Zusammenfassung

  • LACNIC schätzt, dass der letzte Antrag auf seiner IPv4-Warteliste mindestens zwölf Jahre wartet und höchstens 1.024 Adressen, also ein /22, erhalten kann.
  • Die Position ist keine Zuteilung: Ein früher eingereichtes Ticket kann sie nachträglich zurücksetzen, vor der Ausgabe folgt eine neue Prüfung, und bei Kauf, Verkauf oder Fusion der Organisation verfällt sie.
  • Zurückgewonnene Blöcke bleiben mindestens sechs Monate in Quarantäne. LACNIC garantiert jedoch weder eine unbelastete Ankündigungs- noch Filterhistorie; die Rehabilitation trägt der Empfänger.

Zwölf Jahre sind kein Liefertermin

LACNIC richtete die Liste nach eigenen Angaben am 19. August 2020 ein, als der letzte verfügbare IPv4-Block vergeben wurde. Seitdem ordnet sie Anträge gegenüber Adressen, die zurückgewonnen oder zurückgegeben werden. Für den letzten Antrag nennt die aktuelle Seite zwei gemeinsame Grenzen: mindestens zwölf Jahre Wartezeit und höchstens 1.024 Adressen.

Die Zeitangabe hängt von künftigen Rückläufen ab, die LACNIC ausdrücklich nicht sicher vorhersagen kann. Das /22 ist eine Obergrenze, kein reservierter Block. Im Jahresbericht 2024 war die Liste um 22 Prozent gewachsen; damals lag die Schätzung bei rund neun Jahren. Die heutige Zwölf-Jahres-Angabe beweist keinen linearen Trend. Sie zeigt, dass aus historischen Rückläufen kein Serviceversprechen entsteht.

Auch der Rang bleibt bedingt

Zugang erhält nur ein LACNIC-Mitglied, das bereits IPv6-Ressourcen besitzt und erstmals IPv4 beantragt. Abschnitt 11.1 schließt gewöhnliche Organisationen aus, die schon von LACNIC oder regionalen Vorgängern IPv4 erhielten; für kritische Infrastruktur gilt eine Ausnahme. Die Reserve ermöglicht eine einmalige gewöhnliche Vergabe zwischen /24 und /22.

Die Bearbeitung folgt dem Ticketzeitpunkt, doch ein sichtbarer Rang kann sinken, wenn ein früher eingereichtes Ticket später genehmigt wird. Kurz vor Freigabe eines quarantänisierten Blocks prüft LACNIC die vorderen Anträge erneut. Die Aufnahme in die Liste ist damit nicht die endgültige Entscheidung, die eine Zuteilung schafft.

Der Platz hängt an der antragstellenden Organisation. Er ist nicht übertragbar und geht bei Kauf, Verkauf oder Fusion verloren. Das verhindert einen eigenständigen Markt für Wartelistenoptionen. Zugleich kann eine Restrukturierung, die den Netzbetrieb finanziell erhält, jahrelange Wartezeit löschen, obwohl der technische Bedarf fortbesteht.

Quarantäne löscht keine Betriebsgeschichte

Jeder Block aus dieser Phase verbringt mindestens sechs Monate in Quarantäne. Dennoch garantiert LACNIC nicht, dass die Adressen nie angekündigt wurden oder aus Sperrlisten und Filtern verschwunden sind. Der neue Empfänger muss sie rehabilitieren.

Hier verläuft eine klare Zuständigkeitsgrenze. Das Register kann den Inhaber prüfen, Regeln anwenden und die maßgebliche Registrierung ändern. Es kann externe Netze und Reputationsdienste nicht gleichzeitig umstellen. Nach Jahren des Wartens kann deshalb eine weitere unsichere Phase folgen, bevor der kleine Block für Kunden verlässlich funktioniert.

Außerdem darf der Block drei Jahre lang nicht übertragen werden. Die Reserve soll den Betrieb eines neuen Mitglieds ermöglichen, nicht sofort handelbaren Bestand schaffen. Diese Arbitragebremse erhöht den Wert einer sorgfältigen Betriebsprüfung vor Annahme.

Der Transferweg ist ein anderes Verfahren

LACNIC erkennt inner- und interregionale IPv4-Transfers an. 2024 wurden 197 Blöcke übertragen, 25 Prozent mehr als 2023; mehr Vorgänge bedeuteten laut Bericht nicht mehr bewegte Adressen. Ein optionaler Listendienst bringt Anbieter, Empfänger und freiwillige Broker für eine nicht erstattbare Jahresgebühr von 200 US-Dollar zusammen. Die Angaben bleiben Teilnehmern vorbehalten. LACNIC ist weder Partei des Geschäfts noch Prüfer oder Haftender für Brokerleistungen.

Beide Wege reagieren auf dieselbe Knappheit, schaffen aber andere Positionen. Der Wartende sucht einen kleinen zurückgewonnenen Block unter Mitgliedschafts-, IPv6- und Erstantragsbedingungen. Ein Transferempfänger braucht eine Gegenpartei und muss Transferregeln erfüllen; Preis und Geschäftsrisiko liegen außerhalb von LACNIC. Öffentlich ist nicht belegt, wie viele Antragsteller den Weg wechseln.

Beweisgrenze

Die Quellen belegen Regeln, veröffentlichte Schätzungen und institutionelle Rollen. Sie zeigen weder jeden aktuellen Rang noch einen Rückgewinnungsplan, eine Genehmigungswahrscheinlichkeit, Rehabilitationskosten oder private Preise. „Mindestens zwölf Jahre“ ist keine garantierte Höchstwartezeit. „Höchstens 1.024 Adressen“ verspricht kein weltweit sofort routbares, reputationsfreies /22.

Quellen