Summary

  • Maltas kommerzieller Internetmarkt umfasste ab Ende 1995 mehrere Anbieter, die dieselbe physische Infrastruktur nutzten, aber unterschiedliche internationale IP-Dienstleister wählen konnten.
  • Eine Mitteilung der Universität Malta von 1999 erklärte, dass Kommunikation zwischen Kunden verschiedener lokaler Anbieter über Router und Leitungen außerhalb des Landes verlief und dadurch teurer und langsamer sein konnte.
  • Die Malta Internet Exchange (MIX) wurde als neutraler lokaler IP-Backbone vorgestellt. Die Ankündigung belegt weder eine flächendeckende Teilnahme noch gemessene Leistungsverbesserungen.

Der Weg zwischen zwei maltesischen Internetnutzern konnte die Insel verlassen und wieder auf sie zurückführen. Dieses Problem beschrieb die Universität Malta am 7. September 1999 bei der Vorstellung der Malta Internet Exchange. Laut ihrer Mitteilung hatte der kommerzielle Internetdienst Ende 1995 begonnen und umfasste mehrere Anbieter. Sie nutzten zwar die physische Infrastruktur von Telemalta, durften ihre internationalen IP-Dienstleister aber selbst wählen. So entstanden getrennte Außenverbindungen, ohne dass ein gemeinsamer nationaler IP-Backbone vorhanden war. Universität Malta, „The Malta Internet Exchange“ (1999)

Die damalige Diagnose war konkret: Kommunikation zwischen Kunden verschiedener lokaler ISPs müsse Router und Leitungen außerhalb Maltas passieren. Die Universität hielt dies für langsamer und kostspieliger als direkte Verbindungen zwischen lokalen Anbietern. Die Mitteilung ist ein zeitgenössischer institutioneller Beleg für ein wahrgenommenes Interconnection-Problem. Sie enthält jedoch weder Paketmitschnitte noch Verkehrsvolumen, Latenzmessungen oder eine Liste der Anbieter und Ziele, für die der Umweg galt. Belegt ist damit eine beschriebene Schwachstelle, nicht eine landesweit quantifizierte Leistungseinbuße.

Die Antwort sollte weder die ISPs zusammenlegen noch alle Kunden einem Netz zuordnen. Die Malta Internet Foundation, das Computing Services Centre der Universität und die ISP-Sektion der Handelskammer arbeiteten an MIX. NIC(Malta), ebenfalls mit der Stiftung verbunden, beschrieb sich als unabhängige gemeinnützige Organisation mit kommerziell neutraler Stellung. Die Universität sollte den Betrieb technisch unterstützen; teilnehmende Anbieter sollten ihre Kundennetze an den Austauschpunkt anschließen.

Das Modell ergänzte einen gemeinsamen nationalen Verbindungspunkt, während Anbieter ihre getrennten Kundenbeziehungen und internationalen Bezugswege behielten.

Die Pressemitteilung bezeichnete MIX als nationalen IP-Backbone für Dienst- und Inhalteanbieter. Sie nannte IP-Verbindungen mit 64 bis 512 Kbit/s und erklärte, ISPs könnten Anschlüsse zu bestimmten Tarifen erhalten. Zugleich hing die breite Reichweite ausdrücklich von der Teilnahme der Anbieter ab. Diese Angaben dokumentieren das angekündigte Angebot und sein Betriebsmodell. Sie sagen nicht, wie viele Anbieter tatsächlich beitraten, wie viel Verkehr sie austauschten oder ob alle maltesischen Kunden dadurch lokale Routen erhielten.

Ein angebotener Backbone ändert die Pfade erst, wenn Netze angeschlossen sind und die betreffenden Routen tatsächlich austauschen.

Die institutionelle Chronologie kann auf den ersten Blick widersprüchlich wirken. Eine regionale Mittelmeer-Studie nennt 1994 als Jahr der ersten Internetverbindung Maltas. Die Universitätsmitteilung datiert den Beginn des kommerziellen Internetdienstes auf Ende 1995. Das sind verschiedene Meilensteine: eine erste Verbindung einerseits und ein kommerzieller Markt mit mehreren Anbietern andererseits. Die Geschichte von NIC(Malta) verortet die Delegation der .mt-Domain an die Universität im Jahr 1992 und die formelle Einweihung der Stiftung im Januar 1999. Domainverwaltung, akademische Verbindung, Endkundendienst und Internet-Austauschpunkt gehörten zur Entwicklung des Netzes, waren aber weder dieselbe Funktion noch dasselbe Ereignis. Mittelmeer-Internetstudie · Geschichte von NIC(Malta)

MIX zielte damit auf eine Lücke zwischen lokalem Wettbewerb und lokaler Erreichbarkeit. Eine gemeinsam genutzte physische Leitung von Telemalta sorgte nicht automatisch dafür, dass unabhängige IP-Netze ihren Verkehr lokal austauschten. Ebenso garantierte der internationale Anschluss eines Anbieters keine effiziente Verbindung zu einem anderen maltesischen Anbieter. MIX schlug einen Ort für die Verbindung der Netze vor, ohne ihre getrennten Kundenbeziehungen oder Upstream-Entscheidungen aufzugeben. Die erhaltene Pressemitteilung belegt die Begründung, das geplante Modell und das technische Angebot, aber keine Nutzung oder Wirkung. Die engere historische Lehre lautet: Ein vielfältiger Endkundenmarkt kann gemeinsame lokale Infrastruktur benötigen, damit lokale Wege tatsächlich lokal bleiben. Ein späteres Planungsdokument der Regierung Maltas verzeichnet ebenfalls den Beginn der Internetdienste im Jahr 1995. Regierung von Malta, Single Programming Document