Zusammenfassung

  • RFC 1251 versammelte im August 1991 achtzehn von den Beteiligten selbst eingereichte Biografien aus IAB, IESG und IRSG. Gary Malkin hatte nach beruflichem Werdegang, Interessen und Ansichten zum Wachstum des Internet gefragt; laut Vorwort änderte er lediglich die Formatierung.
  • Robert Braden befürchtete, Wettbewerb werde die Protokollarbeit von Universitäten und kleinen Firmen in große Unternehmensgremien verlagern. Stephen Crocker erwartete durch gewerbliche Netze breiteren Zugang. RFC 1310 beschrieb 1992, wo im damaligen Standardisierungsverfahren Empfehlungen und endgültige Entscheidungen lagen.

Eine kleine Namensliste für ein großes Netz

Gary Malkin wollte die Menschen hinter der Internet-Organisation sichtbar machen. Seine Einladung ging Mitte Februar 1991 an Mitglieder dreier Leitungsgremien; die Biografien sollten vor der IETF-Vollversammlung im März in St. Louis erscheinen. Der fertige RFC trägt das Datum August. Warum das Vorhaben später erschien, steht dort nicht. Was blieb, sind achtzehn eigene Darstellungen von Leuten, deren Arbeit eine viel größere Gemeinschaft zusammenhielt.

Das Vorwort sprach von Tausenden Netzen, Zehntausenden Rechnern und Hunderttausenden Nutzern. Das sind zeitgenössische Größenordnungen des Dokuments. Malkin betonte die Arbeit Freiwilliger und die Teilnahme von Menschen aus Staat, Militär, Forschung, Hochschulen und Unternehmen. Aufgenommen wurden für diese erste Ausgabe jedoch nur Angehörige des Internet Activities Board, der Internet Engineering Steering Group und der Internet Research Steering Group. Eine spätere Erweiterung stellte er in Aussicht. Der Zuschnitt war damit offen ausgesprochen: Das Heft zeigte Führungspersonal, kein repräsentatives Bild aller Betreiber.

Die Bitte um Lebensläufe war zugleich ein redaktionelles Raster. Ein Abschnitt sollte Biografie enthalten, ein weiterer Ausbildung und Interessen, ein dritter die persönliche Sicht auf das Internet-Wachstum. Zusätze waren erlaubt. Die Beiträge erschienen alphabetisch; Malkin erklärte, nur ihre Form, nicht ihren Inhalt bearbeitet zu haben. Gerade das macht die Quelle so aufschlussreich. Man liest keine nachträgliche Heldenerzählung eines einzigen Chronisten, sondern die Selbstbeschreibungen eines eng umrissenen Kreises. Wer nicht eingeladen war und wie Führungspositionen vergeben wurden, lässt sich daraus allein nicht rekonstruieren.

Braden sah eine Rechnung für die Zusammenarbeit

Robert Braden stand als geschäftsführender Direktor des IAB im Heft. Er erinnerte an Forschende, die gemeinsam an Protokollen gearbeitet hatten und dabei Unterstützung von Förderstellen erhielten. In seinen Augen drohte dieser Arbeitsweise ein Preis, sobald kommerzieller und akademischer Wettbewerb zunahmen. Aufwendigere Ausschüsse und Regeln könnten nötig werden. Die eigentliche Arbeit würde zu großen Firmen wandern, weg von kleinen Firmen und Universitäten. Sein Punkt war ein institutioneller: Wer ein Team für die wiederholte Prüfung von Entwürfen abstellen konnte, würde am Ende häufiger die Form des gemeinsamen Protokolls mitbestimmen.

Mit dem Verkauf einer Leitung allein war darüber noch nichts entschieden.

Braden verband die institutionelle Sorge mit einem technischen Engpass. Grenzen der wachsenden Architektur seien seit 1982 wiederholt überschritten worden; er erinnerte an kleinere Krisen. Größer zu werden war für ihn dringlicher als schneller zu werden. Wer in dieser Phase zu viel Energie in Rivalität steckt, fehlt bei der gemeinsamen Lösung des Skalierungsproblems. Sein Beitrag hält eine Befürchtung eines Beteiligten fest. Er belegt keinen bereits vollzogenen Machtwechsel in einem bestimmten Standardisierungsvorgang.

