Zusammenfassung

  • NTT DOCOMO und Abside Networks wollen HAPS-Systemarchitektur, KI-gestützte Funksteuerung und die Nutzung von Netzdaten untersuchen. Ihre Mitteilung vom 14. Oktober enthält weder eine Gerätebestellung noch Fluggerät, Testdatum, Investitionssumme oder Starttermin.
  • DOCOMO hat bereits eine Zusammenarbeit mit AALTO angekündigt und einen HAPS-Kommunikationstest mit Zephyr gemeldet. Diese Belege liefern den technischen Hintergrund, zeigen aber nicht, wie Abside-Steuerung in ein betriebenes Netz gelangen soll.

Eine HAPS-Abdeckungskarte kann abgelegene Gebiete einschließen. Der Betrieb hängt jedoch von Entscheidungen ab, die eine Karte nicht zeigt: Wer teilt Spektrum und Kapazität zu, wer verändert die Funkkeule, und wer greift ein, wenn eine automatische Entscheidung mit einer Betriebsvorgabe kollidiert? Das neue Memorandum zwischen NTT DOCOMO und Abside Networks rückt diese Fragen in die Forschung, ordnet die Zuständigkeiten aber noch nicht zu.

Die Unternehmen unterzeichneten das Memorandum of Understanding am 13. Oktober und veröffentlichten es am folgenden Tag. Sie wollen eine künftige technische Zusammenarbeit zu High Altitude Platform Stations (HAPS) und KI-gestützten Netzen der nächsten Generation untersuchen. Auf der Agenda stehen eine Systemarchitektur für weitreichende Kommunikation mit hoher Kapazität und vielen Verbindungen, KI-Prognosen der Nachfrage sowie die Steuerung von Funkkeulen, Kapazität, Spektrum und Interferenzen in einem stratosphärischen Funkzugangsnetz. Hinzu kommen die Sammlung und Nutzung von Daten zu Kommunikationsqualität, Netzbetrieb und Sensorik sowie eine mögliche spätere Integration mit externen Anwendungen und Serviceplattformen. Die Mitteilung spricht von einer Studie. Sie nennt weder Beschaffung noch Lieferpflicht, Flugplattform, Flug- oder Testtermin, Kunden oder kommerziellen Starttermin. Gemeinsame Mitteilung von NTT DOCOMO und Abside Networks, 14. Oktober 2026

Die Steuerungsagenda ist relevant, weil HAPS keine gewöhnliche Mobilfunkstation auf größerer Höhe ist. Die Plattformen bewegen sich in rund 20 Kilometern Höhe; Funkabdeckung und Interferenzbedingungen unterscheiden sich von terrestrischen Standorten. Ein System, das Funkkeulen verschiebt oder Kapazität neu verteilt, muss terrestrische Netze, weitere nicht-terrestrische Verbindungen, Spektrumverfügbarkeit und die Servicevorgaben des Betreibers berücksichtigen. Das Memorandum benennt Variablen, lässt aber offen, ob Abside Funktechnik, Software, beides oder lediglich einen Forschungsbaustein einbringt.

Auch wer automatische Änderungen freigibt und für eine mögliche Dienstbeeinträchtigung einsteht, bleibt ungenannt.

Die bisherigen DOCOMO-Projekte helfen, die Entwicklungsstufen auseinanderzuhalten. Im Juni 2024 kündigte ein von DOCOMO und Space Compass geführtes japanisches Konsortium an, über HAPS JAPAN bis zu 100 Millionen US-Dollar in AALTO investieren zu wollen. Der Schritt stand unter Abschlussbedingungen und behördlichen Genehmigungen. Die Mitteilung setzte einen Start in Japan und den globalen Dienstantritt auf 2026 als Ziel. Das war ein datiertes Ziel, kein Beleg für Erfolg oder Scheitern. Im Januar und Februar 2025 nutzten DOCOMO und Partner AALTOs Zephyr über Kenia, um ein LTE-Signal von einer Bodenstation an Smartphones zu übertragen. Sie meldeten eine hergestellte Verbindung: Die Serviceverbindung nutzte 2 GHz, die Zubringerverbindung 38 bis 39,5 GHz. Das belegt einen bestimmten Kommunikationsweg, nicht kommerzielle Abdeckung, Kosten, Kapazität im großen Maßstab oder Kundennachfrage. DOCOMOs AALTO-Mitteilung von 2024 · DOCOMOs Kenia-Test von 2025

