Zusammenfassung
- LATNET verband 1993 mit kostengünstigen Spread-Spectrum-WLAN-Adaptern mit nominell 2 Mb/s zwei rund fünf Kilometer voneinander entfernte Standorte der Universität Lettlands.
- Anlass war die schlechte Telefoninfrastruktur. Spätere technische Darstellungen nennen für lettische Funknetze Dachantennen mit hohem Gewinn und IP-Routing auf PCs.
- Die Verbindung diente dem akademischen Campusnetz. Sie ist von LATNETs separater RadioLink aus dem Jahr 1992 und vom späteren Ausbau auf mehr als 200 Standorte zu unterscheiden.
Die historische Pointe ist nicht, dass Funk in Riga das Kabelnetz verdrängte. LATNET setzte vielmehr WLAN-Technik für ein konkretes Problem ein: Zwei Hochschulstandorte sollten miteinander verbunden werden, obwohl die Telefoninfrastruktur dafür keine verlässliche Grundlage bot.
John Tully und Arnis Riekstins beschrieben später eine 1993 eingerichtete, etwa fünf Kilometer lange Strecke zwischen einem abgelegenen Campus und einem zentralen Gebäude der Universität Lettlands. Laut ihrer Darstellung nutzte LATNET preisgünstige Spread-Spectrum-WLAN-Adapter für PCs mit einer nominellen Datenrate von 2 Mb/s. Sie bezeichneten die Strecke als erste stadtweite WLAN-Internetverbindung der Universität. Diese Einordnung ist den Autoren zuzuschreiben. Sie belegt weder drahtlosen Internetzugang für die Rigaer Haushalte noch eine flächendeckende Versorgung durch diese einzelne Strecke.
Die Lösung war eine technische Anpassung. WLAN-Adapter waren ursprünglich keine städtischen Weitverkehrsverbindungen. Spätere Berichte zu den Funknetzen in Lettland beschreiben den Austausch der Standardantennen gegen Dachantennen mit höherem Gewinn sowie einen PC mit IP-Routingsoftware, darunter JNOS, für die Weiterleitung zwischen Standorten. Das erklärt den Ansatz; die Quellen belegen jedoch nicht jedes Bauteil der ersten fünf Kilometer langen Verbindung.
Funk brachte außerdem eine Regulierungsfrage mit sich. „Lizenzfrei“ bedeutete keine weltweit gültige Freigabe: Der Aufsatz von 1999 erklärt, dass das in den USA genutzte Band in Europa nicht allgemein verfügbar war, und schildert eine spezielle Lizenzsituation in Lettland. Den genauen Kanal der ersten Verbindung weisen die verfügbaren Quellen nicht nach.
Auch die Chronologie ist wichtig. Die LATNET/SigmaNet-Chronik führt eine RadioLink von 1992 zwischen dem Institut für Mathematik und Informatik der Universität Lettlands und der Technischen Universität Riga separat auf. Die fünf Kilometer lange Verbindung zwischen Standorten der Universität Lettlands war ein anderes Projekt aus dem Jahr 1993. Die später mehr als 200 Standorte beschreiben den Ausbau, nicht die anfängliche Brücke.
Die Quellen zeigen, wie zugängliche Technik eine lokale Schwäche umging. Sie enthalten keine Messreihe zu Verkehr, Durchsatz, Verfügbarkeit oder Nutzerzahlen für 1993. Die Bedeutung liegt in der belegten technischen Antwort, nicht in einer Reichweite, die das Material nicht misst.
Quellen
- Tully und Riekstins, „Licence-free wireless Internet access technologies“ (1999)
- Institutionelle Chronik von LATNET/SigmaNet
- Der Fall der Funknetze in Lettland und Moldau, wiederveröffentlicht in der Digitalen Bibliothek der Vereinten Nationen
- INET’99-Beiträge: Funknetze in Lettland und Moldau
- „Computer Networks in Estonia, Latvia, and Lithuania“ (1993)
- NSRC-Konnektivitätsdatensatz Lettland, Herbst 1994
- Chronik im lettischen Amtsblatt
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