Zusammenfassung

  • Der ROLL-Entwurf vom 28. Oktober fordert 0x0B für Response Spreading und 0x0C für DIO Option Request. Im IANA-Register stehen diese Werte bereits für RREQ und RREP nach RFC 9854. Schon Fassung 02 verlangte dieselben Werte; Fassung 03 hat den Konflikt übernommen.
  • Das N-Flag soll auf eine Multicast-Anfrage eine ausdrückliche, einmalige DIO-Antwort auslösen, ohne die Trickle-Zeitgeber der Nachbarn zurückzusetzen. Wiederholte Anfragen, böswillige Bedingungen und ältere Router können laut Entwurf weiterhin Strom, Funkkanal und Rechenzeit verbrauchen.

Ein Registerplatz, zwei Befehle

Ein RPL-Optionscode bestimmt, wie ein Empfänger die folgenden Bytes liest. RFC 9854 weist 0x0B RREQ und 0x0C RREP zu. Das öffentliche IANA-Verzeichnis führt beide unter RPL Control Message Options. Abschnitt 7.2 des neuen Entwurfs begehrt dieselben Plätze für andere Funktionen. Zwar kennzeichnet der Text die Werte als von IANA zu bestätigen. Aber ein Vorbehalt verschafft einem belegten Feld keinen zweiten Inhalt. Ein Empfänger braucht eine eindeutige Anweisung, um die Nachricht zu deuten.

Hier ist ein Widerspruch zwischen Spezifikation und Register belegt. Ein tatsächlich fehlgedeutetes Paket in einem betriebenen Netz ist nicht belegt. Die nächste Fassung braucht freie Codes oder eine ausdrücklich andere Codierung. Die Fassung 02 enthielt die gleichen Anträge. Wer den Fehler allein der dritten Fassung zuschreibt, datiert ihn falsch.

Der Grund für den Aufwand liegt im alten Anfrageverfahren. Nach RFC 6550 sendet ein Knoten eine DODAG Information Solicitation, kurz DIS, per Multicast, wenn ihm Informationen über den Routinggraphen fehlen. Passende Nachbarn behandeln die Anfrage als Inkonsistenz und setzen ihre Trickle-Zeitgeber zurück. Danach versenden sie DODAG Information Objects, DIOs, eine Zeit lang häufiger. Der Fragende erhält die gesuchte Auskunft. Andere Router liefern zusätzliche Funksendungen, auch wenn sie selbst keine Frage hatten.

Das vorgeschlagene N-Flag, No Inconsistency, ändert die Kostenverteilung. Ein Router soll bei einer Multicast-DIS mit N den passenden Trickle-Zeitgeber unangetastet lassen und eine ausdrückliche DIO senden. Aus einer Phase häufigerer Ansagen wird eine einzelne Antwort. Mit dem T-Flag kann diese Antwort als Unicast statt als Multicast erfolgen. Response Spreading verteilt mehrere Antworten zeitlich, damit nicht alle zugleich den Kanal beanspruchen. Das R-Flag und DIO Option Request bestimmen, welche DIO-Optionen der Fragende braucht. Die Anfrage wird genauer, ihr Funkradius kleiner.

Einmal antworten, beliebig oft fragen

Die Sicherheitsanalyse des Entwurfs benennt die Grenze. Ein Angreifer kann viele DIS senden und dadurch weiterhin Batterien, Funkzeit und Verarbeitung beanspruchen. Absichtlich unpassende Bedingungen können nützliche Antworten unterdrücken und den Netzbeitritt verzögern. Alte Router können beim Verhalten aus RFC 6550 bleiben und Trickle zurücksetzen. Der Entwurf fügt keine neue Authentifizierung oder Integritätsprüfung hinzu; er verweist auf bestehende RPL-Sicherheitsmittel, Optionsprüfung, Ressourcenbegrenzung und mögliche Ratenbegrenzung.

Wer die Frage stellt, kontrolliert den Auslöser; wer antwortet, trägt einen Teil der Kosten. Genau diese Asymmetrie soll N verkleinern. Der IETF Datatracker führt Fassung 03 als aktiven Arbeitsgruppenentwurf, nicht als RFC. Freie Optionswerte und Messungen mit alten und neuen Knoten unter wiederholten Anfragen würden zeigen, wie viel die Änderung im Betrieb tatsächlich spart.

Quellen