Zusammenfassung
- Cathy Aronson berichtete 2015 bei ARIN von einer Anfrage aus einem größeren ISP: Sollte er 22.0.0.0/8 oder 30.0.0.0/8 als zusätzlichen internen IPv4-Bereich verwenden?
- Die IANA führt beide /8-Blöcke als Legacy-Bereiche der Defense Information Systems Agency. Eine spätere öffentliche Route des rechtmäßigen Inhabers könnte die Erreichbarkeit in beide Richtungen stören und den ISP zur eiligen Umnummerierung zwingen.
Die Adressen waren schon vergeben
In Aronsons Originalbeitrag bei ARIN beginnt die Geschichte mit einer E-Mail von einem Kollegen. Dessen Chef bei einem größeren ISP wollte wissen, welcher der beiden /8-Blöcke sich sicherer als Erweiterung des privaten Adressraums nutzen ließe. Aronson fragte zurück, weil sie hoffte, die Frage falsch verstanden zu haben. Die Antwort bestätigte sie. Der Anbieter erwog, öffentliche Nummern eines anderen als internes Material einzuplanen.
Ein Blick in das IPv4-Verzeichnis der IANA beendet die Suche nach einem angeblich freien Regal. Dort stehen 022/8 und 030/8 als Legacy-Blöcke der Defense Information Systems Agency. 010/8 trägt dagegen ausdrücklich die Kennzeichnung „Private Use“. Ein Eintrag im eigenen Netzplan kann den öffentlichen Eintrag nicht umschreiben.
Aronson beschrieb die Folgen als Betriebsproblem. Kündigt der rechtmäßige Inhaber einen der Blöcke im Internet an, kann das Netz des besetzenden ISP Pakete zum echten Ziel fälschlich als interne Pakete behandeln. Seine Kunden erreichen den Inhaber möglicherweise nicht mehr. Umgekehrt kann der Inhaber einen Teil der Kunden dieses ISP nicht erreichen. Was als bequeme Zusatzfläche begann, endet mit Geräten, die möglichst schnell neue Adressen brauchen.
Der Anbieter aus der E-Mail bleibt ungenannt; der Beitrag belegt auch nicht, dass er einen der beiden Blöcke bereits eingesetzt hatte. Aronson berichtet zusätzlich von Gesprächen mit anderen Betreibern über solche Nutzungen. Der belegte Vorfall ist eine ernsthaft gestellte Frage. Die Gefahr ergibt sich aus dem beschriebenen Zusammenstoß zwischen interner Adressierung und einem öffentlich registrierten Inhaber.
Das Wort „intern“ leistet in dieser Geschichte erstaunlich viel Täuschungsarbeit. Es sagt, wo ein Gerät steht, nicht wem seine Nummer weltweit zugeordnet ist. Aronson zog diese Grenze nach: Ein Betreiber kann den eigenen Verkabelungsplan ändern, aber er kann die Geschichte einer fremden /8-Registrierung nicht mit einem Filzstift ausradieren.
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