Summary
- Matthias Wichtlhuber, Remco van Mook und Wolfgang Tremmel verfassten RIPE-Vorschlag 2023-01: Neue Internetknoten erhalten für ihr Peering-LAN zunächst /26 statt /24 IPv4-Adressen.
- Seit der Umsetzung am 14. September 2023 kann ein Knoten nach mehr als 50 Prozent Nutzung des /26 bis zu /24 beantragen. Das alte Netz muss zurückgegeben werden; die Umstellung kann Router vieler Mitglieder betreffen.
Eine Regeländerung in einer Registry dauert ein paar Zeilen. Dieselbe Änderung in einem gewachsenen Peering-LAN kann Monate E-Mails kosten. Matthias Wichtlhuber kannte beide Seiten, als er bei RIPE 86 über kleinere IPv4-Zuteilungen für Internetknoten sprach. Das Peering-LAN verbindet Netze, die sich am Knoten treffen. Deren Router gehören häufig den Mitgliedern. Wer später den Adressblock austauscht, muss deshalb weit mehr bewegen als einen Eintrag in der RIPE-Datenbank.
Wichtlhuber schrieb den Vorschlag 2023-01 mit Remco van Mook und Wolfgang Tremmel. Ein neuer Knoten bekam vorher standardmäßig /24; künftig sollte er mit /26 beginnen. Der erste Griff in den gemeinsamen IXP-Vorrat fällt damit auf ein Viertel. Für den nächsten neuen Knoten bleibt mehr übrig. Das Versprechen klingt besonders gut, solange der erste Knoten klein bleibt.
Sobald mehr als die Hälfte seines anfänglichen /26 genutzt wird, darf der Betreiber bis zu /24 beantragen. Dafür gibt er die alte Zuteilung zurück. Bei weiterem Wachstum sieht RIPE-804 einen Ersatz bis maximal /22 unter eigenen Nutzungsbedingungen vor. Der Vorrat ist ausschließlich für das Peering-LAN bestimmt; zum Antrag gehört außerdem ein bereits beantragter oder erhaltener IPv6-Block für dieses LAN.
Die Rückgabe ist der teure Satz. Auf der Seite des Internetknotens werden Adressen und Konfigurationen geändert. Dann müssen die angeschlossenen Netze ihre Router nachziehen. Wichtlhuber beschrieb bei RIPE 86, wie mühselig es wird, Mitglieder über lange Zeit an eine solche Umstellung zu erinnern. Das Register spart knappes IPv4 auf einmal; der Aufwand verteilt sich später auf viele Technikteams mit eigenen Dienstplänen.
Das RIPE NCC schätzte in seiner damaligen Folgenanalyse, dass der alte IXP-Pool bei linear fortgeschriebenem Verbrauch in der zweiten Hälfte 2029 leer sein könnte. Der kleinere Standard sollte die Lebensdauer unter denselben Annahmen bis in die 2030er verlängern. Es waren Planungszahlen von 2023. Der Vorschlag wurde am 14. September 2023 angenommen und sofort umgesetzt; die heutigen Antragsnotizen führen den /26-Einstieg weiter.
Wichtlhubers Idee hat eine Rechnung mit zwei Spalten. In der einen stehen Adressen, die für künftige Knoten im Pool bleiben. In der anderen stehen Netzbetreiber, die beim Wachstum ihren Anschluss umnummerieren müssen. Wer nur die erste Spalte liest, hat die Rechnung noch nicht bezahlt.
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