Summary

  • Die rec.arts.movies-Filmdatenbank wurde durchsuchbar, als Col Needham Shellskripte veröffentlichte, die mehrere von Freiwilligen gepflegte Listen gemeinsam abfragten; die Weboberfläche kam später.
  • Das Wachstum beruhte auf Software und verteilter Pflege: Nutzer meldeten Korrekturen, Verantwortliche betreuten eigene Kategorien, und Kopien zirkulierten über Usenet, FTP, E-Mail und später das Web.

Analyse

Eine Liste, die man wiederfinden können musste

Schon 1989 machten Leser von rec.arts.movies aus wiederkehrenden Filmgesprächen Listen. „THE LIST“, eine Filmografie von Schauspielerinnen, wurde in der Gruppe verbreitet; ein Bericht mit Filmbewertungen entstand getrennt davon. Die FAQ von 1994, verfasst vom Datenbankverantwortlichen, hält diesen Ablauf und die Arbeitsteilung fest. 1990 begann Col Needham eine Schauspielerliste, Freiwillige übernahmen weitere Kategorien und Dave Knight bot eine Regisseur-Liste an. Jede Liste war nützlich, doch es fehlte eine Suche über alle Listen hinweg.

Der Wendepunkt war eine Bitte von Grant Mason um ein Programm, das die Listen gemeinsam durchsuchen konnte. Needham zufolge veröffentlichte er einfache Shellskripte, mit denen die Listen als Paket durchsuchbar wurden. Ein späterer offizieller IMDb-Bericht datiert die erste Softwareveröffentlichung auf den 17. Oktober 1990. Die Datenbank war durchsuchbar, bevor sie eine Website wurde: Man brauchte eine Unix-Umgebung sowie Dateien und Skripte, keinen Browser mit einer zentralen Seite.

Die Suche machte die Verantwortlichen nicht überflüssig

Das Paket verband die Listen, verwandelte sie aber nicht in eine einzige redaktionelle Warteschlange. Die FAQ von 1994 nennt eigene Verantwortliche für Schauspieler, Regisseure, Drehbücher, Titel, Inhaltsangaben, Bewertungen, Soundtracks und weitere Kategorien. Referenzlisten für Namen und Titel sowie eine relationale Struktur halfen, die Bereiche konsistent zu halten. Die Listenverantwortlichen blieben entscheidend. Die FAQ beschreibt ein internationales Freiwilligenprojekt, das von Nutzerdaten lebte, räumt aber zugleich Lücken in der Abdeckung ein.

Auch Beiträge folgten dieser Struktur. 1994 sammelte ein zentraler E-Mail-Dienst Ergänzungen und schickte sie wöchentlich an die zuständigen Listenverantwortlichen. Diese bearbeiteten sie mit Listenverwaltungswerkzeugen. Das Postfach erleichterte die Einreichung, ersetzte aber nicht die Prüfung je Kategorie. Die Glaubwürdigkeit des Systems beruhte auf praktischer Arbeitsteilung, nicht auf einem einzigen Redakteur, der Vollständigkeit behauptete.

Die Website war ein Zugang unter mehreren

Der Zugang weitete sich schrittweise aus. FTP stellte Daten fortlaufend bereit. Der Mailserver wurde im Sommer 1993 öffentlich; die FAQ nannte rund 400 Anfragen pro Tag. Rob Hartill richtete im September 1993 eine Weboberfläche in Cardiff ein; dasselbe Dokument berichtete von zehntausenden täglichen Serveranfragen. Das sind Anfragen, keine eindeutigen Nutzer, erfolgreichen Suchvorgänge oder Belege dafür, dass jeder Besucher eine Antwort fand.

1994 konnten Leser Mosaic oder Lynx nutzen, per E-Mail suchen, eine Unix-Version lokal installieren, DOS- oder Amiga-Werkzeuge verwenden oder das Material über ein Telnet-fähiges Web-Gateway erreichen. Das Web machte die Datenbank leichter zugänglich, schuf aber nicht das zugrunde liegende Referenzsystem. Suche, Dateien und Listenpflege liefen über mehrere Netzwerkschnittstellen.

Die FAQ legte auch Wiederverwendungsbedingungen fest. Eine elektronische Weitergabe war erlaubt, wenn Dateikopf und Dateiende erhalten blieben und keine Gebühr erhoben wurde; zugleich stellte sie klar, dass die Daten nicht gemeinfrei waren. „Kostenlos zugänglich“ bedeutete nicht „ohne Bedingungen“. Und mehr Anfragen machten die Daten nicht vollständig: Die Verantwortlichen selbst wiesen auf große Lücken hin.

Heng Lus Note 65 dient nur dazu, laufende Software von ihrer späteren Webdarstellung zu unterscheiden; sie ist kein Beleg für Gründer oder Entscheidungen der Datenbank. Die Quellen tragen eine begrenzte Aussage: Ein gemeinschaftlich gepflegtes Nachschlagewerk wurde vor dem Browserzeitalter durchsuchbar, weil Software mit menschlicher Verantwortung je Kategorie verbunden wurde. Die Oberfläche war nicht die ganze Institution; Dateien, Regeln und Verantwortliche gehörten ebenfalls zum System.

Sources