Zusammenfassung

  • Die geordnete AAL2-Profilschnittmenge in RFC 3441 erzeugte eine kompatible Liste, ordnete aber nicht automatisch jeden Dienst einer Profilzeile zu.
  • vsel, dsel und fsel waren Präferenzen für die Zuordnung von Dienst und Profilzeile. Sie belegten weder die aktuell verwendete Zeile noch einen aufgebauten ATM-Träger oder angekommenes Medium.

Eine Codec-Liste wirkt nebensächlich, bis zwei Gateways damit eine gemeinsame Sprachverbindung herstellen sollen. Ein AAL2-Profil enthält Zeilen mit Codec- und Paketierungsinformationen. Die Anrufsteuerung kann Profile bevorzugt ordnen; jedes Gateway führt eine eigene Liste lokal unterstützter Profile. Die gemeinsame Schnittmenge zu finden beantwortet noch nicht, welcher Dienst welche Zeile im ausgewählten Profil nutzt.

RFC 3441 beschreibt diese Grenze mit einem ATM-Paket für das Media Gateway Control Protocol (MGCP). Ein externer Call Agent steuert damit Endpunkte eines Mediengateways. Das Paket ergänzt lokale Verbindungsoptionen für ATM-Trägertyp, Anpassungsschicht, Dienst- und Verkehrsparameter sowie Codec- und Profilverhandlung. Es ist ein Informational RFC: Die Syntax sagt, was ein konformer Austausch abbilden kann, nicht welche Produkte es implementiert haben oder wie viele Anrufe diese Optionen nutzten.

Die erste Trennung liegt in den Profillisten. Die L-list eines Gateways bezeichnet lokal unterstützte Profile. Der Call Agent kann eine geordnete C-list übermitteln; vom anderen Ende kommt im Sitzungsdeskriptor eine R-list hinzu. RFC 3441 verlangt je nach Gesprächsrichtung und lokaler Policy eine geordnete Schnittmenge. Ein übrig gebliebenes Profil belegt Kompatibilität innerhalb dieser Listen und Regeln, aber weder einen Trägerkreis noch Dienstwahl oder Medientransport.

Das RFC-Beispiel zeigt den Zwischenstand. Gateway 1 unterstützt custom 100, itu 3, itu 1, itu 8; sein Call Agent bietet itu 8, itu 9, atmf 7, itu 3, itu 1, custom 100 an. Nach der Ursprungspriorität ergibt sich itu 8, itu 3, itu 1, custom 100. Gateway 2 schneidet diese entfernte Liste mit den lokalen Profilen und dem eigenen Angebot: Übrig bleiben itu 3, itu 1, ausgewählt wird itu 3. Die Präferenz des ersten Gateways für itu 8 verpflichtet die Gegenstelle also nicht zu diesem Profil.

Innerhalb des gewählten Profils bleibt eine zweite Frage offen. Der Ursprung hatte vsel und dsel an itu 8 gebunden. Diese Angaben beschrieben itu 3 nicht; Gateway 2 durfte sie nicht einfach übernehmen. Es griff auf lokal verfügbare Zuordnungen für das gewählte Profil zurück und gab eigene Hinweise aus: bestimmte Codeczeilen für Sprache, andere für Sprachbanddaten, im Beispiel einschließlich Fax. Erst das ausgewählte Profil bestimmte, welche Dienstzuordnungen anwendbar waren.

RFC 3441 nennt die Selektoren für Sprache, Sprachbanddaten und Fax vsel, dsel und fsel. Sie bevorzugen Zuordnungen von Diensten zu Profilzeilen, garantieren aber nicht, dass jedes Paket stets dieselbe Zeile nutzt. Sobald das Profil an eine Verbindung gebunden ist, darf der AAL2-Sender während des Betriebs die Zeile wechseln. Eine Anwendung kann Wechsel anhand des Dienstzustands einschränken und so Einfachheit gegen Flexibilität eintauschen; die Präferenzoptionen selbst verbieten den Wechsel nicht. Ein Profilname ist daher kein Codec-Beleg für jedes Paket.

Die übrigen Optionen betreffen andere Ebenen. ATM-Verbindungstyp, virtuelle Verbindungskennung und Einrichtungsoptionen gehören zum Träger; AAL-Optionen beschreiben Anpassung; Verkehrsparameter die ATM-Dienstkategorie; Codec-Auswahlen die Medienpräferenz. Angenommener MGCP-Befehl, SDP-Deskriptor, verhandeltes Profil, Träger-Einrichtungsantwort, Zellen auf einem virtuellen Kreis und verständlicher Ton sind verschiedene Beobachtungen. RFC 2805 und RFC 3435 trennen die Verantwortungen von Controller, Gateway und Netz. RFC 3108 beschreibt ATM-Trägereigenschaften in SDP, macht aus einer Profilvereinbarung aber keinen Transportnachweis.

Der Call Agent besitzt sein Angebot und seine Policy; jedes Gateway kennt lokale Profile und Dienstzuordnungen; das ATM-Netz entscheidet, ob es unter den angeforderten Parametern einen virtuellen Kreis aufbaut; das sendende Gateway wählt die momentan verwendete Zeile. Ein entfernter Deskriptor hält verhandelte Absicht fest, belegt aber weder Zelltransport noch Rekonstruktion und Wiedergabe des vorgesehenen Dienstes.

Dieser Beitrag behandelt allein die Grenze zwischen Profillisten und Dienstzeilen in RFC 3441. Er behauptet weder heutigen MGCP-Einsatz noch Anbieter-Verhalten, ein abgeschlossenes ATM-Gespräch, Codec-Qualität, reservierte Kapazität, gemessene Interoperabilität oder erlebte Sprachqualität. Die Spezifikation beschreibt ein Austauschmodell und Präferenzvokabular; spätere Ergebnisse benötigen unabhängige Belege.

Quellen: RFC 3441; RFC 3435; RFC 2805; RFC 3108; RFC 3054; RFC 3336; RFC 3337. Datensätze: RFC Editor; IETF Datatracker.