Zusammenfassung
- Für jede Segment List eines SR-Policy-Kandidaten verlangt RFC 9779 eine eigene Messsitzung. Der Policy-Name allein identifiziert das geprüfte Objekt nicht.
- Ein Einweg-Ergebnis kann außerhalb des MPLS-Messpfads per IP/UDP zurückkehren; für Zweiweg-Messungen kann ein eigener MPLS-Rückweg vorgegeben werden. Ankunft und Pfadnachweis sind verschiedene Aussagen.
- Zeitstempel, Zähler und Block Numbers tragen einen SLA-Schluss nur dann, wenn sie mit ECMP-Auswahl, Responder, Schwellenbewertung und Folgemaßnahme verbunden bleiben.
Ein grünes Ergebnis kann eine offene Herkunft haben
Das Messsystem erhält eine formal korrekte Antwort und meldet sieben Millisekunden. Der Service steht auf Grün. Die Antwort wurde jedoch außerhalb der geprüften MPLS-Richtung an eine IP-Adresse und einen UDP-Port geschickt. Die Segment List konnte über mehrere gleichwertige Pfade aufgelöst werden; der für die Hash-Auswahl relevante Entropy Label fehlt im Datensatz. Das Ergebnis kann rechnerisch stimmen, ohne bereits zu beweisen, welcher Pfad oder Vertrag gemeint ist.
Der im Mai 2025 als Proposed Standard veröffentlichte RFC 9779 überträgt die Loss- und Delay-Messung aus RFC 6374 auf die SR-MPLS-Datenebene. Enthält ein SR-Policy-Kandidatenpfad mehrere Segment Lists, wird für jede eine separate Sitzung angelegt und eine Query gesendet. Im Paket folgen auf den SR-MPLS-Label-Stack GAL und G-ACh; jeder Label Stack Entry erhält TTL 255.
Diese Aufteilung ist keine technische Nebensache. Sie legt die kleinste belegbare Einheit fest. Wer nur „Policy A, 7 ms“ speichert, verwirft Kandidatenpfad, Segment List und Sitzung – genau jene Identitäten, an denen die Spezifikation ihre Messungen trennt.
Der Hinweg wird gemessen, der Rückweg liefert den Befund
Im Einwegmodus kann die Query das UDP Return Object aus RFC 7876 enthalten. Der Responder sendet die Antwort dann außerhalb des MPLS-Pfads über IP/UDP an die angegebene Adresse und den Port. Die Entkopplung ist beabsichtigt: Der Transport des Ergebnisses soll nicht vom untersuchten Hinweg abhängen.
Im Zweiwegmodus soll der Responder nach Möglichkeit denselben eingehenden Link oder denselben Pfad rückwärts nutzen. Benötigt der Querier einen bestimmten Rückweg, setzt er den neuen Return Path TLV vom Typ 5. Dessen Sub-TLV enthält einen MPLS-Label-Stack oder eine Binding SID. Ein unterstützender Responder muss den ersten TLV verarbeiten und den vorgegebenen Weg nehmen.
Damit entstehen zwei Provenienzen. Der Hinweg trägt die Messprobe; der Rückweg transportiert die Beobachtung. Aus der erfolgreichen Zustellung lässt sich weder das tatsächlich gewählte ECMP-Mitglied noch die Repräsentativität des Rückwegs für den Kundendienst ableiten.
Der Destination Address TLV bindet die Anfrage an einen vorgesehenen Responder. Eine lokale Adresse kann Success, eine unpassende Invalid Destination auslösen. Im Sicherheitsabschnitt wird zudem die Umleitung durch manipulierte Rückweginformationen behandelt. Antworten an eine Adresse, die nicht lokal zum Querier gehört, können verworfen werden; Quellenprüfung und Zugriffsregeln ergänzen die Kontrolle. Die Identität des Responders gehört deshalb in den Nachweis.
Zähler brauchen Richtung und Zeitraum
Delay Measurement nutzt Channel Type 0x000C. Für Loss Measurement unterscheidet RFC 9779 den direkten Modus 0x000A, der exakte Zählung ermöglicht, aber Hardwareunterstützung verlangen kann, vom näherungsweisen Modus 0x000B. Kombinierte Messungen verwenden 0x000D oder 0x000E. Ein abgeleiteter Verlustwert darf nicht als direkte Zählung erscheinen.
Direkte Messung muss empfangenen Verkehr der richtigen Sitzung zuordnen. Dazu dient ein Path Segment Identifier mit möglichem Geltungsbereich auf Policy-, Kandidatenpfad- oder Segment-List-Ebene. RFC 9545 definiert den PSID; RFC 9714 beschreibt die Kapselung für Alternate Marking. Beide helfen bei der Zuordnung, ersetzen aber nicht den Sitzungsbezug.
Der Block Number TLV vom Typ 6 ordnet Sende- und Empfangszähler aufeinanderfolgenden Blöcken zu. Sein R-Bit unterscheidet Vorwärtszähler in der Query von Rückwärtszählern in der Response. Der Responder kann seinen Block anhand der LM-Queries synchronisieren; synchronisierte Uhren sind dafür nicht zwingend.
Wie Blocknummern vergeben werden, lässt RFC 9779 ausdrücklich als lokale Entscheidung offen. Ein Block verbindet Zähler. Er entscheidet nicht über Wartungsausschlüsse, Vertragsbezug, Erheblichkeit oder Gutschrift. Zwischen Messwert und Anspruch bleibt ein institutioneller Schritt.
Bei ECMP muss die Reichweite der Aussage sichtbar sein
Node-SIDs und Anycast-SIDs können eine Segment List über mehrere gleichwertige Pfade führen. Verschiedene Entropy Labels können den Hash beeinflussen und so Delay-Messungen auf unterschiedlichen ECMP-Pfaden ermöglichen. Verlustmessung über verschiedene ECMP-Pfade nimmt RFC 9779 dagegen ausdrücklich aus seinem Geltungsbereich.
Ein genauer Einzelwert ist deshalb noch kein Beleg für die ganze Segment List. Der Datensatz braucht Entropy Label oder gleichwertigen Auswahlkontext, Topologie- und Policy-Version, Sitzung und Intervall. „Kein Verlust“ ist zu groß formuliert, wenn nur eine Realisierung beobachtet wurde. „Kein Verlust in diesem Block und dieser Pfadauswahl“ bleibt enger – und überprüfbar.
Aus den Messungen können erweiterte TE-Metriken entstehen, die OSPF, IS-IS oder BGP-LS verteilen. Das schafft einen Eingang für Steuerung, aber keine Pflicht zur automatischen Umleitung. Aktualität, Vertrauen, Schwelle, Dämpfung und Rollback bleiben Betreiberentscheidungen.
Der Datatracker-Eintrag belegt Dokument und Standardisierungsgeschichte. Die Quellen belegen keine namentlich genannten Implementierungen, Betreiberrollouts oder Betriebserfolge. Solche Behauptungen dürfen nicht aus dem Status der Norm abgeleitet werden.
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