Zusammenfassung
- Intermail überbrückte Grenzen zwischen Mailsystemen, ohne die Programme der Nutzer zu ändern. Die Absender mussten jedoch die Zielangaben an den Anfang des Nachrichtentextes setzen.
- Ein Betriebsbericht von 1990 zeigt, dass es kein einheitliches Gateway gab: MCI Mail lief noch über TOPS-20-Intermail, während das neue Unix Commercial Mail Relay den Dienst noch nicht unterstützte.
Die erste Grenze lag auf Anwendungsebene
Internet-Mail und kommerzielle E-Mail-Dienste waren getrennte Systeme mit eigenen Adressregeln. Das Information Sciences Institute (ISI) der USC schrieb 1990, Internet Mail, Sprint Telemail, MCI Mail und Dialcom seien für den autonomen Betrieb entworfen worden; eine bequeme Möglichkeit, Nutzer auf einem anderen System zu erreichen, habe gefehlt. ISI begann 1981 mit einem Experiment, um diese Lücke zu schließen. Die erste Intermail-Version leitete VLSI-Chipspezifikationen für das MOSIS-Projekt zwischen ARPANET und Telemail weiter.
Das war ein laufender Dienst für einen konkreten Austausch, keine Zusage allgemeiner Erreichbarkeit jedes Netzes oder Postfachs. Internet-Mail und kommerzielle E-Mail-Dienste waren getrennte Systeme mit eigenen Adressregeln. Das Information Sciences Institute (ISI) der USC schrieb 1990, Internet Mail, Sprint Telemail, MCI Mail und Dialcom seien für den autonomen Betrieb entworfen worden; eine bequeme Möglichkeit, Nutzer auf einem anderen System zu erreichen, habe gefehlt. ISI begann 1981 mit einem Experiment, um diese Lücke zu schließen.
Die erste Intermail-Version leitete VLSI-Chipspezifikationen für das MOSIS-Projekt zwischen ARPANET und Telemail weiter. Das war ein laufender Dienst für einen konkreten Austausch, keine Zusage allgemeiner Erreichbarkeit jedes Netzes oder Postfachs.
Die erste Lösung verlagerte die Komplexität in die Nachricht. Das Format „Source Route Forwarding“ war für Fälle gedacht, in denen eine Mail mehrere Systeme durchlaufen konnte. 1983 baute Annette DeSchon Intermail zu einem allgemeineren Weiterleitungssystem aus, das Internet-Mail mit Telemail, MCI Mail und Dialcom verband. Die Erfahrung zeigte, dass die vollständige Quellroute allgemeiner war als nötig. ISI führte deshalb „Simple Forwarding“ ein. Die Anweisung stand am Anfang des Nachrichtentextes. Absender konnten Zieladressen und vertraute Felder wie To, Cc und Subject angeben und die Weiterleitungszeile mit einer Leerzeile vor dem eigentlichen Nachrichtentext beenden.
Transparent war die Lösung nur in einem begrenzten Sinn. Nutzer konnten ihre gewohnten Mailprogramme weiterverwenden; Änderungen an jedem lokalen Client waren nicht nötig. Der Absender musste aber vom Relay wissen, das passende Gateway auswählen und die Adresse im Format des anderen Dienstes angeben. RFC 1168 zeigt unterschiedliche Beispiele für Telemail und Dialcom. Eine Telemail-Adresse konnte Nutzer, Organisation, Host und Land enthalten; Dialcom nutzte eine Host- und eine Nutzerkennung. Eine Nachricht, die in einem Dienst normal aussah, brauchte daher eine ausdrückliche Anweisung, damit der Vermittler sie verstehen konnte.
