Summary

  • Anand Buddhdev schlug mit Paul de Weerd vor, ns.ripe.net stillzulegen. Der seit 1992 angebotene sekundäre Reverse-DNS-Dienst für große Zuteilungen war ungleich zugänglich und operativ fehleranfällig geworden.
  • Nach Gesprächen in der DNS-Arbeitsgruppe nahm das RIPE NCC ab Juni 2024 keine neuen Delegationen an, kontaktierte die Nutzer und entfernte am 15. Januar 2025 die verbliebenen Datenbankverweise.

Wenn der Rettungsschirm selbst Löcher hat

1992 war ein zweiter Nameserver für Reverse DNS eine vernünftige Vorsorge. Das RIPE NCC bot ns.ripe.net Mitgliedern mit mindestens einem IPv4-/16 oder IPv6-/32 an. Fielen deren eigene Server aus, konnte der sekundäre Dienst die Zone weiter beantworten. Eine gute Idee braucht allerdings irgendwann eine neue Begründung, gerade wenn sie seit Jahrzehnten läuft.

Im Mai 2024 veröffentlichte der DNS-Ingenieur Anand Buddhdev mit Beiträgen von Paul de Weerd die Bilanz des Dienstes. Die Zugangsregel begünstigte große Inhaber, obwohl kleinere Betreiber oft weniger Mittel für eigene Redundanz haben. Ein früherer Datenbankfehler hatte einigen zu kleinen Mitgliedern Zugang verschafft; nach dessen Behebung durften diese bleiben, vergleichbare neue Mitglieder aber nicht hinein. Zugleich konkurrierte das kostenlose Angebot mit Diensten eigener RIPE-NCC-Mitglieder.

Die technische Rechnung war konkreter als jede Prinzipiendebatte. Fehlte die Freigabe für den Zonentransfer zum RIPE NCC, lud ns.ripe.net die Daten nicht und antwortete mit SERVFAIL. Ein gemeinsames TSIG-Geheimnis ließ sich für die Transfers nicht festlegen. Die Größe neuer Zonen war vorher unbekannt; besonders große Zonen erschöpften bereits den Arbeitsspeicher kleinerer Server. In einem DNSSEC-Fall verhinderten die Prüfungen vor der Delegation sogar, dass ein Betreiber seinen defekten Domain-Eintrag selbst reparierte. Ein Notausgang, für den man zuerst den Hausmeister holen muss, verdient einen zweiten Blick.

Schon 2016 hatte das RIPE NCC ein Ende vorgeschlagen; damals sprach sich die Gemeinschaft für den Erhalt aus. 2024 verlief die Debatte in der DNS-Arbeitsgruppe anders. Der überarbeitete Fahrplan schloss neue Anträge im Juni aus und sah Monate für die Ansprache vor. Buddhdevs Bericht vom Oktober beschreibt die Fleißarbeit: Mails an Zonen-, Technik- und Verwaltungskontakte; später an Kontakte der zugehörigen Adressräume, weil die ersten Nachrichten nicht immer ankamen; Telefonate mit großen Nutzern. Über tausend Domain-Objekte waren damals noch zu bearbeiten.

Laut Mitgliederinformation vom Januar 2025 entfernte das RIPE NCC am 15. Januar die restlichen ns.ripe.net-Attribute aus den Domain-Objekten. Buddhdev bestätigte Abschluss und Unterstützung der Gemeinschaft in seiner Präsentation vom Mai. Autoritativer DNS und Reverse-Delegationen des RIPE NCC laufen weiter. Nur dieser besondere Sekundärdienst ging. Seine Stilllegung war keine Demonstration eines Schalters, sondern eine sorgfältig organisierte Trennung.

RIPE-Originalquellen