Zusammenfassung

  • Laut TFanus wurden E-Mails vor UUCP-Wählverbindungen nach Kalifornien gebündelt und komprimiert; der Preis sank demnach von etwa 25 auf 12–17 US-Dollar je Megabyte.
  • Der Betreiber schätzte 2000 die Nutzerzahl von TFanus und Ewan auf 1.200 bis 1.700; ein Angebot von 2.000 US-Dollar pro Monat für 128K ordnete internationale IP-Konnektivität einem anderen Großhandelsmodell zu.

Der erste E-Mail-Dienst Eritreas erforderte keine dauerhafte Internetverbindung. Tewelde Stephanos von TFanus Enterprises schrieb im Oktober 2000, die ersten E-Mail-Verbindungen seien 1996 an der Universität Asmara entstanden, mit Physikprofessor Robert Van Buskirk und dem in Kalifornien lebenden Craig Harmer über Eritrea Technical Exchange. Das System nutzte UUCP per Einwahl: Nachrichten wurden gesammelt und komprimiert, bevor Server in Eritrea und Kalifornien sie austauschten. Ziel sei gewesen, die hohen Kosten internationaler Telefonate zu senken. Beschrieben wird ein Store-and-Forward-Dienst, kein vollständiger Internetzugang.

E-Mail wurde zugleich zu einem kommerziellen Angebot. Stephanos zufolge boten TFanus und Ewan Technology Solutions den Dienst seit 1996 an; das Energieministerium betrieb ein ähnliches System für seine Beschäftigten. Für beide Firmen zusammen schätzte er 1.200 bis 1.700 E-Mail-Nutzer. Das belegt einen Markt, bleibt aber die Schätzung eines Anbieters. Der Bericht definiert nicht, ob „Nutzer“ Personen, Konten oder Organisationen meint, und misst keine Verbindungsfrequenz.

Der Tarif zeigt, was verkauft wurde. Laut TFanus kostete der Dienst zunächst ungefähr 25 US-Dollar pro Megabyte und im Oktober 2000 etwa 12 bis 17 Dollar. Das ist ein gemeldeter Rückgang des Stückpreises, kein Beleg dafür, dass die Gesamtrechnung jedes Kunden sank. Angaben zu Nachrichtenvolumen, Anrufhäufigkeit, Kosten und Margen fehlen. Bündelung und Kompression passten zum Abrechnungsmodell: Mehrere Nachrichten in einer geplanten Einwahlsitzung konnten die Kosten eines internationalen Anrufs auf mehr Verkehr verteilen. Das folgt der Erklärung des Betreibers; eine konkrete Ersparnis pro Kunde ist nicht dokumentiert.

Derselbe Bericht beschreibt eine andere Ökonomie für Internetzugänge. Das Verkehrs- und Kommunikationsministerium habe vier ISP-Lizenzen vergeben: an die E-Mail-Anbieter TFanus und Ewan, an das private Unternehmen Computer Technology Services und an den staatlichen Betreiber Telecommunications Services of Eritrea (TSE). Nur TSE dürfe internationale IP-Konnektivität anbieten; ISPs sollten monatlich 2.000 US-Dollar für 128K zahlen. Das ist ein berichtetes Großhandelsangebot, kein Privatkundentarif. Preis je Megabyte und Monatsgebühr betreffen verschiedene Leistungen und sind nicht direkt vergleichbar.

Das Großhandelsmodell war auch eine Kontrollfrage. TSE sollte das internationale Gateway besitzen und zugleich in den ISP-Markt eintreten. Stephanos erwähnte Bedenken wegen dieser Doppelrolle und sagte, das Ministerium erwarte eine Trennung von TSEs öffentlichem Telekommunikations- und ISP-Geschäft sowie unabhängige Audits. Das sind angekündigte Erwartungen, keine nachgewiesene Umsetzung. Der Monatsbetrag konnte lizenzierten Anbietern einen Einstieg ermöglichen, doch der einzige Anbieter internationaler IP-Konnektivität behielt Einfluss auf Kapazität und Bedingungen. Der Bericht sagt nicht, ob jemand das 128K-Angebot annahm.

Zeitgenössische Berichte stimmen beim Start nicht überein. Ein ITU-Beitrag von Tim Kelly sagt, Eritrea sei im März 2000 ans Internet gegangen: TSE habe ein Satelliten-Gateway für rund 300 Einwahlkunden eingerichtet; verfügbar seien damals 29 kbit/s gewesen. Stephanos schrieb dagegen im Oktober, das Land habe noch keine „vollständige Internetkonnektivität“ und Gateway-Geräte samt Funkverbindungen zu ISPs sollten erst zum Jahresende laufen. Vielleicht beziehen sich die Berichte auf verschiedene Stufen; das ist jedoch eine Vermutung.

Beide Aussagen sollten getrennt bleiben: Die ITU datiert internationale Gateway-Konnektivität, der Betreiber beschreibt den Großhandels- und ISP-Rollout als noch laufend.

Die Geschichte lautet daher nicht nur „E-Mail kam vor dem Internet“. Der frühe Dienst machte internationale Konnektivität zu einem komprimierten, mengenbasierten E-Mail-Austausch ohne ständig aktive IP-Leitung. Das ISP-Angebot verschob die kommerzielle Grenze zu einer festen Großhandelsgebühr und bündelte den internationalen Zugang bei TSE. Die Quellen zeigen einen Wechsel der Verkaufseinheit — vom Megabyte E-Mail zur monatlich lizenzierten Bandbreite —, belegen aber weder einen sofortigen Ersatz des einen Dienstes durch den anderen noch eine Versorgung der meisten Haushalte.

AFRIK-IT-Netzwerkbericht (März 1996); Tewelde Stephanos, „Internet in Eritrea“ (Oktober 2000); ITU, „Africa joins the Internet Age“ (Mai 2000); ITU News 5/2000, PDF