Stephen Crocker, damals IETF-Direktor für den Sicherheitsbereich, erwartete eine andere Folge der Kommerzialisierung. Standards sollten geregelter werden, das Netz internationaler und ein beträchtlicher Teil der Infrastruktur gewerblich betrieben werden. Gewinnorientierter Betrieb konnte nach seiner Einschätzung den Zugang öffnen. Er dachte an schnelle Leitungen für manche Einrichtungen und an viele Schulen und Betriebe mit 9.600 Bit pro Sekunde oder weniger. Der Unterschied zwischen diesen Anschlüssen war groß; beide gehörten für ihn zur möglichen Verbreitung des Internet.

Bradens Text und Crockers Text antworten auf dieselbe Frage des Herausgebers, nicht aufeinander. Gerade das macht den Gegensatz interessant: Die Akteure mussten keinen offenen Streit führen, um verschiedene Kosten derselben Entwicklung zu sehen. Ein gewerblicher Anbieter konnte Schulen anschließen und zugleich Fachleute für jeden Entwurf freistellen. Die kleine Gruppe, deren Labor nur einen Teilzeitbeitrag finanzierte, gewann zwar neue Gesprächspartner im Netz, aber keinen zusätzlichen Arbeitstag im Ausschuss. Die beiden Prognosen schließen einander deshalb nicht aus; sie beschreiben zwei getrennte Rechnungen des Wachstums.

Der Lebenslauf benannte Personen, der Prozess benannte Befugnisse

Ein Jahr später legte das IAB in RFC 1310 das damalige Standardisierungsverfahren dar. In IETF-Arbeitsgruppen konnten Einzelne als technische Beitragende mitarbeiten, statt als offizielle Abgesandte ihrer Arbeitgeber. Die IESG prüfte und empfahl Schritte. Die endgültige Standardentscheidung lag beim IAB. Nach der Genehmigung veröffentlichte der RFC Editor die Spezifikation. Individuelle Beteiligung und eine klar benannte Entscheidungskette waren miteinander verbunden.

Darum waren die Ansichten von Amtsinhabern mehr als beiläufige Zukunftswünsche. Diese Stellen lagen nahe an Prüfung und Genehmigung. Doch ein Arbeitgeber im Lebenslauf erklärt noch keine konkrete Norm. Dafür braucht man Arbeitsgruppenbeiträge, die Empfehlung der IESG und die Entscheidung des IAB. RFC 1251 zeigt Menschen und Erwartungen; RFC 1310 zeigt, an welchen Stationen eine technische Wahl verbindlich werden konnte.

Zwischen den berühmten Namen erkennt man außerdem unspektakuläre Dauerarbeit. Joyce K. Reynolds erinnerte an betriebliche Umstellungen und an die Menschen, die sie getragen hatten. Gregory Vaudreuil schilderte die Begleitung von Protokollen durch das Verfahren und die Betreuung von Arbeitsgruppen. Redaktion, Sitzungsorganisation und Netzbetrieb hielten die Institution funktionsfähig. Ein geniales Protokoll allein führt keine Sitzung, pflegt kein Verzeichnis und veröffentlicht keinen geprüften Text.

Was achtzehn Einträge zeigen können

Die Einladung wollte rechtzeitig vor März erscheinen; der RFC kam im August. Eine Begründung fehlt. Ebenso fehlen die Aussagen aller Menschen außerhalb der ausgewählten Gremien und Angaben über mögliche Absagen. Einladungsliste und Ernennungsakten würden diese Lücke schließen. Der vorhandene Band ist dennoch ein präziser Beleg dafür, wie ein Führungskreis öffentlich über seine Arbeit und die kommende Marktordnung sprach.

Crocker sah in gewerblichem Betrieb eine Tür für neue Schulen und Unternehmen. Braden sah die Gefahr, dass die gemeinsamen Spielregeln zunehmend von Organisationen mit langem Atem und großen Budgets geprägt würden. Die Zahl der Anschlüsse und die Verteilung des Einflusses auf Standards sind verschiedene Größen. Dieses kleine Jahrbuch von 1991 druckte beide Fragen auf dasselbe Papier.

Quellen