann gemietet, geteilt und gekündigt werden; ein Eigentum an Gebäude und Technik ist es nicht.

Was der öffentliche Rekord trägt — und was nicht

Gesichert ist damit: Safe Swiss Cloud AG ist ein Schweizer Cloud-Anbieter mit Sitz in Zürich, der sich seit Jahren als souveräne Schweizer Alternative positioniert; seit Dezember 2017 hält EveryWare AG eine Mehrheitsbeteiligung, die der Anbieter selbst öffentlich gemacht hat; und mindestens 2015 nutzte das Unternehmen Colocation bei Interxion und Equinix. Nicht gesichert ist: die heutige Eigentümerstruktur, die aktuelle Aufteilung zwischen eigenen und angemieteten Rechenzentrumsflächen, unabhängige Belege für die Zertifizierungs- und Compliance-Angaben sowie jede Quantifizierung der KI-Infrastruktur.

Für Bewertungszwecke ist das keine Widerlegung, sondern eine Präzisierung. Jurisdiktionelle Souveränität — Schweizer Rechtsraum, Schweizer Standort, Schweizer Personal — ist bei diesem Anbieter plausibel und teilweise belegt. Kontrollbasierte Souveränität — wer die Anteile hält, wer die Gebäude besitzt, wer den Betrieb steuert — ist im öffentlichen Rekord schwächer dokumentiert als die Marketingformel nahelegt.

Den Verzeichniseintrag zum Unternehmen finden Sie hier: Safe Swiss Cloud im BTW-Verzeichnis.