Summary

  • Der RIPE-NCC-Vorstand hat den Erwerb zusätzlicher LIR-Konten vorübergehend gestoppt; auch laufende Anträge sind betroffen. Vorhandene Konten werden dadurch nicht geschlossen.
  • Hans Petter Holen berichtete im Oktober von 100 Umfrageantworten. 51 nannten getrennte Geschäftsbereiche, 28 interne Rechte für Dienste wie RPKI und Transfers, 41 planten bereits eine Zusammenlegung von Konten.

Ein Verbot ist schneller beschlossen als ein brauchbares Berechtigungssystem gebaut.

Der RIPE-NCC-Vorstand hat im September die Tür zu weiteren LIR-Konten geschlossen. Die Oktober-Generalversammlung lieferte einen Hinweis darauf, weshalb manche Mitglieder hinter dieser Tür überhaupt Platz gesucht hatten: 28 der ersten 100 Befragten nutzten mehrere Konten, um interne Zugriffsrechte für RPKI, Ressourcentransfers und ähnliche Dienste zu handhaben.

Die übrigen Zahlen zeigen keine sauber getrennten Lager. 51 Antworten verwiesen auf getrennte Geschäftsbereiche oder Abteilungen, 41 auf bereits geplante Kontenzusammenlegungen. Mehrfachnennungen sind möglich.

RIPE zählt insgesamt 410 Mitglieder mit 708 zusätzlichen LIR-Konten; aus hundert Antworten lässt sich kein Anteil für alle 410 ableiten.

Der Stopp umfasst auch laufende Anträge, lässt bestehende Konten aber unangetastet. Wer bisher Kontogrenzen als interne Zuständigkeitsgrenzen verwendet hat, kann sie vorerst behalten. Neue Grenzen auf dieselbe Weise einzuziehen, ist nun nicht mehr möglich.

RIPEs Zugangsdokumentation kennt bereits reguläre Nutzer, Abrechnungsrollen und Administratoren. Sie beschreibt außerdem das RPKI-Dashboard und die Möglichkeit, Ressourcentransfers anzustoßen.

Der Befund lautet also genauer: Die vorhandene Rechteverteilung hat bei 28 Antwortenden den Bedarf nach separaten Konten nicht beseitigt. Welche einzelne Berechtigung ihnen jeweils fehlt, geht aus den veröffentlichten Ergebnissen nicht hervor. Holen sprach deshalb von besserer Zugriffskontrolle, mit der eine Organisation Ressourcen und Mitgliedschaft an einem Ort verwalten könnte.

Daneben steht die politische Frage, ob ein Mitglied mehr als eine IPv4-Zuteilung von der Warteliste erhalten soll. Darüber entscheidet die Adresspolitik. Wer im Portal eine ROA verwalten oder einen Transfer beantragen darf, entscheidet das Betriebsmodell des RIPE NCC.

Der Vorstand hat die Umgehung gestoppt; jetzt muss er die Trennlinie bauen, die sie für einige Mitglieder ersetzt.

Originalquellen: Stenografie der RIPE-NCC-Generalversammlung; Erläuterung des Kontenstopps durch RIPE; RIPE NCC Access: Rollen und Dienste.