Summary

  • Internet Explorer 5 zeigte von Websites gelieferte Symbole in den Favoriten. Microsoft beschrieb 1999 einen Fehler beim Verarbeiten präparierter Symbole unter Windows 95 und 98, veröffentlichte einen Patch und meldete keine bekannten geschädigten Kunden.
  • Ein W3C-Entwurf von 2005 empfahl die ausdrückliche Icon-Angabe in der Seite. Der heutige HTML-Standard lässt die Suche nach /favicon.ico zu; Microsoft erläuterte 2026, wie Edge einer gespeicherten Seite das Symbol eines anderen Dokuments desselben Hosts zuordnen kann.

Die Favoritenliste von Internet Explorer 5 konnte schon 1999 ein Bild anzeigen, das die besuchte Website lieferte. Nett für das Auge, anspruchsvoll für den Browser: Er musste eine fremde Bilddatei verarbeiten. In seinem Sicherheitsbulletin vom 27. Mai 1999 beschrieb Microsoft einen ungeprüften Puffer. Ein besonders geformtes Favoritensymbol konnte unter Windows 95 oder 98 im IE 5 die Ausführung von Code ermöglichen. Microsoft lieferte einen Patch und berichtete von keinen bekannten Kundenschäden. Das kleine Türschild hatte einen unerwartet tiefen Schlitz im Schloss.

Der nächste Streit drehte sich um den Platz für das Schild. Browser konnten an der Wurzel einer Website nach einem Bild suchen, ohne die einzelne Seite zu fragen. Der W3C-Leitfadenentwurf von 2005 hielt dagegen: Über den eigenen URL-Raum entscheidet der Betreiber. Wer nur eine Seite unter einer fremden Domain veröffentlicht, darf oft nichts an deren Wurzel ablegen. Eine feste Adresse bevorzugt also den Hausbesitzer gegenüber dem Mieter, obwohl beide ihre jeweilige Seite kennzeichnen wollen.

Der Entwurf bevorzugte link rel="icon" im Dokument. So konnte eine Seite das Bild selbst benennen. Das alte Papier erwähnte dabei /favicon als festen Ort; der heutige HTML-Standard beschreibt /favicon.ico. Die Texte sind keine identischen Fassungen. Gemeinsam machen sie aber die Entscheidung sichtbar: Ein ausdrücklich gesetzter Link stammt von der Seite, eine feste Wurzeladresse ist eine Annahme des Browsers.

Der lebende HTML-Standard lässt beides nebeneinander stehen. Das Icon kann eine Seite oder eine ganze Site repräsentieren. Bei mehreren Angaben wählt der Browser anhand von Typ, Medienbedingung und Größe. Fehlt einem HTTP(S)-Dokument ein icon-Link, darf der Browser /favicon.ico versuchen. Sogar shortcut icon lebt aus historischen Gründen weiter. Die neue Regel hat den alten Hausschlüssel nicht eingesammelt.

Was ein gemeinsam benutzter Schlüssel anrichten kann, beschreibt die Microsoft-Anleitung zu Edge vom März 2026. Für gespeicherte Sites auf der neuen Registerkarte sucht Edge erst im Cache der genauen URL, dann im Cache des Hosts, anschließend über einen Icon-Dienst und zuletzt nach einem Anfangsbuchstaben. Microsofts Beispiel legt HTML-Seiten und ein PDF auf denselben Host. Fehlt der genaue Treffer, kann das PDF-Symbol an der gespeicherten Startseite erscheinen. Das Lesezeichen führt weiter zur richtigen Adresse; das Schild stammt aus einem anderen Büro.

1999 ging es darum, ob ein Bild beim Einlesen Schaden anrichtet. 2026 ging es darum, wem das Bild zugeschrieben wird. Beide Episoden zeigen, wie viel Arbeit hinter einem Zeichen steckt, das man normalerweise nur aus dem Augenwinkel wahrnimmt. Ein Seitensymbol ist erst dann ein brauchbarer Wegweiser, wenn seine Herkunft zur Seite passt.