Das Relay brauchte weiterhin Menschen und Protokolle
Mit der Syntax war die Arbeit nicht erledigt. Intermail erzeugte Fehlermeldungen nur teilweise automatisch; ein menschlicher Postmaster genehmigte oder korrigierte sie. Das neuere Unix Commercial Mail Relay (CMR) verwendete eine Warteschlange und einen Daemon, um Nachrichten zu analysieren und den eingebetteten Simple-Forwarding-Header zu finden. Auch eine einfache Abrechnung gehörte dazu: Skripte zählten Markierungen in den Protokollen und summierten am Monatsende die gesendeten und empfangenen Nachrichten je kommerziellem Dienst.
Der Bericht dokumentiert diese Kontrollen, nennt aber keine Zustellquote, vollständigen Personalkosten oder durchgehende Mengenreihe.
Entscheidend ist, dass „das Gateway“ keine einzelne Implementierung bezeichnete. Im Juli 1990 unterstützte das CMR Telemail und Dialcom. Die Verbindung zu MCI war noch in Entwicklung; laut Bericht lief MCI Mail weiterhin über TOPS-20-Intermail und war noch nicht in das CMR integriert. Man kann also nicht annehmen, dass das neue Relay den älteren Dienst bereits ersetzt hatte. ISI betrieb zwei Generationen der Weiterleitung mit unterschiedlicher Software und Abdeckung.
Ein Mail-Gateway bot keinen allgemeinen IP-Zugang
Die Betriebsgrenze hatte auch eine Nutzungsregel-Seite. RFC 1168 zufolge waren ISIs Relays für DARPA-Arbeiten oder andere genehmigte Regierungsaufgaben vorgesehen und durften nicht einfach zwei kommerzielle Systeme miteinander verbinden. Mindestens eine Seite einer Nachricht musste die anwendbare Regel des Federal Research Internet Coordinating Committee erfüllen. Dadurch wurde E-Mail nicht zu allgemeinem Internetzugang; beschränkt wurde, welche Nachrichten bestimmte bundesfinanzierte Einrichtungen nutzen durften.
Spätere Berichte über das CNRI-MCI-Mail-Experiment nennen einen Genehmigungsantrag von 1988 und einen abgeschlossenen Anschluss von 1989. Sie reproduzieren das ursprüngliche Entscheidungsdokument nicht und dürfen nicht mit der früheren Intermail-Geschichte vermengt werden.
Intermails Bedeutung liegt in der Arbeit, die das Wort „Interoperabilität“ verdeckt. Nutzer mussten ihre lokale Software nicht ersetzen, aber die Betreiber übersetzten Adressregeln, bewahrten die Routenanweisung, hielten den Relay-Host in Betrieb, prüften Fehler und zählten den Verkehr. Jedes zusätzliche Mailsystem vergrößerte den Kreis möglicher Gesprächspartner und fügte zugleich ein weiteres Format und einen weiteren Betriebszustand hinzu. Die Belege tragen eine begrenzte Schlussfolgerung: Kommerzielle Mail und Internet-Mail wurden über betriebene Gateways erreichbar, bevor sie ein gemeinsames nutzerseitiges Adressmodell hatten.
Sie zeigen weder eine Zusammenlegung der Dienste noch, dass alle Nutzer miteinander mailen konnten oder dass E-Mail allgemeine IP-Erreichbarkeit bedeutete.
Quellen
- RFC 1168, „Intermail and Commercial Mail Relay Services“ (Juli 1990) — zeitgenössische Dienstgeschichte und Implementierungsstand.
- RFC 821, „Simple Mail Transfer Protocol“ und RFC 822, „Standard for the Format of ARPA Internet Text Messages“ — Kontext der Internet-Mail.
- CNRI, „What Is the Internet?“ — spätere Darstellung des MCI-Mail-Experiments.
- IEEE Spectrum, „Meet Mr. Internet: Vint Cerf“ — Cerfs spätere Erinnerung an die MCI-Verbindung.
- RFC 2235, „Hobbes’ Internet Timeline“ — spätere Chronologie kommerzieller Mail-Relays.
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