Zusammenfassung

  • Die IETF-Arbeitsgruppe NOCTools stellte 1989 ein Verzeichnis von Werkzeugen zur Netzverwaltung zusammen. Der im April 1990 veröffentlichte RFC 1147 machte sie über gemeinsame Schlagwörter zu Funktion, Ressource, Methode, Umgebung und Produktform auffindbar.
  • Im Juni 1993 ersetzte RFC 1470 die erste Ausgabe und verwies auf einen Katalog in Usenet und FTP. Neue Werkzeuge und Änderungen waren schneller als der Druck.

Erst das Werkzeug finden, dann die Störung

Eine entfernte Verbindung fällt immer wieder aus. Soll ein Alarm Ereignisse erfassen, ein Analysator Pakete deuten oder eine Karte die Topologie zeigen? Bevor ein Administrator diese Frage beantworten kann, muss er wissen, welche Instrumente überhaupt vorhanden sind. Die Einleitung des ersten NOCTools-Katalogs nennt das ständige Neuerfinden vorhandener Lösungen ein verbreitetes Leiden der Datenkommunikation. Die Gegenmaßnahme war handfest: Für jedes Werkzeug beschreiben, was es tut, wie es arbeitet und wie man es bekommt.

Die Gruppe sammelte das Material 1989; R. Stine redigierte den RFC vom April 1990. Zusammenstellung und Redaktion wurden finanziell unterstützt, doch der Text schreibt die Entstehung des Katalogs vor allem der freiwilligen Mitarbeit zu. Hinzu kam eine kurze Einführung in die Netzverwaltung. Auch Lücken waren aufschlussreich: Wo eine benötigte Fähigkeit im Verzeichnis fehlte, ließ sich eine Aufgabe für künftige Entwickler erkennen.

Ein Register für Fragen statt Markennamen

Die Einträge standen alphabetisch. Wer den Namen schon kennt, kommt damit weit; wer nur sein Problem kennt, braucht mehr. NOCTools legte deshalb einheitliche Schlagwörter fest. Sie beschrieben die Rolle eines Werkzeugs, die verwaltete Netzressource, sein Verfahren, Betriebssystem und Hardware sowie seine Form als Software oder Gerät. Aus „Ich muss eine Route erkennen“ konnte eine Suche werden, ohne zuvor den richtigen Produktnamen zu erraten.

Ein Anbieter sortiert sein Angebot nach der eigenen Palette. Eine Netzstörung hält sich selten daran. RFC 1147 stellte Alarme, Analysatoren, Debugger, Karten sowie Routing- und Sicherheitswerkzeuge in ein gemeinsames Suchsystem. Die Redakteure legten zugleich die Herkunft der Angaben offen: Die meisten Werkzeuge hatten sie nicht selbst bewertet; Beschreibungen kommerzieller Produkte kamen überwiegend von deren Anbietern. Das Register zeigte Möglichkeiten, die Prüfung blieb bei den Nutzern.

Das Buch verlor sein Rennen

Der Nachfolger RFC 1470 erklärte im Juni 1993, ein statisches Dokument könne neue Werkzeuge und Überarbeitungen nicht schnell genug aufnehmen. Durch Veröffentlichungsverzögerungen konnten gedruckte Einträge schon veraltet sein. Nun ließ sich der Katalog über Usenet und FTP abrufen. Neue oder geänderte Beschreibungen konnten nahezu sofort elektronisch verbreitet werden; in die Hauptindizes arbeiteten die Redakteure sie ein, sobald ihre Zeit es erlaubte.

Damit liefen zwei Uhren: Verbreitung und Ordnung. Eine schnell verschickte Beschreibung ist noch nicht leicht wiederzufinden. RFC 1470 lieferte eine Vorlage für neue Beiträge und einen Anhang mit bekannten Werkzeugen, für die ausführliche Einträge fehlten. Der Katalog zeigte seine Baustellen und lud dazu ein, sie zu schließen.

Die Geschichte handelt von einer unscheinbaren Leistung. Wer um zwei Uhr morgens ein vorhandenes Werkzeug findet, muss es nicht noch einmal erfinden. NOCTools baute zunächst gemeinsame Schubladen für verteiltes Wissen. Dann stellte die Gruppe diese Schubladen ins Netz, wo die Beschriftungen schneller mit ihrem Inhalt wachsen konnten.