Zusammenfassung

  • ARPA Order 471 vom 5. April 1963 finanzierte zwei auf drei Jahre angelegte Forschungsprogramme: Netzwerke und Time-Sharing an der UCLA sowie Fernstationen und Netzwerkprogramme in Berkeley.
  • Die Pläne halten offene Fragen und vorgeschlagene Verbindungen fest. Sie belegen finanzierte Forschung, aber weder ein betriebsbereites Netz noch eine Umwandlung von Order 471 in das ARPANET.

Analyse

Erzählungen über die Anfänge springen oft rasch von J. C. R. Lickliders „Intergalactic Computer Network“ zum ARPANET. Ein Finanzierungsauftrag vom April 1963 liegt zwischen diesen beiden Belegarten. Er zeigt, wofür die Advanced Research Projects Agency (ARPA) damals Geld ausgeben wollte: für Forschung zu Rechnernetzen, Time-Sharing und Fernstationen im Rahmen ihres Command and Control Research. Er beschreibt kein fertiges Internet, das nur noch gebaut werden musste.

Der auf den 5. April datierte Auftrag fordert zwei Informationsverarbeitungsverträge mit einer Laufzeit von jeweils drei Jahren. Die University of California, Los Angeles (UCLA) sollte zu Rechnernetzen und Time-Sharing forschen. Die University of California, Berkeley erhielt den Auftrag für Fernstationen und Programme für Rechnernetze. Program Plan 93 nennt für UCLA zunächst 675.000 Dollar über drei Jahre. Plan 95 setzt für Berkeley einen dreijährigen Arbeitsumfang von 797.000 Dollar an. Das sind Beträge der im erhaltenen Auftrag vorgeschlagenen Verträge, keine vollständige Abrechnung aller späteren Ausgaben für das größere Vorhaben.

Die Pläne waren an konkrete Rechner und Einrichtungen gebunden. Das Western Data Processing Center der UCLA versorgte bereits die Universität und mehr als dreißig teilnehmende Einrichtungen; sechs davon waren durch Datenfernverarbeitung verbunden. ARPA schlug vor, diese Umgebung mit dem AN/FSQ-32 der System Development Corporation in Santa Monica zu verbinden. Berkeley sollte eine Fernstation und eine Datenleitung zum selben Q-32 einrichten, den IBM 7090 erweitern und einen kleineren Satellitenrechner hinzufügen. Für eine mögliche spätere Leitung zur Stanford University war am Patchpanel ebenfalls Platz vorgesehen.

Das war eine Forschungsanordnung mit benannten Standorten, Maschinen und Verträgen, noch kein allgemein nutzbarer Netzdienst.

Die technische Problemliste sagt mehr als der spätere Spitzname. Plan 93 nennt dynamische Speicherzuteilung, Sprach- und Formatkompatibilität, gemeinsame Dateien, deren Inhalte verschiedene Nutzer ändern konnten, Kommunikationskanäle mit begrenzter Kapazität, Prioritäten, Protokollierung und inkrementelles Kompilieren. Plan 95 ergänzt Fernsteuerung, Anzeigestationen und die Vorbereitung großer Programme, während die Rechner andere Aufgaben ausführen. Die Schwierigkeit bestand nicht bloß darin, Bits zwischen Gebäuden zu übertragen.

Getrennt verwaltete Rechner, Software, Nutzer und Arbeitszeiten sollten zusammenarbeiten, ohne so zu tun, als wären sie ein einziger Rechner.

Auch die institutionelle Begründung ist ausdrücklich festgehalten. ARPA verknüpfte die Arbeit mit militärischen Führungs- und Kontrollsystemen, in denen bald Rechnerkommunikation nötig werden sollte. Universitäten kamen zum Zug, weil ihre vorhandenen Einrichtungen und Forschungsgruppen passende Fähigkeiten mitbrachten. Das bereits betriebene Dienstnetz der UCLA begründete ihre Rolle; Berkeleys Rechenzentrum und Forschende zu Programmiersprachen und Programmierung begründeten die andere. ARPA erwartete Abstimmung zwischen den Auftragnehmern durch Besuche und eine informelle technische Gruppe.

Gemeinsame Konventionen sollten dort entstehen, wo sie halfen; einen vollständigen, zentral vorgegebenen Systementwurf schrieben die Pläne nicht vor.

Lickliders Memorandum vom 23. April 1963 an „Members and Affiliates of the Intergalactic Computer Network“ macht das Abstimmungsproblem anschaulicher, ist aber ein anderes Dokument als Order 471. Licklider schreibt, dem Vorhaben fehle noch ein Name und eine klare Struktur. Die Beteiligten sollten Projekte, Abhängigkeiten, Kosten und mögliche gegenseitige Vorteile vergleichen, bevor ihre Pläne feststanden. Er erwägt gemeinsame Konventionen, warnt jedoch vor starren Regeln, die nur Austauschbarkeit maximieren sollen.

Außerdem fragt er, wer eine Netzwerksprache kontrolliert, wie ein Zentrum die Anfrage eines anderen auslegt und wie gemeinsam genutzte Dateien während einer Änderung geschützt werden. Das Memo dokumentiert Fragen an eine Forschungsgemeinschaft, nicht die Spezifikation der beiden Verträge.

Auch die Archive begrenzen die Aussagekraft. Der Rückblick des US-Nationalarchivs besagt, das mit Order 471 verbundene Projekt sei 1970 beendet worden; die von den Autoren eingesehenen Unterlagen hätten nach Ausgaben von mehr als fünf Millionen Dollar keine Ergebnisse gezeigt. Das ist eine Aussage über die geprüfte Projektakte und den Umfang der damals verfügbaren Dokumentation. Sie beweist nicht, dass keine nützliche Arbeit stattfand, keine Berichte erschienen oder keine technischen Einflüsse bestanden. Ebenso wenig belegt sie, dass alle späteren Ausgaben nur zu den beiden Plänen vom April 1963 gehörten.

Die beigefügten Pläne beschreiben vorgesehene Arbeit, keine abgeschlossenen Ergebnisse.

Order 471 lässt sich daher besser als finanzierten Versuch lesen, verteiltes Rechnen technisch und organisatorisch möglich zu machen, und nicht als kleines ARPANET. Die Unterlagen belegen Forschungsverträge, Rechenzentren, vorgeschlagene Verbindungen und eine lange Liste ungelöster Probleme. Die spätere Geschichte des ARPANET folgt einer anderen Kette von Entscheidungen und Umsetzungen. Die Trennung macht die Erzählung weniger geradlinig, aber genauer: Netzwerke brauchten Ideen, Budgets und Institutionen; ein Plan ersetzt keinen Nachweis darüber, was tatsächlich lief.

Quellen