Zusammenfassung

  • APNICs Bericht zählt registrierte Zuweisungsinstanzen, keine einzelnen IP-Adressen und keine aktiven Routen.
  • Der monatliche Nettowert von +660 verdeckt deutlich größere Bewegungen zwischen Codegruppen; die Datei nennt keinen Grund.

Der jüngste Stand liefert eine Zahl, die sich gut als Überschrift eignet: In APNICs Datei vom 31. Oktober stehen 1.323.907 IPv4-Zuweisungsinstanzen, 660 mehr als in der Datei vom 1. Oktober. Bei IPv6 beträgt der Zuwachs 383 Instanzen. Wer daraus eine Geschichte über „das Wachstum des Internets“ macht, muss nur die Einheit weglassen und die Fantasie einschalten.

Die Stichtage gehören zur Aussage. Die Datei vom 1. Oktober erfasst Einträge bis zum 30. September, die vom 31. Oktober bis zum 30. Oktober. Beide sind tägliche Zusammenfassungen des APNIC-Registers. Sie sind zwei Schnappschüsse, kein Messgerät für Datenverkehr in der Region.

Laut APNICs README umfasst der Bericht sowohl öffentlich im Whois sichtbare Zuweisungen als auch private Kundeneinträge. Jede Zeile fasst Zuweisungen nach Wirtschaftscode, Ressourcentyp und Größe zusammen. Bei IPv4 beschreibt value die Zahl der Hosts in einem Bereich; dieser muss kein CIDR-Block sein. instances zählt, wie viele Zuweisungen dieser Größe in der Gruppe stehen. Die +660 ergeben sich aus der aufsummierten Änderung dieses Feldes über alle IPv4-Zeilen. Das sind weder 660 Adressen noch 660 neu eingeschaltete Netze oder neue Kunden.

Der Nettowert glättet die eigentliche Bewegung. Die Codegruppe ph legte um 1.546 IPv4-Instanzen zu, au verlor 956. Über die ganze Datei blieb es bei +660. Sie erklärt nicht, ob neue Einträge, Korrekturen, andere Gruppierungen oder ein weiterer Verwaltungsschritt dahinterstehen. Eine Verlagerung über Grenzen oder das aktive Netz eines Betreibers lässt sich daraus ebenfalls nicht ablesen.

APNIC zieht die Grenze selbst: Der Zuweisungsbericht ist kein maßgeblicher Nachweis dafür, welche Ressourcen weltweit tatsächlich geroutet werden. Die allgemeine RIR-Statistikspezifikation beschreibt solche Dateien als Momentaufnahmen ohne Transaktions- oder Verlaufshistorie. APNIC erklärt außerdem, dass seine Ressourcenberichte den heutigen Nutzungsort einer Adresse keinem Land zuverlässig zuordnen können. Ein Code im Register ist ein Verwaltungsfeld, kein GPS-Sender am Adressblock.

Wofür taugt die Zahl dann? Sie zeigt, wie viele Zuweisungsinstanzen APNIC nach seinen Regeln an einem bestimmten Stichtag registriert. Mit Einheit und Stichtag daneben lässt sich die Zusammensetzung dieser Einträge verfolgen. Ob ein Bereich in Routen erscheint, erreichbar ist, Verkehr trägt, Teilnehmende versorgt oder gerade erst installiert wurde, beantwortet die Datei nicht. Das sind andere Messungen.

Die Versuchung liegt darin, dass eine saubere Zahl schneller wandert als ihre Definition. „IPv4-Zuweisungsinstanzen stiegen um 660“ stimmt. „Die Region bekam 660 Adressen hinzu“ verwechselt die Einheit. „Das Internet gewann 660 Netze“ ist der nächste, größere Sprung. Eine ordentlich formatierte Tabelle lässt beide wie Analyse aussehen.

Für eine stärkere Aussage fehlen zwei konkrete Belege: ein mit den betroffenen Gruppen verknüpftes Änderungsprotokoll, das die Zuweisungsänderungen erklärt, und eine separate, datierte Quelle zum Routenstatus, die sich den registrierten Ressourcen zuordnen lässt. Beides enthält dieser Bericht nicht. Das Register beschreibt seine Zeilen. Was die Pakete getan haben, steht dort nicht.

Offizielle Quellen