Zusammenfassung

  • Historische Ausfallraten taugen wenig, wenn ein Angreifer Ziel und Schwachstelle selbst auswählt.
  • Lindebergs Test ist konkret: Abhängigkeiten trennen und prüfen, welche Dienste danach noch laufen.

„Schalten Sie die Hälfte der Knoten ab.“ Auf der RIPE 93 machte Fredrik Lindeberg, Chief Information Security Officer von Netnod, aus Resilienz eine Frage, die sich nicht mit einem schönen Netzplan wegmoderieren lässt: Funktioniert der Dienst noch, wenn ein Teil des Systems fehlt?

Zufällige Defekte und gezielte Angriffe haben unterschiedliche Wahrscheinlichkeiten. Vergangene Ausfälle helfen, den Verschleiß eines Bauteils einzuschätzen. Ein Angreifer beobachtet dagegen das Ziel und sucht die gemeinsame Schwachstelle, die den größten Schaden auslöst. Wenn Lindeberg von 100 Prozent spricht, meint er den Versuch eines Akteurs, der sich zum Angriff entschlossen hat. Das ist keine Erfolgsquote für einen Einbruch.

Der schwedische Sicherheitsdienst hält in seiner Lagebeurteilung 2025–2026 fest, dass Cyberangriffe öffentliche und private Einrichtungen treffen und die Methoden sich verändern und leichter zugänglich werden. Lindeberg zeigt, wie weit digitale Abhängigkeit reicht: Eine Tür, ein Auto, ein Krankenhaus oder ein Telefonat kann von einem entfernten System abhängen, das der Betreiber nicht kontrolliert.

Sein Werdegang führt genau an diese Schnittstelle. Laut Netnod verwaltet Lindeberg das Informationssicherheits-Managementsystem für Dienste und Produkte des Unternehmens. Vor seinem Eintritt 2021 arbeitete er an Systemintegration und am Ersatz dedizierter Kommunikationsnetze im Finanzsektor. Er hat Abschlüsse in Informatik sowie Wirtschaftsingenieurwesen und Management.

Die Reserve muss vor dem Alarm stehen. Lindeberg warnt, dass digitale Infrastruktur schon in Friedenszeiten unter Druck geraten kann und Betreiber womöglich keine Zeit erhalten, danach Glasfaser zu verlegen oder zusätzliche Server aufzubauen. Ist ein zweiter Weg Teil des Serviceversprechens, muss er vorher vorhanden sein.

Der Ablauf beginnt mit der Kundenfunktion: Was muss verfügbar bleiben, und unter welchen Bedingungen? Danach erfasst das Team die Menschen, Lieferanten, Stromversorgung, Glasfaserwege, Geräte und Kontrollsysteme, die dafür nötig sind. Dann folgt der Ausfalltest: eine Abhängigkeit trennen, einen Server neu starten oder einen Teil der Knoten ausschalten. Erst der Dienst nach dem Schnitt zeigt, ob die Redundanz trägt.

Das offizielle RIPE-Transkript enthält Lindebergs Empfehlung, aber keinen bezifferten Netnod-Vorfall und kein ausgewiesenes Ergebnis eines konkreten Tests. Es belegt die vorgeschlagene Methode, nicht einen bestandenen Probelauf.

Compliance und Überleben sind verschiedene Fragen. Die US-Justizbehörde prüft bei Unternehmens-Compliance, ob ein Programm gut gestaltet, ausreichend ausgestattet und in der Praxis wirksam ist. Für den Betrieb muss der letzte Punkt an der realen Abhängigkeit geprüft werden: Erfüllt der Dienst seinen Zweck, wenn ein Lieferant oder Knoten verschwindet?

Lindeberg plädiert außerdem für gemeinsame Übungen mit Nachbarn. Der Ausfall eines Partners kann die Lage anderer Netze verändern. Vertraulichkeit und Verfügbarkeit verlangen dabei nicht immer dieselbe Architektur: Viele unabhängige Knoten können die Verfügbarkeit stärken, strengere Kontrolle kann weniger Knoten begünstigen. Wer die Priorität erst im Ausfall klärt, hat die Entscheidung vertagt.

Die Quellen sind die RIPE-93-Sitzungsseite und das offizielle Transkript, Netnods Profil, die Lagebeurteilung des schwedischen Sicherheitsdienstes und die DOJ-Leitlinie.