Zusammenfassung

  • Zwei am 3. September 2026 abgerufene Kopien von LACNICs öffentlichem Geofeed waren bytegleich. Die Datei enthält 13.569 Zeilen, aber 13.546 unterschiedliche Präfixe: 23 Präfixe kommen jeweils zweimal vor.
  • Neun Paare sind inhaltlich identisch, 14 unterscheiden sich bei den Ortsangaben. Vier nennen verschiedene Länder. Bei 170.51.97.0/24 stehen UY und PY gegeneinander; eine Auswahl nach dem längsten Präfix kann zwischen identischen /24 nicht entscheiden.
  • Die Untersuchung weist einen Widerspruch im Datensatz nach, nicht den tatsächlichen Standort der Adressen. Urheber, Änderungszeitpunkte, Nutzung durch Dritte und Folgen für Anwender wurden nicht festgestellt. Eine bereinigte Ausgabe ist deshalb nicht mit bestätigter Geografie gleichzusetzen.

Die letzte Zeile weiß nicht mehr als die erste

Für 170.51.97.0/24 liefert LACNICs öffentlicher Geofeed zwei Antworten. In Zeile 2.631 der untersuchten Datei folgen auf das Präfix die Angaben UY,UY-MO,Montevideo,. In Zeile 12.633 stehen stattdessen PY,PY-ASU,Asuncion,. UY bezeichnet Uruguay, PY Paraguay. Der Adressbereich davor ist in beiden Fällen exakt derselbe.

Eine Software könnte die erste Zeile übernehmen und die zweite ignorieren. Eine andere könnte den bereits eingelesenen Wert mit dem späteren überschreiben. Im ersten Fall stünde in ihrer Ausgabe Uruguay, im zweiten Paraguay. Das sind hypothetische Verarbeitungsregeln, keine Beobachtungen an tatsächlichen Nutzern des Dienstes. Sie machen jedoch sichtbar, wie leicht eine technische Auswahl zu einer scheinbar eindeutigen Ortsangabe werden kann.

Eine Position in der Datei ist kein Zeitstempel. Sie sagt auch nicht, wer den Eintrag vorgenommen hat oder mit welchen Belegen. Dass ein Programm am Ende nur noch einen Wert hält, bedeutet zunächst lediglich, dass es einen anderen verworfen hat. Wo die Adressen tatsächlich verwendet werden, bleibt damit offen.

Der Befund ist klein genug, um genau geprüft zu werden, und zu begrenzt für eine pauschale Anklage. Er zeigt weder, dass LACNIC die falschen Länder angibt, noch dass nachgelagerte Dienste fehlerhaft entschieden haben. Er zeigt, dass eine gemeinsam nutzbare Datei für einzelne Schlüssel widersprüchliche Angaben bereitstellt. Das ist eine andere, unmittelbar überprüfbare Aussage.

Vier Arten von Doppelung

Die erfolgreichen Abrufe wurden am 3. September um 10:31:23 und 10:45:12 Uhr UTC gestartet. Beide lieferten dieselben 438.145 Bytes. Zwei dazwischenliegende Versuche überschritten ihre Wartefrist. Aus diesen einzelnen Zeitüberschreitungen lässt sich keine Verfügbarkeitsbilanz des Dienstes ableiten. Ebenso wenig liefern die beiden identischen Kopien eine längerfristige Entwicklung der Datenqualität.

In der Datei stehen 10.782 IPv4- und 2.787 IPv6-Zeilen. Alle Präfixe ließen sich als kanonische Netzbereiche auswerten; es gab weder Parsingfehler noch gesetzte Hostbits in den Präfixangaben. Nach Gruppierung identischer Bereiche bleiben 13.546 unterschiedliche Präfixe. Eine zweite Zählung anhand des unveränderten Präfixtexts bestätigte das Ergebnis. Beide Auswertungen stammen vom selben Untersucher und sind keine unabhängige Drittprüfung.

Es gibt 23 Paare mit jeweils zwei Zeilen, also 46 betroffene Zeilen und 23 zusätzliche Datensätze gegenüber einer Ausgabe mit einer Zeile je Präfix. Dabei lassen sich vier Klassen unterscheiden:

Art des Paares Anzahl
Vollständig identische Angaben 9
Unterschiedliche Ländercodes 4
Gleiches Land, andere Region oder Stadt 4
Gleiches Land, lediglich unterschiedliche Detailtiefe 6

Die neun identischen Paare enthalten keine konkurrierenden Ortsangaben. So steht 200.123.12.0/24,PE,PE-LIM,Lima, zweimal direkt hintereinander. Eine der Kopien aus der normalen Ausgabe zu entfernen würde die Aussage über den Ort nicht verändern. Die Herkunft und der Verlauf der Daten könnten dennoch erhalten bleiben.

Anders liegen die vier Länderwidersprüche. Neben 170.51.97.0/24 betreffen sie 181.238.0.0/24, 181.239.32.0/24 und 186.182.0.0/24. Die letzten drei Präfixe erscheinen jeweils mit PY und AR, also Paraguay und Argentinien. Das sind vier widersprüchliche Paare in einer Datei, nicht vier nachgewiesene Fehlentscheidungen über Nutzerstandorte.

Bei den vier Paaren mit gleichem Land, aber unterschiedlicher Region oder Stadt ist die Differenz enger gefasst. 200.63.248.0/21 wird beispielsweise mit Ibarra und Quito in Ecuador angegeben. Die zugehörigen Regionscodes unterscheiden sich ebenfalls. Die übrigen sechs Paare nennen kein alternatives Land und unterscheiden sich nur darin, wie viel Ortsinformation sie enthalten. Eine Zeile für 200.80.255.0/24 lautet hinter dem Präfix AR,AR-B,Buenos Aires,, die andere AR,,,. Ein leeres Stadtfeld behauptet keine andere Stadt.

