Zusammenfassung

  • Ein 2001 genehmigtes Programm stellte historisch zugeteilten IPv4-Adressraum für künftige IPv6-Dienste bereit und sollte Ende 2005 schließen. Kosuke Ito und drei Mitautoren beantragten eine Verlängerung bis Ende 2008, weil die Dienste weiter im Dual-Stack liefen.
  • APNIC 19 fand Konsens für den Antrag, verlangte aber eine vertraglich gesicherte Rückgabe und diskutierte die vollständige Rückgabe des /8. Der Bericht von 2006 belegt die Rückgabe einer Teilnehmerzuteilung an den japanischen IPv6 Promotion Council; andere Teilnehmer setzten den Versuch fort.

Ein Versuchsprogramm kann pünktlich enden. Ein Netz lässt sich deshalb noch lange nicht pünktlich umstellen. Der IPv6 Promotion Council of Japan hatte seit 2001 einen großen, historisch zugeteilten IPv4-Bereich für neue Dienste bereitgestellt. Die ursprüngliche Rechnung lautete: Bis Ende 2005 würden IPv6-Angebote weit genug sein, um die IPv4-Adressen zurückzugeben. Im Antrag vom Januar 2005 schrieben Kosuke Ito und seine drei Mitautoren, dass diese Rechnung nicht aufging. Die Angebote verwendeten IPv4 und IPv6 nebeneinander.

Der Antrag verschob das Ende auf Dezember 2008. Teilnehmende sollten einen IPv6-Einführungsplan vorlegen, neue Vereinbarungen schließen und regelmäßig über ihre Tätigkeit berichten. Unter „Nachteile“ stand „keine“. Diese knappe Bilanz überging, was eine Sondernutzung öffentlichen Adressraums für andere Antragsteller bedeutete.

Das Protokoll der Policy SIG bei APNIC 19 zeigt die Einwände. Ito und Yoshiyuki Ezura stellten die Verlängerung am 24. Februar vor. Aus dem Saal kam die Forderung, die Rückgabe von IPv4 vertraglich festzuschreiben; die Vortragenden stimmten zu. Ebenso sollte der gesamte /8 in den öffentlichen Pool zurückkehren, damit die Versuchsteilnehmer nicht auf Dauer außerhalb der normalen Adressregeln stehen. Ein weiterer Einwand traf den Zweck des Programms: Reichlich IPv4 könne Entwicklern den Anreiz nehmen, IPv6-Dienste zu bauen. Nach zwei Handzeichenabfragen hielt der Co-Vorsitzende Konsens für den Antrag fest.

Die Zustimmung hatte daher eine genaue Form: ein Plan für den Beginn von IPv6-Diensten, Rückgabe des IPv4-Raums Ende 2008, regelmäßige öffentliche Berichte und Verträge, die diese Punkte festhalten. Laut APNICs Antragschronik bestätigte der Exekutivrat die Vorlage am 13. Mai 2005. Damit ist die Genehmigung dokumentiert. Eine vollständige Rückgabe drei Jahre später steht auf einer anderen Beweisseite.

Im Tätigkeitsbericht vom März 2006 meldeten Ito und Kollegen: Phase eins endete wie geplant Ende 2005. Ein Teilnehmer hatte auf IPv6-Dienst umgestellt und seine Zuteilung fristgerecht an den IPv6 Promotion Council zurückgegeben. Die übrigen Teilnehmer führten ihre Adressen in Phase zwei weiter, die am 1. Januar 2006 begann. Sie sollten Ziele und Zeitpläne für IPv6 festlegen und zweimal jährlich berichten. Der Bericht benannte Hürden bei Geräten, Zugangsnetzen und Software. Hier war eine technische Abhängigkeit zu lösen, kein bloßes Formular zu ändern.

Eine Rückgabe an den Council ist belegt; die Rückkehr des kompletten /8 zu APNIC im Jahr 2008 ist mit diesen Quellen nicht belegt. Dafür wäre der abschließende Rückgabenachweis nötig. Schon die Debatte von 2005 macht deutlich, warum der Nachweis zählt: Das Wort „vorübergehend“ bekommt erst durch messbare Pflichten einen Inhalt.