Zusammenfassung

  • Dokumentierte Rolle: AFRINIC ist das Regional Internet Registry für Afrika; die NRO-Tabelle nennt Gründung 2005, Sitz Mauritius und 2.566 Mitglieder am 30. Juni 2026.
  • Öffentliche Aufzeichnung: AFRINIC-Seiten beschreiben LIR- und End-User-Mitgliedschaft, Gebührenkategorien, RSA und AMA, einen offenen Politikprozess, WHOIS und RDAP sowie die IPv4-Soft-Landing-Geschichte.
  • Juristische Aussagen: AFRINIC und LARUS veröffentlichten gegensätzliche Positionen zu Gerichtsbeschlüssen von 2025 und Leasingbefugnis. Die Beschlüsse fehlen im Material; sie bleiben zugeschrieben, nicht entschieden.

Was vor dem Streit verifizierbar ist

AFRINICs Startseite beschreibt sich schlicht als Regional Internet Registry für Afrika. Die RIR-Tabelle der NRO nennt Gründung 2005, Sitz Mauritius und Dienstregion Afrika sowie 2.566 Mitglieder am 30. Juni 2026. IANAs Seite zu Nummernressourcen ordnet AFRINIC der Region Afrika zu und beschreibt IANAs Rolle als globale Koordination der IP-Adressierungssysteme. Das sind enge Fakten, erklären aber, warum ein Unternehmensstreit Netzbetreiber erreicht: Das Register liegt im Pfad von Adressaufzeichnungen, Routingdaten und Ressourcenzertifizierung.

AFRINIC-Seiten beschreiben Registerdienste, Politikbeteiligung, Lernen und Gemeinschaftsaktivität. Die WHOIS-Seite listet öffentliche Abfragetools und bezeichnet RDAP als modernen Nachfolger von WHOIS. Die Mitgliedschaftsseite unterscheidet LIR und End User und sagt, Gebühren hingen von Adressraumgröße und Betrieb der Organisation ab. Die Seite zu Unternehmensdokumenten listet Satzung, Finanz- und Jahresberichte, das Consolidated Policy Manual, eine Service-Level-Zusage, den Registration Service Agreement und den Associate Member Agreement.

Diese Seiten beweisen keine Betriebsverfügbarkeit, benennen aber Funktionen und Dokumente, die eine Kontinuitätsprüfung kontrollieren sollte.

Mitgliedschaft, Gebühren und zwei Verträge

Die Gebührenseite ist ungewöhnlich klar über ihre Grenzen. Sie sagt, die Gebührenordnung gelte mit Stand 2008, sofern nicht geändert. Die Jahresmitgliedschaft basiert auf der Mitgliedskategorie, abgeleitet aus der Aggregation aller abrechenbaren Ressourcen. Die Seite nennt die Extra-Large-LIR-Kategorie mit 38.400 USD und sagt, Transfers zwischen zwei bestehenden Resource Members trügen ‘derzeit’ keine IP- oder ASN-Transfergebühr. Das zeigt ein administratives, an Kategorien gebundenes Modell, keinen Marktpreis für Adressblöcke. Die aktuelle Erfassung beweist keine historischen Preise.

Die Vertragsseite sagt, AFRINIC-Mitgliedschaft werde durch zwei Verträge geregelt: den Registration Service Agreement für Resource Members und den Associate Member Agreement für Associate Members. Sie sagt außerdem, nur die englische Fassung sei rechtlich bindend. Das zählt in einem Streit, in dem öffentliche Zusammenfassungen und Presseerklärungen schneller zirkulieren als unterzeichnete Texte. Die Vertragsseite ist ein Index, kein Ersatz für den ausgeführten Vertrag.

Offene Politik und getrennte Rechtsautorität

Die Politikseite sagt, es gebe keine besondere Voraussetzung für die Teilnahme am Policy Development Process, und jeder könne Politik vorschlagen oder diskutieren, unabhängig von Ort, Geschlecht oder Rasse. Diskussionen fänden vor allem auf der Ressourcen-Politik-Mailingliste und bei zweimal jährlich stattfindenden Public Policy Meetings statt. Der Prozess umfasst Einreichung, Analyse, Diskussion, Treffen, Last Call und Board-Ratifizierung. Die Seite nennt auch PDWG-Co-Vorsitzende und frühere Vorsitzende.

