Zusammenfassung

  • Nancy Hafkins Arbeit bei der UN-Wirtschaftskommission für Afrika verband die Datenbestände und Normen von PADIS mit günstigen Fido-Knoten, lokalen Fachkräften und Store-and-forward-Kommunikation.
  • Die politischen Grenzen von CABECA führten zu AISI: Aus einem technischen Versuch wurde ein von Ministern angenommener Rahmen für nationale Planung, Fähigkeiten, afrikanische Informationsressourcen und Teilhabe.

Eine 1991 von Addis Abeba nach Niamey geschickte PADIS-Mitteilung kam 2000 zum Absender zurück. Der spätere AISI-Bericht der Wirtschaftskommission hält den Vorgang fest. Neun Jahre Lieferzeit waren nicht bloß eine kuriose Panne. Sie zeigten, dass vorhandene Information ohne einen rechtzeitigen Transport ihren Entwicklungswert verlor.

PADIS hatte die organisatorische Hälfte des Netzes bereits errichtet. Das 1980 gegründete System arbeitete mit einem Koordinierungsknoten in Addis Abeba und nationalen sowie institutionellen Zentren. Bibliografische, statistische und Verweisdatenbanken sammelten afrikanische Entwicklungsinformationen. Gemeinsame Verarbeitungsnormen sollten dafür sorgen, dass ein Datensatz auch außerhalb seines Entstehungsorts verständlich blieb.

1994 zählte die Kommission 40 nationale Teilnehmerzentren und 15 regionale oder subregionale Institutionen. Mehr als hundert Informationsfachleute waren ausgebildet. Doch die anfangs vorgesehene Satellitenübertragung lag der technischen Wirklichkeit um 15 bis 20 Jahre voraus. Anfragen, Literaturlisten und Dokumente mussten deshalb per Post in mehreren Schritten reisen.

Unterbrechung als Betriebszustand

CABECA wartete nicht auf perfekte Leitungen. Mit Unterstützung des IDRC sollte das Projekt kostengünstige Fido-Knoten in etwa 24 Ländern einrichten. Ein lokaler Rechner speicherte Nachrichten, wählte sich bei Gelegenheit ein, tauschte ein Paket aus und leitete es weiter. Sender und Empfänger mussten nicht gleichzeitig online sein.

Der Rückblick von APC nennt 1.200-Bit/s-Modems, FidoNet, UUCP-ähnliche Verbindungen und GreenNet in London als wichtigstes Tor zu internationalen Netzen. E-Mail, elektronische Konferenzen, Dateien und Datenbankabfragen bewegten sich, bevor eine dauerhafte TCP/IP-Verbindung verbreitet war. Internet Society dokumentiert für 1990 bis 1993 einen Versuch mit rund 18 afrikanischen Institutionen, einem Bulletin Board und einer elektronischen Konferenz.

Zum Knoten gehörten Menschen. CABECA bildete mehr als hundert Systembetreiber aus, die später andere schulten und Störungen behoben. Anlagen wurden vor Ort geführt und sollten sich teilweise über Nutzungsentgelte tragen. APC schreibt dem Vorhaben frühe E-Mail-Netze in 24 Ländern und etwa 1.500 PADIS-Abonnenten vor der Schließung durch die äthiopische Telekommunikationsbehörde 1996 zu. Die Zahlen betreffen verschiedene Phasen; gemeinsam beschreiben sie eine verteilte Betriebsgemeinschaft.

Der Engpass hatte ein Vetorecht

Die Kommission benannte auch die Schwäche: Telekommunikationsunternehmen, Ministerien und Regulierer waren anfangs nicht beteiligt. Staatliche Post- und Fernmeldemonopole konnten das Projekt gefährden. Hohe Auslandsgesprächskosten, Einfuhrbeschränkungen für Modems, Zölle, Stromausfälle und Serverdefekte verschärften das Problem.

Store-and-forward umging eine schlechte Leitung, nicht aber eine Genehmigung. Ein lokaler Betreiber konnte den Rechner reparieren, jedoch keinen Zollbescheid ändern. Das Experiment bewies Nachfrage und zeichnete zugleich die Machtkarte der Infrastruktur: Wer Preise, Import und Betrieb kontrollierte, konnte das Netz auch ohne technischen Zugriff stilllegen.

Der Schritt zur African Information Society Initiative war daher institutioneller als technischer Natur. 1995 forderten afrikanische Minister einen Aktionsplan. Am 8. Mai 1996 nahm die Ministerkonferenz der Wirtschaftskommission AISI mit Resolution 812 (XXXI) an. Der Rahmen verband Entscheidungssysteme, afrikanische Informationsbestände, Ausbildung sowie regionale und globale Verbindungen. Mitgliedstaaten sollten ihn in ihre Entwicklungsplanung aufnehmen.

Regierungen, die Kommission, internationale und regionale Organisationen, Zivilgesellschaft und Privatwirtschaft erhielten Rollen. Hafkins frühere Arbeit zu Frauen und Entwicklung spiegelt sich in der Forderung nach einem geschlechterausgewogenen afrikanischen Fachausschuss und nach einer Geschlechterperspektive in der Politik. Eine Vorschrift beseitigte die Zugangslücke nicht, machte die Nutzerfrage aber zum Bestandteil des Entwurfs.

Zehn Jahre später berichtete die Kommission, etwa drei Viertel ihrer 53 Mitgliedstaaten hätten E-Strategien oder NICI-Pläne. Daraus lässt sich kein ausschließlicher AISI-Effekt ableiten. Es zeigt aber den Maßstabswechsel: vom Warten auf den nächsten Wählvorgang zur nationalen Planung von Informations- und Kommunikationsfähigkeit.

Hafkins Leistung als die einer Einzelnen zu erzählen, die Afrika das Internet brachte, würde afrikanische Ingenieure, Einrichtungen, Regierungen und zivilgesellschaftliche Gruppen ausblenden. Ihr besonderer Beitrag lag in der Verbindung der Ebenen. Daten brauchten Normen, Knoten brauchten lokale Betreiber, Geräte brauchten Erlaubnis und Politik brauchte einen öffentlichen Zweck. Die Verbindung traf auf ein Netz, das schon wusste, wofür es sie benötigte.

Quellen