Weder ist jede Lücke ein Fehler, noch ist der ausführlichere Datensatz automatisch aktueller. Wer alle 23 Paare auf dieselbe Weise behandelt, übersieht, dass bei neun eine reine Kopie entfernt werden kann, während bei anderen eine Aussage ausgewählt würde. Auch die Zahl der Zeilen selbst hat enge Grenzen: Sie zählt keine Organisationen, Menschen, autonomen Systeme oder tatsächlich genutzten Routen.

Weshalb die längste Übereinstimmung hier nicht hilft

Der RFC 8805 beschreibt das Geofeed-Format und liefert eine brauchbare Unterscheidung. Das Dokument vom August 2020 hat den Status „Informational“, ist also keine gesetzliche Vorgabe für geografische Zuordnungen. Abschnitt 2.1 lässt bei optionalen Ortsfeldern Leerstellen zu. Abschnitt 2.1.3 behandelt doppelte Präfixe als Fehler, der zur administrativen Prüfung protokolliert werden soll, unterscheidet diese aber von ineinanderliegenden Bereichen verschiedener Größe.

Die untersuchte Datei enthält beispielsweise sowohl 177.126.48.0/22 als auch 177.126.48.0/24. Der kleinere Bereich liegt im größeren. Für eine Adresse im /24 kann die spezifischere Angabe Vorrang haben; der /22-Eintrag behält für den übrigen Bereich einen Sinn. Eine solche Verschachtelung ist kein identisches doppeltes Präfix.

Bei zwei Zeilen für 170.51.97.0/24 sind dagegen Bereich und Präfixlänge gleich. Die Regel der längsten Übereinstimmung endet im Gleichstand. Der RFC macht weder die erste noch die letzte Zeile zum geografischen Schiedsrichter. Ein Einleseprogramm braucht daher eine Behandlung des Konflikts, keine vorgetäuschte Auflösung durch eine Regel, die für einen anderen Fall gedacht ist.

Das gilt auch für die Bewertung einer Korrektur. Eine Datei lässt sich durch deterministisches Verwerfen doppelter Schlüssel schnell widerspruchsfrei darstellen. Ob der verbleibende Wert stimmt, ist damit nicht bewiesen. Im ungünstigen Fall wird nur die Spur des Widerspruchs beseitigt.

Ein nützlicher Dienst mit begrenztem Auftrag

LACNICs Beschreibung seines Geofeed-Dienstes erläutert die freiwillige Eingabe von Land, Region und Stadt durch Administratoren der Mitglieder in MiLACNIC. Diese Angaben werden in einer öffentlichen CSV-Datei zusammengeführt. Die englische Beschreibung wurde am 7. September 2020 veröffentlicht. Der Dienst ist kein neues Angebot aus dem Jahr 2026; Gegenstand dieser Untersuchung ist eine aktuelle Ausgabe eines bestehenden Angebots.

Die Bündelung hat einen praktischen Vorteil. Nutzer können Erklärungen vieler Netze an einem Ort beziehen, statt sie einzeln suchen zu müssen. Daraus folgt aber nicht, dass LACNIC jeden tatsächlichen Nutzungsort bestätigen oder sämtliche geografischen Datenbanken steuern könnte.

Die Erläuterung zur IP-Geolokalisierung von LACNIC, deren englische Fassung vom 19. Juli 2018 stammt, grenzt die Aufgaben ab. Kontakt- und Vertragsangaben im Whois müssen nicht dem Ort entsprechen, an dem Adressen verwendet werden. Geofeeds erlauben eine Erklärung dieser Nutzung und gegebenenfalls eine Unterteilung der Bereiche. Für kommerzielle Geolokalisierungsdatenbanken ist LACNIC nicht verantwortlich.

Auch der RFC versteht Geofeed-Angaben als Hinweise, denen ein Nutzer andere Quellen vorziehen kann. Die Berechtigung, über einen Bereich Angaben zu machen, und die Richtigkeit dieser Angaben sind unterschiedliche Fragen. Eine Zählung doppelter Präfixe beantwortet keine davon abschließend.

Nicht untersucht wurden Mitgliederkonten, interne Änderungsprotokolle, aktive Standortmessungen oder kommerzielle Datenbanken. Urheber, Zeitfolge und Ursache der Einträge sind unbekannt. Eine rechtmäßige geografisch verteilte Nutzung ist nicht ausgeschlossen. Ebenso wenig ist belegt, dass ein Verbraucher der Datei die strittigen Werte übernommen hat oder dass jemand dadurch geschädigt wurde. Aus dem Befund folgen weder unrechtmäßiger Ressourcenbesitz noch ein RPKI-Fehler, Zensur oder ein Ausfall der Netzverbindung.

Trotzdem lässt sich eine eng begrenzte Verbesserung benennen. Identische Kopien können in der Ausgabe zusammengefasst werden, ohne ihre Herkunft zu vernichten. Abweichende Aussagen über denselben Bereich können als klärungsbedürftig sichtbar bleiben. Andere, gültige Einträge müssen dafür nicht zurückgehalten werden. Wer die Datei nutzt, kann den Standort offenlassen, zusätzliche Belege prüfen oder die Entscheidung abhängig von ihrer Tragweite überprüfen lassen. Ein ungeklärter Geofeed-Eintrag macht weder eine Adresszuteilung noch eine Route ungültig.