Zusammenfassung

  • Ein ITU-Profil aus dem Jahr 1998 dokumentierte Satellitenverbindungen, führte die Einführung eines Internetdienstes aber noch als geplante Untersuchung. Ein örtlicher Unternehmer sagte einem später zitierten Forscher, Telecom Services Kiribati habe den Dienst Ende 1999 gestartet.
  • Laut diesem Gesprächspartner gab es eine 128-kbit/s-Verbindung nach Australien, 32 Einwahlmodems, mehr als 400 Nutzer und Preise von 32 australischen Dollar pro Monat plus 8 Dollar je Stunde. Er erwähnte auch defekte Modems und wiederholte Einwahlversuche; eine unabhängige Prüfung war das nicht.

Eine internationale Telekommunikationsverbindung bedeutet noch nicht, dass Menschen leicht ins Internet gelangen. Kiribatis Geschichte am Ende der 1990er Jahre zeigt zwei getrennte Ebenen: Ein Satellitengateway gehörte zum nationalen Telefonnetz, während der später berichtete kommerzielle Internetdienst von einer begrenzten Zahl von Einwahlmodems abhing.

Das 1998 veröffentlichte Profil der Internationalen Fernmeldeunion (ITU) zu den pazifischen Inselstaaten nannte Telecom Services Kiribati Ltd — im Dokument als „TKSL“ geschrieben — als Anbieter nationaler und internationaler Telekommunikation. Der internationale Zugang lief über eine IDR-Satellitenverbindung nach Sydney und über Telstras PACT-DAMA-Netz zu anderen Pazifikinseln. Der IDR-Träger hatte 16 Kanäle, darunter zwei dedizierte Datenkanäle. Kiribati nutzte acht PACT-Modems für Verbindungen zu Nachbarinseln. Das waren wichtige Kommunikationswege, doch der Bericht bezeichnete sie nicht als öffentliches Internetangebot.

Im Entwicklungsplan stand weiterhin eine Untersuchung zur Einführung von Internetdiensten.

Das Profil zeigt auch, was „landesweite Vernetzung“ verschleiern kann. 1998 nutzten 17 äußere Inseln weiterhin Hochfrequenzfunk über sechs Stationen mit manuell festgelegten Zeitfenstern. Das beschreibt das Telefonnetz zu diesem Zeitpunkt, zählt keine Internetnutzer zwei Jahre später und beweist nicht, dass der spätere Dienst alle Inseln erreichte.

Die nächste ausführlichere Darstellung stammt aus Trevor H. B. Sofields Studie „Outside the Net: Kiribati and the Knowledge Economy“ von 2002. In einem Nachtrag zitierte Sofield eine E-Mail eines örtlichen Computerunternehmers vom 10. Februar 2001. Der Unternehmer schrieb, Telecom Services Kiribati habe schließlich Ende 1999 Internetdienst eingeführt. Er beschrieb einen Server mit 32 Modems und eine gemietete 128-kbit/s-Backbone-Verbindung nach Australien; es gebe mehr als 400 Nutzer. Genannt wurden 32 australische Dollar im Monat und zusätzlich 8 Dollar pro Stunde.

Die Zahlen beziehen sich auf verschiedene Ebenen. 128 kbit/s bezeichneten die gemeldete Kapazität der internationalen Mietleitung, nicht die Geschwindigkeit eines einzelnen Anschlusses. Die 32 Modems bildeten den lokalen Einwahlzugang und begrenzten unabhängig davon die Zahl gleichzeitiger Telefonsitzungen. Mehr als 400 Nutzer bedeuteten daher nicht 400 gleichzeitige Verbindungen und sagen nicht, wie viele Kunden an einem typischen Tag tatsächlich online waren. Verkehrsprotokolle, Auslastung zur Spitzenzeit oder unabhängige Messungen sind nicht angegeben.

Eine separate ITU-Tabelle für 2001 schätzte für Kiribati einen ISP, 2.000 Internetnutzer, 1.000 Abonnenten und 0,13 Mbit/s internationale Internetbandbreite; Breitbandabonnenten waren nicht verzeichnet. Der Bandbreitenwert liegt in derselben Größenordnung wie die gemeldeten 128 kbit/s. Die Tabelle erklärt jedoch nicht, warum ihre Nutzerschätzung von 2.000 von den „mehr als 400“ des Unternehmers abweicht. Definitionen oder Bezugsdaten könnten verschieden sein; die Quellen klären das nicht.

Der Unternehmer sagte außerdem, einige Modems seien defekt gewesen und Nutzer hätten bis zu etwa zehnmal anrufen müssen, bevor eine Verbindung zustande kam. Das ist ein wichtiger Hinweis auf die wahrgenommene Dienstqualität, bleibt aber die Aussage einer einzelnen Person. Der Artikel enthält weder Verbindungsquoten noch Reparaturprotokolle oder unabhängige Tests. Defekte Geräte konnten die Zahl nutzbarer Leitungen unter die nominelle Ausstattung senken; wiederholte Anwahl machte den Dienst weniger verlässlich. Wie lange Störungen dauerten und warum sie auftraten, ist nicht belegt.

Eine weitere Zahl ist davon zu trennen. Sofield berichtet, er selbst habe innerhalb von sechs Tagen 18-mal erfolglos versucht, eine Interviewquelle zu erreichen. Das beschreibt die Kontaktprobleme des Forschers. Es ist keine Nutzerbefragung und nicht dasselbe wie die Schätzung des Unternehmers, Kunden hätten manchmal ungefähr zehnmal wählen müssen. Beide Angaben zusammenzuziehen, würde zwei Anekdoten fälschlich wie eine landesweite Ausfallquote aussehen lassen.

Die belastbare Schlussfolgerung bleibt begrenzt: Anfang 2001 berichtete ein lokaler Unternehmer von einem kommerziellen Dienst mit Australien-Verbindung, einem kleinen Modempool, mehreren hundert Nutzern und zeitabhängiger Abrechnung. Er beschrieb zugleich Zugangsprobleme. Daraus folgen weder ein genaues Startdatum noch landesweite Abdeckung, Bezahlbarkeit für alle Haushalte oder eine einheitliche Erfahrung der Kunden. Der Kontrast bleibt aufschlussreich: Internationale Kapazität ließ sich in Kilobit ausdrücken, praktischer Zugang hing jedoch von einem funktionierenden Modem, einer freien Telefonleitung und den Kosten der Onlinezeit ab.

Lu Hengs Note 64 dient hier nur als redaktionelle Linse: Was ist die kleinste funktionierende Schnittstelle, die Teilnehmer tatsächlich annehmen? Diese Frage lenkt den Blick von der Kapazitätszahl auf den Weg zwischen Anschluss und erfolgreicher Sitzung. Sie erklärt Kiribatis Geschichte nicht; die Quellen zeigen auch nicht, dass der Betreiber nach diesem Prinzip vorging.

Quellen