Zusammenfassung

  • .fi-Antrag, Eintrag in der Wurzel, geplante Mailnutzung und internationale IP-Route sind unterschiedliche Ereignisse.
  • Der Antrag von 1986 dokumentiert bereits UUCP, EARN, X.400 und lokales TCP/IP. Der Test von 1988 begann also nicht Finnlands gesamte Netzaktivität.

Am 4. Dezember 1986 beantragte die Technische Universität Tampere die finnische Domain .FI. Aktive Mitglieder der Finnish Unix User Group hatten die Unterlagen vorbereitet. Verwaltungsdirektor Seppo Loimio unterzeichnete sie; Juha Heinanen war als technischer Ansprechpartner genannt. Matti Ihamuotila, Leiter des FUNET-Projekts, unterstützte den Antrag in einem eigenen Schreiben. IANAs heutiger Delegationseintrag nennt den 17. Dezember 1986 als Registrierungsdatum von .fi. Das belegt den Eintrag in der DNS-Wurzel, nicht die Erreichbarkeit aller finnischen Rechner oder den Beginn eines öffentlichen Internetdienstes.

Der Antrag beschrieb einen engen ersten Zweck: .FI und seine Unterdomains sollten zunächst nur für E-Mail dienen; weitere Internetdienste waren für später denkbar. Geplant waren vorhandene Unix-BIND-Nameserver und .FI-Zonendaten zum 1. Januar 1987. Das war ein Zieltermin, keine unabhängige Messung erfolgreicher Auflösungen an diesem Tag. Die Antragsteller erwarteten anfangs 100 und nach fünf Jahren 1.000 Hosts. Es handelt sich um Prognosen, nicht um nachträglich beobachtete Bestandszahlen.

Der Hintergrund passt nicht zur Geschichte eines Landes, das bis zum ersten Anschluss ohne Netze gewesen wäre. Tampere war laut Antrag ein wichtiger Knoten von SFNET UUCP und sollte zum finnischen UUCP-Rückgrat werden. Beschrieben wurden außerdem ein Übergang zwischen SFNET und FUDEC DECnet, die Teilnahme an EARN und einem experimentellen X.400-Netz. Im lokalen Ethernet arbeiteten bereits mehr als zehn TCP/IP-Rechner; Verbindungen zwischen Hochschulnetzen über öffentliches X.25 und Mietleitungen waren vorgesehen. Diese Netze hatten unterschiedliche Protokolle und Zwecke. Sie bildeten nicht automatisch einen einheitlichen nationalen IP-Dienst.

Auch die Sichtbarkeit von .FI im Ausland war eine eigene Aufgabe. Die Antragsteller wollten Kontakte zu zwei US-Internetstandorten nutzen, damit angeschlossene Systeme die finnischen Domaininformationen abrufen konnten. Ein Nameserver ordnet Namen Daten zu; ein Router bestimmt den Pfad eines Pakets. Die erste Funktion baut nicht von selbst Leitungen, Nachbarschaften und Transitkapazität für die zweite. So konnte ein nationaler Namensraum vor einer internationalen IP-Route entstehen.

FUNETs Chronik zeigt den schrittweisen Aufbau: Das Forschungsnetz über X.25 begann 1984, EARN folgte 1985, TCP/IP und Ethernet verbreiteten sich 1986, und 1987 kamen TCP/IP-Router auf Festleitungen hinzu. 1988 erreichte FUNET über NORDUnet das Internet mit 56 kbit/s. Die Rückschau des CSC datiert den ersten Routingtest auf Donnerstag, den 1. Dezember 1988: IP-Pakete gelangten aus Finnland über NORDUnet zu NSFNET und ARPANET in den USA.

Die Frage, wann „das Internet nach Finnland kam“, hängt daher davon ab, welcher Dienst gemeint ist. Für 1986 belegen die Quellen Antrag, Wurzeleintrag und eine zunächst auf E-Mail ausgerichtete Planung; zugleich zeigen sie bereits vorhandene Netze. Für 1988 ist ein Test einer internationalen IP-Route dokumentiert. Das war kein Sprung von völliger Netzlosigkeit zu vollständiger Verbindung, sondern das Zusammenfügen von Namensverwaltung, Forschungsnetzen, Mail und grenzüberschreitendem Transit. RFC 920 erklärt den administrativen Rahmen von Domains und ISO-Zweiländercodes; es belegt keine laufende finnische Route.

Quellen