Summary
- Die W3C-Empfehlung CSS1 von Dezember 1996 stellte eine
!important-Angabe des Autors über eine ebenso markierte Angabe des Nutzers. - CSS2 von Mai 1998 kehrte diese Reihenfolge um und begründete dies mit Bedürfnissen wie größeren Schriften und bestimmten Farbkombinationen.
Der Autor entwirft eine Seite in zartem Grau. Der Leser findet das Grau vor allem zart, weil er den Text kaum erkennt. Beide haben eine Stilregel für dieselbe Farbe. In CSS1 durften Verfasser und Nutzer eigene Stylesheets beisteuern; persönliche Stylesheets wurden ausdrücklich auch als Hilfe bei menschlichen oder technischen Einschränkungen beschrieben. Wenn sich die Angaben widersprachen, regelte die Kaskade den Vorrang. Eine mit !important markierte Deklaration stand über einer gewöhnlichen. Trugen beide Seiten das Ausrufezeichen, entschied CSS1 für den Autor.
Das war keine vollständige Entmachtung des Nutzers. Seine wichtige Angabe schlug eine gewöhnliche des Autors. CSS1 erwähnte außerdem die Möglichkeit, Autorenstile im Nutzerprogramm abschalten zu lassen. Doch am obersten Ende der Prioritätenliste behielt der Verfasser die Hand am Schalter. Wer große Buchstaben oder andere Kontraste brauchte, konnte mit einer eigenen wichtigen Regel an der wichtigen Regel des Autors scheitern. Eine scheinbar technische Sortierung machte aus Geschmack ein letztes Wort.
Im Mai 1998 änderte die CSS2-Kaskade diesen Punkt. Wichtige Nutzervorgaben gingen nun wichtigen Autorenvorgaben vor. Die Empfehlung nennt dies ausdrücklich eine semantische Änderung gegenüber CSS1 und erläutert den Zweck: Nutzer mit besonderen Anforderungen sollten etwa größere Schrift oder eine passende Kombination aus Vorder- und Hintergrundfarbe durchsetzen können. Gewöhnliche Autorenvorgaben blieben gewöhnlichen Nutzervorgaben übergeordnet. CSS2 verschob also einen genau benannten Konflikt, statt jede gestalterische Entscheidung an den Besucher abzugeben.
Das Beispiel im Standard ist angenehm unprätentiös: schwarzer Text auf weißem Grund, mit wichtigen Angaben abgesichert. Kein hübsches Farbsystem, nur ein lesbarer Absatz. Gerade diese Schlichtheit zeigt, was auf dem Spiel stand. Der Autor kann eine visuelle Einladung aussprechen. Der Leser muss sie noch entziffern können. Wenn beide ihre Farbe für wichtig erklären, sollte nach CSS2 die Person vor dem Bildschirm das letzte Wort haben.
Zwischen den beiden W3C-Empfehlungen lag kaum mehr als ein Jahr, aber die Machtverteilung in dieser einen Zeile wurde neu geschrieben. Das Ausrufezeichen war kein neues Werkzeug. Neu war, dass der Leser es gegen ein gleiches Ausrufezeichen des Autors verwenden konnte. Der Standard gab dem Entwurf viel Raum und ließ zugleich einen wirksamen Ausgang für jene offen, denen der Entwurf den Text versperrte.
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