Zusammenfassung
- Der ICT Development Index 2026 der ITU erfasst 159 Volkswirtschaften, aber nur acht Länder haben Ergebnisse zu digitalen Kompetenzen insgesamt gemeldet.
- Laut ITU wurden die nötigen Tätigkeiten in vielen Ländern bereits erhoben. Die Auswertung der Mikrodaten zu vergleichbaren Kompetenzniveaus fehlt noch.
Auf der nächsten Weltkarte der digitalen Entwicklung bleibt eine peinliche Stelle leer: die Menschen, die das Netz benutzen. Die Internationale Fernmeldeunion (ITU) bewertet die Konnektivität in 159 Volkswirtschaften. Für digitale Kompetenzen insgesamt nennt ihre Statistikseite vom Oktober 2026 acht Länder. Dort reicht der Anteil der Internetnutzer mit grundlegenden Fähigkeiten von 16 bis 74 Prozent. Eine Spanne von 58 Prozentpunkten ist kein Schönheitsfehler der Grafik. Sie zeigt, wie wenig wir darüber wissen, was Menschen mit ihrem Zugang tatsächlich anfangen können. ITU-Statistik zu digitalen Kompetenzen
Der am 30. Juni veröffentlichte ICT Development Index (IDI) deckt 159 Volkswirtschaften ab und kombiniert zehn Indikatoren für universelle und sinnvolle Konnektivität. Die Bewertung 2026 stützt sich überwiegend auf Daten aus dem Jahr 2024. Laut Bericht bilden Kompetenzen und Online-Sicherheit im Index noch nicht angemessen ab; auch die Verbreitung von Festnetz-Breitband gehört nicht zu den Indikatoren. Ein Wert kann seine erfassten Größen genau berechnen und trotzdem Bedingungen auslassen, die einen Anschluss erst nützlich machen. ITU-Bericht zum IDI 2026
Die Kompetenzzahlen haben unterschiedliche Grundgesamtheiten. Seit 2020 haben 88 Länder überhaupt digitale Kompetenzdaten an die ITU übermittelt. 48 lieferten vergleichbare Daten zu ICT-Kompetenzniveaus. Acht berechneten ein Gesamtniveau. Die Spanne von 16 bis 74 Prozent gilt für diese acht Länder; für die übrigen 151 Volkswirtschaften des IDI veröffentlicht die ITU keinen vergleichbaren Gesamtwert.
Die ITU ordnet Tätigkeiten fünf Bereichen zu: Information und Daten, Kommunikation und Zusammenarbeit, Erstellung digitaler Inhalte, Sicherheit und Problemlösung. Als grundlegend kompetent gilt, wer in den vergangenen drei Monaten in jedem Bereich mindestens eine Tätigkeit ausgeübt hat. Für ein Niveau oberhalb der Grundstufe sind es mindestens zwei pro Bereich. Gemessen wird beobachtetes Handeln, nicht die Selbsteinschätzung auf einer gut gelaunten Skala.
Der Punkt, der die Debatte verändert: Für die Berechnung des Gesamtniveaus braucht es laut ITU keine neue Datenerhebung. Nötig ist die Analyse bereits erhobener Mikrodaten aus Haushaltsbefragungen. In vielen Fällen hatten Länder ausreichend Angaben zu den einzelnen Tätigkeiten gesammelt, aber noch keine kombinierten Kompetenzwerte daraus erstellt. Es könnten Analysepersonal, einheitliche Verarbeitung und ein regelmäßiger Veröffentlichungsweg fehlen – kein weiterer Fragebogen im Briefkasten.
Für einen belastbaren Vergleich braucht es dennoch Fragen zu allen fünf Bereichen, stabile Definitionen, gute Stichproben und klare Regeln für fehlende Werte. Der IDI-Bericht 2026 sagt, dass amtliche Statistiken zwischen Ländern weiterhin schwer vergleichbar sind. Das begrenzt den Spielraum für große Änderungen an der nächsten Methode. Eine einheitliche Formel macht unterschiedliche Zutaten nicht automatisch vergleichbar.
Der institutionelle Zeitplan steht fest. Die Mitgliedstaaten genehmigten die derzeitige IDI-Methode im November 2023 für vier Jahre. Resolution 131 verlangt Werte ohne Länderrangliste, stützt sich vorrangig auf offizielle Daten der Mitglieder und sieht deren Konsultation bei einer Methodenrevision vor. Die Ausgabe 2026 ist die letzte innerhalb dieses Gültigkeitszeitraums. Laut ITU soll der Bericht der Untergruppe vom September 2026 die Konsultation der Mitgliedstaaten vorbereiten. Resolution 131 · IDI-Revision
Die brauchbare Frage lautet nicht nur: „Wie hoch ist der nächste Wert?“ Sondern: Wer macht aus Befragungsdateien eine Kennzahl, die sich zwischen Ländern vergleichen lässt? Der globale Index hängt für einen großen Teil seiner Belege von Statistikämtern, Ministerien und Regulierern ab. Ein Land kann die Tätigkeiten abfragen und dennoch keine Gesamtwerte regelmäßig berechnen oder veröffentlichen. Eine neue Farbe im Dashboard füllt diese Lücke nicht.
Der neue Zyklus ab 2027 sollte den Weg von der Haushaltsbefragung bis zur vergleichbaren Kennzahl als Teil der Konnektivitätsinfrastruktur behandeln. ITU und Mitgliedstaaten können offenlegen, welche Tätigkeiten der fünf Bereiche erhoben werden, ob vorhandene Mikrodaten die Berechnung ermöglichen, wer das Ergebnis prüft und wann es in den nächsten Datensatz einfließt. Neben den Werten sollte die Abdeckung jeder Stufe stehen. Dann lässt sich erkennen, ob die Befragung fehlt, die Daten unbrauchbar sind, die Auswertung aussteht oder das Ergebnis unveröffentlicht bleibt.
Der IDI erstellt absichtlich keine Rangliste. Die härtere Prüfung findet in den nationalen Statistiksystemen statt: Können sie beobachtete Tätigkeiten vor Ende des nächsten Methodenzyklus in verlässliche öffentliche Daten verwandeln? Der Wert eines Index hängt auch davon ab, ob seine Mitglieder nach dem Starttermin weiter messen können.
Quellen
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