Zusammenfassung

  • Die am 10. September angekündigte Zusammenarbeit beginnt mit Ethernet auf der letzten Meile an geeigneten Standorten; Comcast Business stellt die Verbindung bereit.
  • Verfügbarkeitsprüfung, Preis und Bestellung sollen in Fabric zusammenkommen. Eine Verkürzung von Wochen auf Tage ist bislang ein Ziel, kein veröffentlichtes Messergebnis.

Der Kauf beginnt mit einer Adresse

Eine Filiale braucht einen Anschluss an ihrem Standort, nicht bloß einen Anbieter mit landesweiter Präsenz. Erst eine Prüfung des Gebäudes zeigt, ob aus der Reichweite eines Netzes ein konkretes Angebot werden kann. Genau diesen Schritt will Comcast Business mit der am 10. September angekündigten Equinix-Kooperation in einen zusätzlichen Vertriebskanal bringen.

Qualifizierte Partner sollen über standardbasierte APIs feststellen können, ob Comcast einen Standort versorgt, Preise abrufen und Bestellungen auslösen. Die geplante Einbindung in Equinix Fabric setzt dort an, wo Unternehmen bereits ihre Vernetzung organisieren. Zum Auftakt geht es um Ethernet-Anschlüsse auf der letzten Meile an geeigneten Adressen. Comcast Business bleibt für die Bereitstellung der Verbindung zuständig.

Das Verfahren soll mit Unternehmenskunden unter realen Bedingungen validiert werden. Die angestrebte Verkürzung der Bereitstellung von Wochen auf Tage ist weder als gemessener Erfolg noch als garantierte Frist belegt. Optische Wellenlängen, Cloud-Anbindung und Cybersicherheit nennt Comcast als spätere Erweiterungsmöglichkeiten. Sie dürfen nicht dem anfänglichen Ethernet-Angebot zugeschlagen werden.

Ein neuer Absatzweg für vorhandene Versorgung

In der Mitteilung stehen mehr als 700 Rechenzentren, zu denen Comcast Kunden in den USA bereits verbindet, neben mehr als 240 Rechenzentren in 66 weltweiten Märkten für Fabric. Die Zahlen beschreiben unterschiedliche bestehende Netze. Ihre Summe wäre keine Reichweite des neuen Angebots; auch die Zahl versorgbarer Unternehmensgebäude lässt sich daraus nicht ableiten.

Kommerziell geht es zunächst darum, vorhandene Anschlussmöglichkeiten auffindbar zu machen. Erhält ein Fabric-Kunde für seine Niederlassung ein verwendbares Angebot, kann der Plattformbesuch für Comcast zu einer Verkaufschance werden. Für eine Adresse außerhalb des verfügbaren Netzes schafft die zusätzliche Sichtbarkeit dagegen noch keine Versorgung.

Die Kooperation baut auf früheren Arbeiten auf. Das am 11. August vorgestellte Programm mit Colt Technology Services betrifft die Verbindung von Anbieterplattformen für Standortqualifizierung, Angebote und Servicebeauftragung. Mit Equinix kommt der Zugang über eine von Käufern genutzte Plattform hinzu. Beide Vorhaben gehören zum im April gestarteten Innovation Lab, das Bewertung, Verfeinerung und Vorbereitung auf die kommerzielle Nutzung in Stufen vorsieht. Ankündigung und flächendeckende Verfügbarkeit sind deshalb nicht gleichzusetzen.

Comcast verweist auf eine Ausrichtung der APIs am LSO-Rahmen von Mplify. Die Beschreibung von LSO Sonata ordnet Angebote, Bestellungen und Produktinventare dem geschäftlichen Austausch zwischen Anbietern zu. Einheitliche Nachrichten können den individuellen Integrationsaufwand senken. Die Aussage zur Ausrichtung belegt jedoch weder eine Zertifizierung von Comcast noch eine vollständige Umsetzung aller Funktionen.

Digitale Bestellwege für die letzte Meile gibt es in Fabric bereits. Die Dokumentation zu Resolute NEXUS beschreibt einen Ablauf mit Kundenadresse, Preisangebot, Auftrag und Annahme durch den Anbieter. Das sind Angaben zu einer anderen Integration, keine vorweggenommene Spezifikation für Comcast. Der Vergleich lenkt den Blick auf den tatsächlichen Zuwachs: weitere nutzbare Anschlussangebote, nicht die erstmalige Erfindung einer Bestelloberfläche.