Summary
- Der Entwurf vom 2. November beschreibt zwei EST-Wege mit Fernattestierung: eine neue Zugangsberechtigung ausstellen oder ein bereits verwahrtes Bündel abrufen.
- EST-Client und -Server dürfen weder Schlüssel und Nachweise erzeugen noch Attestierung bewerten oder eine Ausgabe genehmigen. Eine Credential Authority beziehungsweise ein Secret Vault trifft diese Entscheidungen.
Der Hausmeister hat den Schlüssel zum Postraum. Daraus folgt kein Recht, neue Ausweise zu drucken. Genau diese Verwechslung räumt der neue Entwurf zu EST und Fernattestierung aus. Ein EST-Server kann Zertifikatsanträge, Nachweise, Prüfergebnisse und verschlüsselte Antworten weiterreichen. Er darf weder Schlüssel oder Nachweise erzeugen noch Frischewerte ausstellen, die Evidenz bewerten oder die Ausgabe von Zugangsdaten autorisieren. Selbst die Zuordnung eines Frischewerts zu einer früheren Anfrage ist laut Text nur Zuordnung, keine Genehmigung.
Bei der Neuausstellung erzeugt die Workload ihren Signaturschlüssel und einen Zertifikatsantrag und bindet den Zustandsnachweis daran. Ein Verifier beurteilt diesen Nachweis. Die ausstellende Stelle prüft, ob die Workload den zugehörigen privaten Schlüssel tatsächlich besitzt, und entscheidet anhand des Prüfergebnisses und ihrer Regeln. EST hält den Transport zusammen; es unterschreibt die Berechtigung nicht.
Beim Abruf eines vorhandenen Bündels erzeugt die Workload einen Verschlüsselungsschlüssel und nimmt dessen öffentlichen Teil in die Evidenz auf. Der Secret Vault ordnet das Prüfergebnis nach eigener Regel einem Berechtigungsbündel zu und versiegelt dieses für den öffentlichen Schlüssel. Die EST-Zwischenstationen müssen den Behälter als undurchsichtige Nutzlast behandeln. Vor dem Öffnen prüft die Workload Ziel, Frische und den angegebenen Berechtigungshinweis. Ein solcher Hinweis darf innerhalb des erlaubten Bestands auswählen, aber keine zusätzliche Berechtigung schaffen.
Der gemeinsame Schlüssel für mehrere Replikate ist die billige Fahrkarte mit einem teuren fehlenden Namen. Der Entwurf sagt ausdrücklich, dass sich eine spätere Signatur damit keiner einzelnen Instanz mehr zuordnen lässt. Wer diese Zuordnung braucht, kann Instanzen eigene Schlüssel mit gleichen Identitätsangaben geben oder zentral signieren lassen. Die Wahl beeinflusst nicht bloß die Verteilung von Geheimnissen, sondern auch die Beweislage nach einem Missbrauch.
Im IETF-Datatracker steht das Papier als individueller Entwurf. Beispielnachrichten sind vorhanden; ein unabhängiger Interoperabilitätsnachweis fehlt. Eine Erprobung müsste zeigen, dass Aussteller und Tresor einen veränderten Schlüsselbezug, einen fremden Berechtigungshinweis oder eine Entscheidung des Transportservers abweisen. Der Entwurf macht schon jetzt klar, wer am Ende unterschreiben soll: die Stelle mit einer überprüfbaren Ausgaberegel.
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