Zusammenfassung
- RFC 1090 schlug im Februar 1989 vor, für jede SMTP-Sitzung eine bidirektionale virtuelle X.25-Verbindung aufzubauen und sie nach der Unterhaltung wieder freizugeben.
- Bei einer X.25-Freigabe konnten Pakete auf dem Weg verworfen werden. Die anrufende Seite wartete daher auf die SMTP-Antwort zum Dienstschluss, gewöhnlich nach
QUIT, bevor sie die Verbindung beendete.
Der letzte Umschlag lag noch zwischen den Tischen
Im Jahr 1982 betrachtete RFC 821 X.25 bereits als möglichen Transport für SMTP. Anhang D empfahl, darüber ein zuverlässiges Ende-zu-Ende-Protokoll wie TCP zu verwenden. Sieben Jahre später beschrieb R. Ullmann in RFC 1090 den unmittelbaren Betrieb auf der virtuellen Verbindung. Das Dokument berichtete von Produktionserfahrung in 24 öffentlichen Paketdatennetzen in 22 Ländern. Die Zahlen stammen aus dem damaligen Bericht des Autors. Seine wenigen Seiten klingen entsprechend wie Anweisungen für Menschen, die eine wirkliche Leitung bezahlen und überwachen mussten.
Der Ablauf war zunächst übersichtlich. Eine SMTP-Sitzung erhielt eine eigene virtuelle X.25-Verbindung. Über deren Vollduplexkanal liefen Befehle, Antworten und Nachrichtendaten. Anschließend wurde die Verbindung freigegeben, normalerweise vom Anrufer. SMTP behielt seine eigene Sprache und Reihenfolge. Die Leitung darunter hatte jedoch eine harte Regel für das Ende der Unterhaltung.
RFC 1090 beschrieb sie ausdrücklich: Beginnt die Freigabe einer X.25-Verbindung, werden Daten, die noch unterwegs sind, nicht synchron zugestellt. Die betreffenden Pakete können verloren gehen. Der Anrufer konnte also seine letzten Bytes abgeschickt haben und im selben Moment den Weg vor ihnen entfernen. Darum wartete er auf die SMTP-Meldung „Service Closing“, meist die Antwort auf QUIT, und gab erst dann den virtuellen Kanal frei. Der Schlüssel zum Postraum bleibt in der Hand, bis der Kollege am anderen Tisch seinen Abschiedsgruß erwidert hat.
Bei der Post gibt es mehrere unterschiedliche Antworten. Die Reaktion nach den Nachrichtendaten gehört zur SMTP-Transaktion. „Service Closing“ beendet die Sitzung. Die X.25-Freigabe entfernt die tragende Verbindung. Was das Empfangssystem später mit der Nachricht tut, folgt noch weiter hinten. RFC 1090 ordnete genau die Fuge zwischen Dienstschluss und Leitungsabbau. Wer die Verbindung beenden konnte, brauchte zuerst ein Zeichen vom anderen Ende.
Schon der Verbindungsaufbau hatte eine Kennung. Die ersten vier Oktette im Feld Call User Data sollten hexadezimal C0F70000 lauten, um den Protokolltyp zu markieren. Gleichzeitig verlangte der Entwurf die Möglichkeit, diese Daten einschließlich der Kennung für jede Zieladresse anzupassen. Öffentliche und private X.25-Umgebungen hatten ihre eigenen Gewohnheiten; ein gemeinsames Signal brauchte also einen konfigurierbaren Platz im konkreten Anruf.
Während der Sitzung durfte der Sender den SMTP-Bytestrom nach eigenem Ermessen in Pakete teilen. RFC 1090 empfahl Folgen mit gesetztem M-Bit für „weitere Daten“, insgesamt bis zu 2.048 Byte. Einen Befehl oder eine Antwort möglichst in einem Paket oder einer solchen Folge zu halten, half beim Lesen von Fehlerprotokollen. Die Empfehlung machte die Spur verständlicher. Qualifizierte Datenpakete mit Q-Bit und Unterbrechungspakete wurden nicht benutzt und sollten beim Empfang ignoriert werden. Der Zeichensatz war achtbittiges ASCII; Zeilen endeten mit CRLF, nach Möglichkeit wurden auch nur mit LF beendete Zeilen erkannt.
Eine Rücksetzung des X.25-Kreises auf Ebene 3 führte zu einem anderen Ablauf: virtuelle Verbindung räumen, SMTP-Verbindung erneut versuchen, eventuell später oder mit anderen Rufmerkmalen. Diese Merkmale sollten pro Zieladresse einstellbar sein. Eine neu aufgebaute Leitung begann einen neuen Versuch, samt Verbindungsaufbau und Begrüßung.
Auch Geduld erhielt Grenzwerte. Auf die Annahme eines Anrufs wartete man laut RFC bis zu 100 Sekunden, auf die anschließende „Service Ready“-Begrüßung weitere 120. In einer laufenden Sitzung konnten zehn Minuten ohne Antwort zur Freigabe führen. Nach QUIT schrumpfte das Warten auf zwanzig Sekunden. Ein solcher Abschluss konnte holprig sein; bereits abgeschlossene SMTP-Transaktionen blieben laut Memo davon unberührt. Diese Betriebswerte gaben dem Gegenüber Gelegenheit zum Antworten und der Leitung irgendwann ihre Freiheit zurück.
Der entscheidende Gegenstand dieser Geschichte ist der Schalter am Ende des Kabels. Eine Seite konnte die Verbindung öffnen und schließen. Die andere lieferte das Signal, wann Schließen die letzten Worte nicht mehr verschluckte. Ein Dienst und sein Transport mussten sich über den Schluss einig sein.
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