Diese Offenheit ist real, löst aber keine Rechtsautorität. Ein Politikprozess kann entscheiden, was die Gemeinschaft will. Er kann nicht allein entscheiden, ob ein Gerichtsbeschluss ein gesetzliches Mitgliederregister berichtigt hat, ob ein Vertrag Leasing erlaubte oder ob ein Gericht einen Vorstand beschränken kann. Dafür braucht es die zugrunde liegenden Rechtsdokumente. Das Material enthält konkurrierende öffentliche Aussagen, nicht die Dokumente selbst.

Warum die IPv4-Geschichte bleibt

AFRINICs Meldung vom 20. November 2018 sagt, IANA habe AFRINIC den Bereich 45.96.0.0 bis 45.111.255.255 aus dem wiederhergestellten IPv4-Pool zugewiesen. Die Seite vom 19. August 2019 beschreibt die IPv4-Soft-Landing-Politik von 2011 und bezeichnet das Final /8 als 102.0.0.0/8, am 3. Februar 2011 von IANA zugewiesen. Sie sagt, Exhaustion Phase 2 beginne, wenn im Final /8 nicht mehr als ein /11 nicht reservierten Raums verbleibe, und Phase 2 sehe /24 bis /22 vor. IANAs IPv4-Register nennt 41/8 als 2005 an AFRINIC zugewiesen, 102/8 2011 und 196/8 als Legacy-Raum, der seit 1993 von AFRINIC verwaltet wird.

Die Statistikseite listet 41/8, 102/8, 105/8, 196/8, 197/8 und andere Fragmente sowie IPv6-Blöcke 2001:4200::/23 und 2c0e::/12. IANAs Register bestätigt 105/8 und 197/8 als AFRINIC-Zeilen. Das ist keine technische Nebensache. Knappheit gibt Registereinträgen wirtschaftliches Gewicht: Ein historischer Eintrag kann Routing, Kundenverträge, Sicherheits-Allowlists und Finanzierungsannahmen stützen. Deshalb werden Streitigkeiten über Aufzeichnungen, Transfers oder Leasing zu Kontinuitätsfragen, auch wenn der Gerichtspunkt nach Gesellschaftsrecht klingt.

Kontinuität heißt Aufzeichnungen, Veröffentlichung, Sicherheit, Updates

Die bereitgestellten Standards erklären, warum ein Register kein Aktenkoffer ist. RFC 6480 definiert die Resource Public Key Infrastructure als Grundlage einer Architektur für bessere Routing-Sicherheit. RFC 6482 definiert eine Route Origin Authorization als signiertes Objekt, mit dem ein Adressblockinhaber einem AS die Routenorigin erlaubt. RFC 6486 definiert Manifeste, die Repository-Objekte und Hashes auflisten. RFC 6487 profile Ressourcenzertifikate und Sperrlisten. Keines beweist AFRINICs aktuellen Betriebszustand. Sie zeigen aber, dass Veröffentlichung und kryptografische Vertrauensobjekte zur Routing-Sicherheit gehören.

Eine ernsthafte Kontinuitätsprüfung stellt vier enge Fragen. Kann der letzte verifizierte Registrierungszustand erzeugt und geprüft werden? Können WHOIS, RDAP, Reverse-DNS, IRR und RPKI unter institutionellem Stress weiter veröffentlichen? Können legitime Updates von umstrittenen Änderungen getrennt werden? Kann eine gerichtliche oder unabhängige Entscheidung Autorität ändern, ohne die Aufzeichnung zu beschädigen? AFRINIC-Seiten zeigen, dass diese Funktionen existieren. Sie zeigen keinen getesteten Failover, keine vollständige RPKI-Abdeckung und keinen geklärten Rechtsnachfolgeplan.

Der Streit 2025-2026: zugeschriebene Positionen, keine Feststellungen

AFRINICs Kommuniqué vom 9. Mai 2026 sagt, öffentliche Aussagen von ‘Larus’-verbundenen Stellen hätten eine ‘Court-Ordered Shareholder-Position Continuity Structure’ im Verfahren SC/COM/MOT/000399/2025 erwähnt. AFRINIC sagt, der Beschluss vom 11. Juni 2025 habe keine solche Struktur geschaffen, gebilligt, anerkannt oder errichtet. Nach ihrem Verständnis betreffe die Zusage das Ressourcenregister, nicht das gesetzliche Mitgliederregister nach dem Companies Act; AFRINIC prüfe rechtliche Schritte. Das ist ihre Darstellung.