Das neue Memorandum könnte eine andere Systemebene betreffen. Zephyr ist eine Flugplattform; RAN-Technik und Netzorchestrierung bestimmen, wie sich der Kommunikationsdienst verhält. DOCOMO hält die Technologien und Vorstellungen der Unternehmen für möglicherweise komplementär und erwähnt ein künftiges Netz aus Boden-, Stratosphären- und Weltraumkomponenten. Wie sich die Untersuchung in die frühere Arbeit mit AALTO und Space Compass einfügt, welches Fluggerät verwendet werden könnte und ob Interoperabilität getestet wird, steht jedoch nicht in der Mitteilung.

Ein weiterer Forschungspartner beweist für sich genommen keine Änderung des bestehenden Betriebspfads.

Abside veröffentlicht einen Hinweis auf den Produktstand, der als Unternehmensangabe eingeordnet werden muss. Die Firma verweist auf mehr als sieben Jahre und drei Entwicklungsgenerationen ihrer HAPS-Lösung, mehr als 700 produzierte und eingesetzte Einheiten sowie über 500.000 versorgte Nutzer und 24 Terabyte übertragene Nutzerdaten in Zusammenarbeit mit Google Loon. Auf derselben Seite bezeichnet sie 4G LTE als erprobt; 5G NR ist „in Entwicklung“, ein Reichweitentest steht noch aus. Das sind Anbieterangaben, keine unabhängige Prüfung und kein Nachweis, dass DOCOMOs neue Untersuchung dasselbe System verwendet. Die Angaben sprechen dagegen, die KI-gestützte HAPS-Steuerung bereits als fertiges kommerzielles Produkt zu behandeln. Abside-Produktseite zu HAPS

DOCOMO betreibt außerdem ein HAPS-Partnerprogramm in Noto, das regionale Anwendungen und Resilienz untersuchen soll. Die öffentliche Seite nennt Flüge in der Präfektur Ishikawa ab dem Geschäftsjahr 2028. Dieser lokale Horizont ist kein landesweiter Starttermin. Daher sollten Linknachweis, regionale Anwendungsentwicklung, integrierte Funksteuerung, kommerzielle Abnahme und Kundendienst als getrennte Stufen verfolgt werden. DOCOMOs Noto-HAPS-Programm

Der wirtschaftliche Wert des Memorandums lässt sich noch nicht beziffern. DOCOMO erhält die Möglichkeit, eine Steuerungsschicht zu prüfen; Abside kann seine RAN- und KI-Arbeit mit einem nationalen Betreiber erörtern. Die öffentlichen Informationen nennen weder Studienkosten noch zugesagte Geräte oder Personal, Beschaffungsbedingungen nach einem Test oder eine Erlösaufteilung. Die Abonnentenzahl von DOCOMO zeigt die Unternehmensgröße, prognostiziert aber keine HAPS-Nachfrage.

Als Nächstes sollten Plattform und Testdatum, messbare Abnahmekriterien, die Zuständigkeiten für RAN und Controller sowie der Übergang von der Prüfung zu einem bezahlten Dienst bekannt werden. Angaben zu Datenzugriff, Grenzen automatischer Eingriffe und menschlicher Übersteuerung würden zeigen, dass aus einer Funktionsliste ein Betriebskonzept wird. Bis dahin ist das Memorandum eine Forschungsoption für Netzsteuerung und kein ausgewiesener Rollout.

Quellen