Zusammenfassung

  • ECMWF gibt einen Teil seiner IFS-Prognosen auf einem 0,1°-Gitter frei. Die neuen Dateien erscheinen etwa zwei Stunden nach dem bisherigen offenen 0,25°-Strom.
  • Beide Raster stammen aus derselben zugrunde liegenden Prognose. Die feine Echtzeitlieferung bleibt über einen Dienstvertrag erhältlich.

Ein Tal verschwindet schnell im Mittelwert eines großen Wetterfelds. Mit der Freigabe vom 20. Oktober können hydrologische und gesundheitliche Risikomodelle mehr örtliche Details nutzen. Das Preisschild hängt nun weniger an der offenen Datei als an der Uhr: Die feineren Daten folgen ungefähr zwei Stunden nach dem alten Strom. Wer das hochaufgelöste Ergebnis sofort benötigt, kann einen Dienstvertrag abschließen. Eine Warnstelle muss deshalb räumliche Schärfe und Entscheidungsfrist zusammen betrachten.

Der Datenkatalog unterscheidet die zugrunde liegende Modellauflösung von der veröffentlichten Rasterweite. IFS rechnet die Ausgangsprognose mit ungefähr neun Kilometern Auflösung. Seit 20. Oktober werden Teile davon neben dem bisherigen 0,25°-Raster auch auf 0,1° abgegeben. Beide stammen aus derselben Prognose und sind auf ein Breiten-Längen-Gitter interpoliert. Das neue Raster ist also kein zweiter Modelllauf. Zum freien Ausschnitt kommen zusätzliche Felder für die Initialisierung regionaler Modelle. Das 0,25°-Produkt kommt am Ende des üblichen Verteilplans; das 0,1°-Produkt folgt rund zwei Stunden später mit eigener WIS2-Meldung.

ECMWF begründet den Abstand mit dem größeren Volumen und seinen Betriebszusagen an Mitglieds- und Kooperationsstaaten. Ein Flussgebietsmodell kann mit feineren Feldern Hänge und Täler besser trennen. Eine akute Lage kann verlangen, zunächst den früheren 0,25°-Strom zu nutzen und später nachzurechnen. Die sofortige hochaufgelöste Lieferung bleibt eine Vertragsleistung.

Die eigentliche Frist liegt beim Nutzer: Empfang, lokaler Modelllauf und Warnentscheidung bilden eine gemeinsame Uhr.

Die technische Erläuterung beziffert den Dateiunterschied. Der horizontale Abstand ist 2,5-mal feiner; auf dieselbe Fläche kommen 6,25-mal so viele Punkte. Oberflächen- und Druckniveaudaten liegen getrennt, sodass eine schmale Leitung nur die benötigten Teile ziehen muss. Das öffentliche Portal hält die letzten zwölf Prognoseläufe, etwa zwei bis drei Tage, bereit und begrenzt gleichzeitige Verbindungen je nach Lage auf 500 bis 2000. Cloud-Kopien bieten weitere Zugangswege. Die offenen Daten dürfen mit Quellenangabe auch kommerziell genutzt werden.

Eine veröffentlichte Messung des zusätzlichen Warngewinns für einen konkreten Ort fehlt; ein Vergleich der beiden Feeds im lokalen Modell und im tatsächlichen Entscheidungsfenster würde ihn zeigen. Mehr Nutzer können nun testen. Wer schon vor dem zweiten Feed handeln muss, bezahlt für Zeit oder baut einen zweistufigen Betrieb.