Zusammenfassung

  • Die Standardlebensdauer einer Ankündigung nach RFC 1256 beträgt 1.800 Sekunden. Ohne Auffrischung darf ein Host so lange brauchen, bis er einen dynamisch gelernten Router vergisst; eine Umschaltung binnen 30 Minuten ist damit nicht zugesagt.
  • RFC 1256 erklärt ausdrücklich, dass die standardmäßige Ankündigung alle 7,5 bis 10 Minuten einen Black Hole am ersten Hop nicht vor dem Timeout einer Transportsitzung erkennt. Die Erkennung eines ausgefallenen Gateways ist eine getrennte Hostfunktion aus RFC 1122.

Bei einem Gateway-Ausfall ist nicht nur der Moment des Ausfalls entscheidend. Problematisch ist auch die Zeit, in der der Host die Adresse noch für einen gültigen Ausgang hält, obwohl der Router womöglich nicht mehr weiterleitet.

Im September 1991 legte RFC 1256 fest, wie Hosts benachbarte Router entdecken können, ohne Adresslisten von Hand zu pflegen oder ein bestimmtes Routingprotokoll mitzulesen. Router sendeten ICMP Router Advertisements; beim Start einer Schnittstelle durfte ein Host zusätzlich einige Router Solicitations senden. So wurde sichtbar, wer sich als Nachbarrouter meldete. Die aufschlussreichste Entwurfsfrage war, wie lange diese Meldung gelten sollte.

Die Standardwerte sind bewusst zurückhaltend. Das maximale Ankündigungsintervall beträgt 600 Sekunden, das minimale Standardintervall 75 Prozent davon, also 450 Sekunden. Für jede weitere Ankündigung wird ein zufälliger Wert aus diesem Bereich gewählt. Damit liegen die Meldungen ungefähr 7,5 bis 10 Minuten auseinander und laufen nicht synchron. Die Standardlebensdauer beträgt das Dreifache des Maximums: 1.800 Sekunden oder eine halbe Stunde.

Diese Lebensdauer ist eine befristete lokale Zustandsnotiz. Nach einer gültigen Ankündigung eines Nachbarrouters nimmt der Host dessen Adresse in die Liste der Standardrouter auf und startet einen Timer mit der angekündigten Lebensdauer. Neue Ankündigungen setzen ihn zurück. Läuft er ab, entfernt der Host den dynamisch gelernten Eintrag. Ein statisch konfigurierter Router ist etwas anderes: Die Konfiguration allein versieht ihn nicht mit diesem Ablauf-Timer.

Die „dreißig Minuten“ als Umschaltfrist zu lesen, liegt nahe. RFC 1256 widerspricht dem ausdrücklich. Die langen Intervalle und die Lebensdauer sollen Link- und Hostlast auch dann niedrig halten, wenn viele Router vorhanden sind. Zugleich reichen die Standardwerte laut RFC nicht, um einen Black Hole am ersten Hop zu erkennen, bevor eine Transportsitzung abläuft. Betreiber können kürzere Werte konfigurieren; der Text behauptet nicht, dass dies allgemein geschieht.

Die Entdeckung eines Routers ist keine Prüfung seiner aktuellen Erreichbarkeit. Eine Ankündigung besagt, dass eine Adresse als Nachbarrouter angeboten wird und ohne Auffrischung höchstens bis zum Ablauf als gültig gelten darf. Sie beweist nicht, dass das nächste Paket zu einem bestimmten Ziel diesen Router passieren kann. RFC 1256 ist kein Routingprotokoll und bestimmt nicht für jedes Ziel die beste Route. Ein ICMP Redirect erfüllt eine andere Aufgabe: Es kann für ein bereits übermitteltes Ziel einen besseren ersten Hop anzeigen.

RFC 1122 beschreibt die zweite Hälfte: Die IP-Schicht muss den Ausfall eines Next-Hop-Gateways erkennen und eine Alternative wählen. Schon 1989 hielt das Dokument fest, dass kein allgemein zufriedenstellender Algorithmus gefunden war. Dauerndes Anpingen wurde wegen Aufwand und schlechter Skalierbarkeit ausgeschlossen. Stattdessen sollten höhere und niedrigere Schichten Hinweise geben: Eine TCP-Bestätigung ist ein positives Signal; wiederholte Übertragungsversuche oder ein Link-Hinweis können ein negatives sein. Der Timer aus RFC 1256 sollte diese Beurteilung nicht ersetzen.

Eine Solicitation beim Start beschleunigt die erste Entdeckung, ist aber kein dauernder Lebensnachweis. Der Host darf höchstens drei Solicitations im Abstand von drei Sekunden senden und muss nach einer gültigen Ankündigung aufhören. Danach hält der periodische Versand die Liste frisch. Schweigen löscht schließlich einen Eintrag, verrät aber nicht allein, wann der Pfad unbrauchbar wurde.

Die Geschichte handelt deshalb nicht von einem Ausfall, der eine halbe Stunde dauert, sondern von zwei getrennten Beweisarten. Router Discovery spart Konfigurationsarbeit und hält ein befristetes Gedächtnis über gemeldete Router. Die Erkennung eines toten Gateways muss dagegen den aktuellen Weiterleitungszustand, den Verkehr und Hinweise anderer Schichten einbeziehen. Wer den Ablauf-Timer als Wiederherstellungszusage liest, vermischt diese Aufgaben und schreibt RFC 1256 eine Garantie zu, die der Text ausdrücklich nicht gibt.

Die Belege stehen in RFC 1256 und Abschnitt 3.3.1.4 von RFC 1122. Sie belegen Standards und Entwurfsgrenzen, nicht die Wiederherstellungszeit eines bestimmten Betriebssystems, Netzes oder Nutzers.