Summary

  • Am 22. Dezember 2008 veröffentlichte das W3C den ersten Geolocation-Entwurf: Skripte sollten den Standort des Geräts über eine gemeinsame Schnittstelle anfordern können, ohne auf GPS als einzige Quelle festgelegt zu sein.
  • Die Empfehlung vom 24. Oktober 2013 definierte einmalige Abfragen, laufende Aktualisierungen, Genauigkeit, Cache-Nutzung und ausdrückliche Erlaubnis. Die zweite Ausgabe von 2016 übernahm Korrekturen am Text.

Eine Reisende steht mit einer falsch gefalteten Karte an einer Kreuzung. Die Straßenbahn klingelt irgendwo hinter ihr, doch auf dem Papier liegt der Fluss stets in der falschen Richtung. Eine Webkarte könnte mit einem Punkt zeigen, wo sie steht. Dafür muss die Karte ihren Standort erfahren. Was dem Weg zur Haltestelle hilft, kann auch einen Reiseverlauf ergeben. Die technische Frage war deshalb nie nur, ob ein Gerät Koordinaten berechnen kann. Es ging ebenso darum, wie sie zur Seite gelangen.

Der erste öffentliche Arbeitsentwurf vom 22. Dezember 2008 beschrieb eine hochrangige Schnittstelle für Standortdaten des Geräts, auf dem der Browser läuft. Beispiele waren die Suche nach Sehenswürdigkeiten in einer fremden Stadt und das Anzeigen der eigenen Position auf einer Karte. Die Seite sollte Breite, Länge und Genauigkeit erhalten. Sie brauchte keine Liste aller Funkchips im Gepäck der Reisenden.

Das W3C schrieb keine einzige Ortungsmethode fest. GPS, IP-Adresse, WLAN, Bluetooth oder Mobilfunksignale konnten zur Schätzung beitragen. Gerät und Browser entschieden, welche Hinweise verfügbar waren. Die Seite verwendete ein gemeinsames Ergebnis. Gerade deshalb durfte ein Punkt auf der Karte nicht als mathematisch perfekter Stecknadelkopf gelten: Die Genauigkeit gehört zur Antwort, weil ein geschätzter Standort eine Umgebung beschreibt.

Die Schnittstelle unterschied die einmalige Frage vom Begleiten einer Reise. getCurrentPosition() fragte nach einer Position. watchPosition() lieferte neue Positionen bei Änderungen; clearWatch() beendete die Beobachtung. Das nächste Café zu finden und jemanden durch mehrere Viertel zu führen, sind unterschiedliche Aufgaben. Der Entwurf der letzten Kommentarrunde vom 7. Juli 2009 trug die Mechanik und die Datenschutzfragen weiter. Die Veröffentlichungsgeschichte des W3C zeigt den langen Weg vom Beginn 2008 zur Empfehlung 2013.

Die Empfehlung vom 24. Oktober 2013 machte die Übergabe konkret. Der Browser durfte einer Website den Standort nicht ohne ausdrückliche Erlaubnis des Nutzers senden. Bei einem normalen Browser musste die Erlaubnisoberfläche den anfragenden Host nennen. Eine über die Sitzung hinaus gespeicherte Erlaubnis musste widerrufbar sein. Ablehnung führte zum Fehler PERMISSION_DENIED. Die Karte durfte fragen; Neugier allein war noch keine Antwort.

Auch die Abfrage selbst konnte genauer beschrieben werden. Mit maximumAge akzeptierte die Seite gegebenenfalls eine ältere Cache-Position. timeout setzte eine Frist für die Ortung. enableHighAccuracy bat um höhere Genauigkeit, konnte aber mehr Zeit oder Energie kosten und garantierte kein besseres Ergebnis. Die Zeit, in der ein Mensch über die Erlaubnis nachdachte, wurde nicht auf die Ortungsfrist angerechnet. Der eilige Kartendienst musste warten, bis die Reisende die Frage gelesen hatte.

Zur Position gehörte accuracy in Metern. Nach dem Text von 2013 sollten Genauigkeitswerte einem Konfidenzniveau von 95 Prozent entsprechen. Ein Kreis um den blauen Punkt war daher ehrlicher als die Behauptung, die Reisende stehe auf einem bestimmten Pflasterstein. Das Dokument gab auch keine Garantie für den tatsächlichen Standort des Geräts. Ein grobes Ergebnis kann für die Wettervorhersage reichen und für die Wahl einer Haustür viel zu ungenau sein.

Die erste Freigabe war kein Blankoscheck für alles Weitere. Das W3C verlangte von Empfängern, Standortdaten nur bei Bedarf anzufordern, für die erklärte Aufgabe zu verwenden, nach deren Ende ohne ausdrückliche Aufbewahrungserlaubnis zu entsorgen und sie nicht ohne ausdrückliche Erlaubnis weiterzugeben. Ein Tram-Stopp und ein dauerhaftes Bewegungsarchiv können mit denselben Zahlen beginnen. Sie sind verschiedene Vorhaben, über die die Reisende getrennt entscheiden sollte.

Die zweite Ausgabe von 2016 übernahm Korrekturen an der Empfehlung von 2013. Die Arbeitsteilung blieb: Gerät und Browser schätzten, die Person entschied über die Übergabe, die Anwendung verantwortete ihre Verwendung des erhaltenen Ergebnisses. Diese kleine gemeinsame Frage konnte Karten, Wetterseiten und Stadtführern dienen, ohne deren Zwecke oder Dauer der Beobachtung gleichzumachen.

Der historische Schritt liegt darin, dass eine Webseite mit der physischen Straße sprechen konnte, ohne von Haus aus Anspruch auf die Antwort zu haben. Die Reisende mag die Papierkarte noch immer falsch herum halten. Der Browser lernte immerhin, erst zu fragen, bevor er auf sie zeigt.