Zusammenfassung

  • Beim NetDay halfen ganze Schulgemeinschaften beim Aufbau von Netzen. Bill Clinton berichtete im März 1996 von einer Klasse, die mit dem Verkauf kleiner Kuchen ihr Installationspaket finanzierte.
  • Ein wissenschaftliches Beratungsgremium erklärte 1997, warum Wartung und pädagogische Unterstützung längerfristige Zusagen brauchten. Auch die Arbeitszeit sachkundiger Kollegen gehörte zu den Kosten.

Wer im Lehrerzimmer als Computerkenner gilt, kann schnell zur Anlaufstelle für alle werden. Doch auch dieser Lehrer muss Stunden vorbereiten und seine Klasse unterrichten. Ein Bericht amerikanischer Präsidentenberater benannte 1997 genau diesen Preis kollegialer Hilfe: Sie beansprucht Zeit, die für andere Aufgaben fehlt.

Der Hinweis steht im Märzbericht des PCAST zur Bildungstechnologie. Er führt mitten in die Geschichte der Schulvernetzung. Kurz zuvor hatte NetDay gezeigt, wie sich Menschen für einen überschaubaren, sichtbaren Arbeitseinsatz gewinnen ließen. Ein dauerhaft nutzbares Netz verlangte anschließend eine andere zeitliche Verpflichtung.

Am 9. März 1996 sprach Bill Clinton an der Ygnacio Valley High School in Kalifornien. Er bedankte sich bei John Gage und Michael Kaufman für die NetDay-Idee und erzählte von einer Klasse in San Diego, die kleine Kuchen verkauft hatte, um ihr Installationspaket zu bezahlen. Der amtliche Wortlaut bewahrt diese Schilderung des Präsidenten. Namen der Kinder oder spätere Unterrichtsergebnisse liefert er nicht.

Die Episode macht dennoch deutlich, welche Arbeit hinter dem Anschluss steckte. Geld musste gesammelt, Material beschafft und jemand für die Installation gefunden werden. Clinton berichtete außerdem von Eltern, die an einer bereits verkabelten Schule in Palo Alto Klassenzimmer strichen und ein schadhaftes Gebäude herrichteten. Das neue Netz kam zu den bestehenden Aufgaben einer Schule hinzu.

Für eine Lehrkraft begann danach die Planung: Welche Materialien passen zum Lernziel? Wie arbeitet eine Klasse mit weniger Rechnern als Schülern? Wer hilft bei technischen Schwierigkeiten während einer Unterrichtseinheit? Mit einer abgeschlossenen Verkabelung waren diese Zuständigkeiten noch nicht verteilt.

Das PCAST-Gremium würdigte freiwillige Initiativen ausdrücklich. Sie konnten Infrastruktur schaffen und öffentliche Aufmerksamkeit auf die Schulen lenken. Es warnte aber davor, aus der Begeisterung für ein kurzes Projekt auf jahrelange Bereitschaft zur Wartung und Verwaltung zu schließen. Ehrenamtliche Hilfe sollte finanzierte Programme ergänzen.

Das war eine zeitgenössische Einschätzung des Unterstützungsbedarfs, keine Untersuchung, die ein Scheitern von NetDay nachgewiesen hätte. Besonders wichtig war dem Gremium die Unterscheidung zwischen technischem und pädagogischem Wissen. Ein Netz installieren zu können bedeutet nicht automatisch, sich mit Lernsoftware und Unterrichtsgestaltung auszukennen.

Der Bericht schlug deshalb längerfristige Beratung, Austausch mit erfahrenen Kollegen und Einblicke in deren Unterricht vor. Unterstützung konnte durch eine Fachkraft an der Schule, durch einen gemeinsamen Dienst des Schulbezirks oder durch eigens geschulte Lehrkräfte entstehen. Bei der letzten Variante musste deren zusätzliche Arbeit berücksichtigt werden. Dass Hilfe im selben Gebäude erreichbar war, machte sie nicht kostenlos.

Mindestens 30 Prozent der Budgets für Bildungstechnologie sollten nach Empfehlung des Gremiums der beruflichen Weiterentwicklung dienen. Der Anteil war weder eine gesetzliche Vorgabe noch eine gemessene Ausgabenquote. Er verdeutlichte, dass Lernen, Beratung und Vorbereitung zur Investition in Technik gehörten.

Auch NetDay entwickelte sich weiter. Eine amtliche Mitteilung vom 19. April 1997 beschrieb Gemeinden, die sich nun verstärkt der Lehrerfortbildung zuwandten. Houston Independent School District plante für bereits verkabelte Schulen eine zweite Phase mit Fortbildung und Arbeit an Unterrichtsprogrammen. Die Ankündigung belegt einen vorgesehenen nächsten Schritt; ob er vollständig umgesetzt wurde und welche Wirkung er hatte, lässt sich daraus nicht ableiten.

Schon die Rede von 1996 hatte ausgebildete Lehrkräfte und gute Software als notwendig bezeichnet. Es wäre daher zu einfach, einer reinen Kabelbegeisterung erst nachträglich die Pädagogik gegenüberzustellen. Die Unterlagen zeigen vielmehr, wie sich eine gemeinsame Absicht in Aufgaben mit verschiedenen Laufzeiten aufteilte.

Für den Kauf eines Installationspakets ließ sich eine Verkaufsaktion organisieren. Für eine Kabelstrecke konnte ein freiwilliges Team zusammenkommen. Damit ein Lehrer das Netz zuverlässig in seine nächste Unterrichtsplanung aufnehmen konnte, musste ebenso geklärt sein, wer später helfen würde — und welche Zeit diese Person dafür bekam.