Zusammenfassung

  • In Nauru war die Satellitenverbindung nur eine Ebene: Der Dienst hing auch von Telefonvermittlung, bezahlbarem Einwahlzugang, ISP-Mailservern und lokaler Wartung ab.
  • Quellen dokumentieren den Zusammenbruch des Telefonsystems 2003 und den Verlust wichtigen Betriebswissens 2009, belegen aber keinen konkreten Internetausfall als Folge eines der beiden Ereignisse.

Analyse

Das einfache Bild vom Internet auf einer kleinen Insel ist eine Schüssel, die auf einen Satelliten zeigt. Naurus Überlieferung ist komplizierter. Eine Schüssel kann ein internationales Signal übertragen. Ein nutzbarer Dienst braucht jedoch auch funktionierende lokale Leitungen, einen ISP, der Kunden authentifiziert und E-Mails zustellt, bezahlbare Tarife und Menschen, die die Technik warten können. Eine Ebene kann ausfallen, während eine andere weiterläuft.

Ein Bericht der Internationalen Fernmeldeunion von 1998 beschreibt Naurus Telefonnetz, keinen Internetanschluss. Das staatliche Netz war dem Bericht zufolge vollständig digitalisiert. Eine AT&T-5ESS-Vermittlung verband rund 1.500 Anschlüsse von Haushalten und Unternehmen mit der internationalen Gateway-Bodenstation. Die Standard-B-Station unterstützte Satellitenkommunikation nach Australien und in die USA; ein integriertes Terminal konnte 150 Telefonleitungen auf einen 2-Mbit-Träger verdichten. Diese Zahl bezeichnet nicht CenpacNets Internetkapazität: Das Dokument handelt von Telefonie und belegt nicht, dass der ISP genau diese physische Strecke nutzte. ITU, Pacific Islands Telecommunications, 1998

CenpacNet-Manager Rudolph Garoa datierte den Internetbeginn später auf 1998 und sagte, das Unternehmen sei als ISP der Insel gegründet worden. Seine Präsentation nennt drei Aufgaben: Internetzugang anbieten, die nationale Domain .nr betreiben und Webmail unter @cenpac.net.nr warten. Eine andere Folie bezeichnet CenpacNet allerdings als ISP „seit 2000“. Dieser interne Datumswiderspruch ist ungeklärt; 1998 bleibt deshalb Garoas zugeschriebene Angabe und keine völlig gesicherte Chronologie. Er brachte den Verbindungsvorschlag außerdem mit einem Online-Casino-Plan in Verbindung. Das ist seine Schilderung des damaligen Kontexts, kein unabhängiger Kausalnachweis. Rudolph Garoa, PacNOG-6-Präsentation, 2009

Eine Studie des Commonwealth of Learning vom April 2002 führte Cenpac als einzigen ISP des Landes mit etwa 70 Abonnenten. Ein Monatspaket kostete 100 australische Dollar für 50 Stunden, danach fünf Dollar je Stunde. Die Studie nannte Einwahlverbindungen unzuverlässig und den Internetzugang der Bevölkerung äußerst gering; eine Schule hatte damals einen Dial-up-Anschluss. Sie erwähnt auch ein 1995 für die University of the South Pacific und ein Berufsbildungszentrum bereitgestelltes Computernetz. Das ist ein institutionelles Netz und kein Beleg für öffentlichen Internetdienst im Jahr 1995. Die Zahlen sind eine datierte Momentaufnahme, kein dauerhaft gültiger Tarif. Commonwealth of Learning, School Networking in the Pacific Island States, 2002

Im Januar 2003 brach das Telefonsystem Naurus Berichten zufolge zusammen. Ein zeitgenössischer Artikel schrieb, Diplomaten hätten die Insel wochenlang nicht erreichen können, außer wenn Schiffe mit Satellitentelefonen dort anlegten. Der staatliche ICT-Direktor Joel Waqa beschrieb später ebenfalls einen Geräteausfall, durch den das Land von der Außenwelt abgeschnitten gewesen sei. Diese Berichte belegen eine schwere Kommunikationskrise, messen aber weder CenpacNet-Verkehr noch beweisen sie, dass alle Internetdienste offline waren. Sie behandeln unterschiedliche Ebenen und stammen aus unterschiedlichen Zeitpunkten. Kathy Marks, The Independent, 23. Februar 2003; Joel Waqa, PacNOG 19, 2016

Waqas Rückblick sagt, Satellitenkommunikation „sollte“ 2004 wegen nicht bezahlter Gebühren abgeschaltet werden. Die Formulierung dokumentiert eine erwartete oder angedrohte Abschaltung, nicht, ob sie tatsächlich erfolgte, wann, welche Dienste betroffen waren oder welche Folgen das für den ISP hatte. Der Betriebsbericht von 2009 zeigt eine andere Verwundbarkeit. Garoa zufolge starb im Juni der Techniker, der CenpacNet-Geräte und technische Aufgaben für .nr betreut hatte; bis zur Präsentation war kein Ersatz gefunden. Er berichtete von langsamer Leistung trotz einer Erhöhung der zugewiesenen Bandbreite von 328 auf 384 kbit/s, regelmäßigen Einbrüchen und fehlendem Wissen über Teile der Mailserver-, MailScanner- und Mailwatch-Wartung. Das ist die Problembeschreibung des Managers, keine unabhängige Leistungsmessung. Waqa, PacNOG 19, 2016; Garoa, PacNOG 6, 2009

Auch der Telekommarkt veränderte sich 2009. Waqa zufolge vergab die Regierung im Juni Lizenzen für Mobilfunk und einfachen Internetzugang an Digicel; der Mobilfunk startete im August. Digicel baute ein eigenes Netz, statt die Erdfunkstellen von Nauru Telecom zu übernehmen. Alte Telefonanlagen und ein neues Mobilfunknetz waren daher keine austauschbaren Bauteile. Der aktuelle IANA-Eintrag nennt den 30. März 1998 als Registrierungsdatum von .nr und CenpacNet als heutigen Verwalter. Er bestätigt Datum und aktuellen Zuständigen, nicht jede Betriebsvereinbarung dazwischen. IANA-.nr-Delegationseintrag; Waqa, PacNOG 19, 2016

Dies ist nicht die Geschichte einer Satellitenschüssel, deren Ausfall eine Insel vom Internet trennte. Es ist die Geschichte von Systemen mit unterschiedlichen Budgets, Betreibern und Wartungsbedürfnissen. Der Tarif von 2002 machte Zugang teuer; der Telefonausfall 2003 legte die Abhängigkeit von nationaler Kommunikation offen; 2009 trat das in einer Person konzentrierte Serverwissen als Kontinuitätsrisiko hervor. Laut dem Anbieter selbst reichte mehr Bandbreite nicht aus, um die Langsamkeit zu beheben. Eine Leitung wird erst dann zum Internetdienst, wenn lokale und organisatorische Ebenen sie nutzen können.

Quellen