Zusammenfassung

  • Das RNP-Backbone der zweiten Generation erweiterte 1992 die inländische Reichweite, doch der erste Projektentwurf enthielt keine internationalen Leitungen. Michael Stanton zufolge lief der Auslandsverkehr der angeschlossenen Bundesstaaten – mit Ausnahme von Rio de Janeiro – über ANSP; Rede-Rio nutzte eine eigene Leitung.
  • Rund um Rio-92 gingen zwei getrennte regionale 64-kb/s-Verbindungen für das Forum Global in Betrieb. RNP beschreibt für 1995 später zwei internationale Ausgänge des akademischen Backbones: in Brasília und São Paulo.

Nationale Reichweite, wenige Wege nach außen

Brasiliens Netz der frühen 1990er entstand nicht als fertiges Gesamtsystem an einem einzigen Stichtag. Hochschulen finanzierten Verbindungen, regionale Netze verbanden weitere Einrichtungen, und ein nationales Backbone nahm Gestalt an. Die innerstaatliche Reichweite und der Weg ins Ausland sind dabei zwei unterschiedliche Fragen.

Die Academic Network at São Paulo (ANSP) begann 1988 mit fünf Knoten. FAPESP diente als internationales Gateway; hinzu kamen drei staatliche Universitäten und das Institut für Technologische Forschung (IPT). Fermilab erkannte das Netz als Kooperationspartner an und ermöglichte den Zugang zu BITNET, über die unter anderem E-Mail transportiert wurde. Michael Stanton schreibt, FAPESP habe im Februar 1991 die Fermilab-Verbindung auf 9.600 bit/s erhöht und begonnen, neben DECnet und BITNET auch IP zu übertragen. Das beschreibt eine konkrete Verbindung mit mehreren Protokollen, nicht bereits ein landesweites Internet-Backbone. FAPESP Memory Center; Stantons Netzgeschichte.

Ende 1991 war die Verbindung noch kooperativ organisiert. Laut Stanton finanzierte jede teilnehmende Einrichtung ihre eigene Leitung nach Rio oder São Paulo; die Bundesregierung trug die Kosten der direkten Verbindung zwischen den beiden Städten. Das vorgesehene Modell trennte ein föderales Backbone, staatliche oder regionale Netze und Netze einzelner Einrichtungen. Internationale Verbindungen sollten nach diesem Entwurf am nationalen Backbone ansetzen. Der Entwurf belegt nicht, dass diese Ausgänge bereits installiert waren.

Das RNP-Backbone wurde in der zweiten Hälfte von 1992 schrittweise aufgebaut. Es verband Points of Presence in Brasília und zehn Landeshauptstädten. Die ersten Fernleitungen liefen mit 9.600 bit/s; einige stiegen später auf 64 kbit/s, sobald Infrastruktur von Embratel verfügbar war. Stanton beschreibt die Priorität als größere „capillarity“: Zugang in mehr Bundesstaaten. Internationale Leitungen waren im ersten RNP-Projekt nicht vorgesehen. Für das Routing nutzte das Netz Sun- und Digital-Workstations, statt zuerst in dedizierte Router und Auslandsverbindungen zu investieren.

So wurde die Inlandsabdeckung ausgebaut, ohne die internationalen Ausgänge gleichmäßig über das Backbone zu verteilen. Stanton zufolge lief der Auslandsverkehr der RNP-verbundenen Bundesstaaten – außer Rio de Janeiro – mehrere Jahre über den internationalen Anschluss von ANSP. Rede-Rio verwendete seine eigene internationale Verbindung. Diese Aussage bezieht sich auf die in der Quelle behandelten Forschungsnetze; sie ersetzt keine vollständige Routentabelle für alle brasilianischen Einrichtungen, Anbieter und Pakete. Archivierte Fassung von Stantons Geschichte bei RNP.

Rio-92 und zwei regionale Verbindungen

Vor der UN-Konferenz über Umwelt und Entwicklung 1992 erhielten die Netze in São Paulo und Rio neue internationale Verbindungen mit 64 kbit/s. Sie sollten zunächst das parallel veranstaltete Forum Global unterstützen. In Rio führte die Leitung von einem Embratel-Point-of-Presence zur UFRJ und verband Rede-Rio mit CERFnet in San Diego, von wo aus NSFNET erreichbar war. In São Paulo verband die Leitung FAPESP mit Fermilab, das damals Zugang zu ESnet bot. Es handelte sich um zwei regionale Arrangements mit unterschiedlichen Endpunkten, nicht um zwei Kopien einer einzigen RNP-Leitung. Stanton; RNPs Rückblick auf Rio-92.

Die Quellen verwenden „erste Verbindung“ mit unterschiedlichen Bedeutungen. Stanton datiert den Beginn des IP-Verkehrs auf der Leitung FAPESP–Fermilab auf Februar 1991. Ein späterer RNP-Bericht nennt Rio-92 die erste offiziell realisierte Verbindung und betont die landesweite Reichweite des Netzes von 1992. Die vorliegenden Dokumente definieren keinen gemeinsamen Maßstab, der diesen Unterschied auflöst. Diese Geschichte muss deshalb kein Gründungsdatum festlegen: Die für die Konferenz gebauten Leitungen und das nationale Backbone waren verschiedene Ebenen.

Ein weiterer RNP-Rückblick beschreibt für 1995 einen späteren Zustand: Das akademische TCP/IP-Backbone hatte zwei internationale Ausgänge, in Brasília und São Paulo, und eine Kapazität von bis zu 2 Mb/s. Das ist von den beiden regionalen 64-kb/s-Leitungen rund um Rio-92 zu unterscheiden. Nutzungsreihen oder eine vollständige Routentabelle für 1995 fehlen; die Quellen zeigen daher nicht, wie sich der Verkehr auf die Ausgänge verteilte. RNP, Rückblick auf zwanzig Jahre kommerzielles Internet.

Die Ebenen entwickelten sich in mehreren Schritten: das frühe ANSP-Gateway, die inländische Ausweitung durch RNP, ein eigener Ausgang für Rio und später die beiden RNP-Ausgänge, die für 1995 beschrieben werden. Die Quellen stützen eine allmähliche Diversifizierung, belegen aber weder Überlastung und Ausfälle noch konkrete Einsparungen oder Folgen einer Leitungsunterbrechung.

Ein Netz kann national reichen und zugleich von wenigen internationalen Wegen abhängen. Um seinen tatsächlichen Betrieb zu verstehen, muss man Leitungen und alternative Routen verfolgen; Name und Binnenkarte des Backbones reichen dafür nicht aus.

Quellen