Summary
- AlterNex startete 1989 als gemeinnütziger E-Mail- und Konferenzdienst von IBASE innerhalb der APC, noch vor dem öffentlichen Internetpfad der Konferenz.
- Die ECO-92 verband dieses zivilgesellschaftliche Netz mit einer internationalen 64-kbit/s-Verbindung der RNP. Dieser Meilenstein öffentlichen Zugangs ist von Brasiliens früheren akademischen TCP/IP-Verbindungen zu unterscheiden.
Welches Datum in Brasiliens Internetgeschichte zählt, hängt davon ab, was das Netz leisten konnte und wer es nutzen durfte. Rückblicke der FAPESP datieren den akademischen TCP/IP-Betrieb dort auf Anfang 1991; eine weitere Verbindung der UFRJ entstand im selben Jahr. Carlos Afonso beschreibt in einem Text von 1996 einen anderen Meilenstein: Seit Juni 1992 sei AlterNex das erste vollständige, für die Öffentlichkeit zugängliche Internetsystem Brasiliens gewesen. Das muss kein Widerspruch sein. Die eine Aussage betrifft frühe akademische Konnektivität, die andere einen Dienst außerhalb der universitären Forschungsnetze.
AlterNex begann nicht als gewöhnlicher Internetanbieter. Das gemeinnützige Institut IBASE in Rio de Janeiro trat 1988 dem APC-Netzprojekt bei. Sein Knoten bot ab Juli 1989 E-Mail und elektronische Konferenzen. Afonso beschreibt einen X.25-Zugang zum brasilianischen Paketnetz RENPAC und später eine Telefonleitung für lokale Einwahl. Internationale Nachrichten liefen über Partnerknoten mit UUCP: Die Systeme tauschten Nachrichtenpakete nach Zeitplan aus, statt jedem Nutzer eine dauerhafte interaktive IP-Verbindung zu geben. Laut Afonso wurden die internationalen Gespräche zweimal täglich aus den USA aufgebaut, weil sie dort günstiger waren.
Diese Leistungsgrenze war für brasilianische zivilgesellschaftliche Gruppen entscheidend. Die APC verband gemeinnützige Knoten, die technische Ressourcen teilten und zugleich lokal eigenständig blieben. Der Bericht von 1989 ordnet AlterNex Netzwerken zu Menschenrechten, öffentlicher Information, Gesundheit und Umwelt zu. Er nennt 159 Nutzer im Februar 1990 und schätzt die monatlichen Betriebskosten auf knapp 6.500 US-Dollar. Das sind damalige Angaben und eine Schätzung des Autors, keine geprüften Zahlen.
Sie machen dennoch deutlich: Auch günstigere Kommunikation erforderte Fachpersonal, zuverlässige Stromversorgung, Wartung und bezahlte internationale Leitungen.
Der Wandel begann mit einer konkreten Veranstaltungsanforderung. Ende 1990 baten Umweltorganisationen IBASE, ein elektronisches Kommunikationssystem für die UN-Konferenz über Umwelt und Entwicklung in Rio, später ECO-92, aufzubauen. IBASE reichte einen Projektplan bei der Konferenzleitung ein; laut Afonso wurde er in das Gastlandabkommen zwischen Brasilien und den Vereinten Nationen aufgenommen. Das Projekt hieß ISP/Rio. Da die Veranstaltung an drei Orten stattfand, mussten lokale Netze, Mietleitungen und internationale Dienste zusammenspielen.
Als die Konferenz im Juni 1992 begann, waren Computer an offiziellen Veranstaltungsorten über Mietleitungen mit AlterNex verbunden und von dort über eine internationale, von der RNP betriebene 64-kbit/s-Verbindung in die USA mit dem Internet, so Afonso 1996. Ein späterer FAPESP-Rückblick ergänzt, dass die RNP AlterNex mit Übergabepunkten bei UFRJ und FAPESP verband und Telerj dedizierte Leitungen zwischen den Standorten bereitstellte.
Die Quellen beschreiben die internationalen Leitungen unterschiedlich, stimmen aber darin überein, dass AlterNex auf Forschungsnetz und Telekommunikationsinfrastruktur angewiesen war, statt selbst ein internationales Backbone zu bauen.
Das Arrangement war ebenso institutionell wie technisch. IBASE brachte das zivilgesellschaftliche Netz und die Projektarbeit ein; die RNP Routing und internationale Konnektivität; die Vereinten Nationen und die brasilianische Regierung die Einbettung in die Gastgebervereinbarung; Telerj die lokalen Leitungen. Dadurch erhielten NGOs und andere Nutzer während der Veranstaltung Zugang zu einem breiteren Spektrum von Internetdiensten. Daraus folgt weder, dass alle Bürger online waren, noch dass ein Konferenznetz landesweiten Haushaltszugang belegt.
Die Quellen stützen daher eine genauere Geschichte als ein einziges Ankunftsdatum. Akademische TCP/IP-Verbindungen, APC-Mail-Gateways, Internetzugang an Konferenzorten, ein vollständiger öffentlicher Dienst und spätere kommerzielle Anschlüsse waren unterschiedliche Betriebszustände. Die ECO-92 war wichtig, weil sie ein NGO-Netz, ein akademisches Backbone und öffentliche Institutionen für einen laufenden Dienst zusammenbrachte und dessen Nutzen über die Universitäten hinaus sichtbar machte.
Quellen: Carlos Afonso, früher Bericht über AlterNex und APC bei InterRed; Carlos Afonso, „Internet in Brazil“, CGI.br; FAPESP, Pioniererfahrung der ECO-92; FAPESP, „The Internet’s Early Days“; RNP, „Internet 30 Years“; Folha de S.Paulo, „The Brazilian experience“.
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