LARUS-Seiten behaupten die gegenteilige Bedeutung: Der Beschluss vom 11. Juni 2025 habe die Berichtigung des Mitgliederregisters angeordnet, um Cloud Innovation Ltd aufzunehmen, den Registrar of Companies zur Aktualisierung verpflichtet und der Receiver habe Berichtigung binnen 15 Tagen zugesagt. LARUS sagt auch, Cloud Innovation habe LARUS als kundengerichtete Plattform für das vom Mandat erfasste IPv4-Portfolio benannt. Das sind Parteiaussagen. Das Material enthält weder Beschlusstext noch Mandat, Handelsregistereintrag oder unabhängige Gerichtsfeststellung.

AFRINICs Kommuniqué vom 15. Mai 2026 ergänzt ihre Darstellung: Die Supreme Court habe am 14. Mai 2026 eine einstweilige Anordnung gegen Cloud Innovation erlassen, nachdem AFRINIC Publikationen als falsch und irreführend bezeichnet, die angeblich eine gerichtliche Erlaubnis zum Leasing AFRINIC-zugewiesener Ressourcen behaupteten. AFRINIC sagt auch, das Gericht habe ICANN die Intervention im Liquidationsantrag vom Juli 2025, SC/COM/PET/000508/2025, erlaubt. Diese Aussagen sind wichtig, bleiben aber AFRINICs Beschreibung, bis Beschlüsse und Schriftsätze vorliegen.

heng.lus öffentliche Startseite trägt ein anderes Kontinuitätsargument: Ein Register solle die Aufzeichnung halten, nicht das Netz kontrollieren; Netze sollten den Registrierungsanbieter wechseln können, ohne genutzte Adressen zu verlieren. Das ist eine zugeschriebene Sicht zu Portabilität und institutioneller Macht, keine Gerichtsfeststellung. Ihr analytischer Wert liegt in der Trennung von Register und Amtsinhaber. Ihre Grenze ist ebenso wichtig: Die Erfassung enthält Zusammenfassungen und Notiztitel, nicht die vollständige rechtliche oder technische Argumentation.

Was der Bestand nicht belegt

Es fehlen der vollständige Beschluss vom 11. Juni 2025, die einstweilige Anordnung vom 14. Mai 2026, die Schriftsätze in SC/COM/PET/000508/2025, ICANNs Interventionsunterlagen und ein mauritisches Urteil zur Bedeutung des Registers. AFRINICs Gerichtsseite sagt, sie veröffentliche eine Fallliste, doch der erfasste Text enthält keine Einträge. Die Statistikseite ist kein Live-Registerauszug. Die Gebührenseite datiert ihre Ordnung auf 2008, sofern nicht geändert, und belegt keine Preise von 2021 oder 2023. LARUS und heng.lu sind Partei- oder Autorenseiten.

Das macht Kontinuität nicht spekulativ, sondern verengt den Beweisstandard. Ein Leser kann AFRINICs dokumentierte Rolle, Mitgliedskategorien, Gebührenbasis, Politikprozess, IPv4-Zuweisungshistorie und konkurrierende Rechtsnarrative feststellen. Er kann noch nicht feststellen, welches Narrativ ein Gericht akzeptiert, ob ein Leasing erlaubt war, ob ein Register berichtigt wurde oder ob eine Liquidation Erfolg hat.

Praktische Lektüre

Beginne mit AFRINIC-Seiten, unterscheide aber eine Seite, die einen Dienst beschreibt, von einer, die Kontinuität belegt. Prüfe den tatsächlichen Vertrag vor einer Zusammenfassung. Prüfe IANA-Register vor wiederholten Blockzuweisungen. Prüfe die Gerichtsakte vor der Wiedergabe einer Parteidarstellung. Prüfe, ob eine Gebührenaussage aktuell oder datiert ist. Prüfe, ob ein Standard eine Protokollanforderung oder einen Betriebsfakt beschreibt.

Die Frage ist nicht, ob AFRINIC als Slogan verteidigt oder aufgelöst werden soll. Sie ist, ob Aufzeichnungs-, Veröffentlichungs- und Sicherheitsfunktionen einen Streit zwischen Institutionen überleben. Die Quellen stützen eine vorsichtige Schlussfolgerung: AFRINICs öffentliche Rolle und Dokumente sind sichtbar; ihre Rechtslage ist umstritten; zentrale Gerichtstexte fehlen. Diese Lücke sollte benannt, nicht mit sicherer Erzählung gefüllt werden.