Zusammenfassung

  • Die FreeNet-Mitteilung richtete sich an gemeinnützige Organisationen, nicht an Einzelpersonen, und bot nur E-Mail.
  • Mitte 1996 nannten Berichte Institutionen und mehr als 20 Organisationen mit Einwahl-E-Mail – keinen flächendeckenden Internetzugang in Haushalten.

Das Wort „öffentlich“ klingt nach einer offenen Tür. In den albanischen Netzwerkunterlagen von 1996 bezeichnete es jedoch ein engeres Angebot: ein Netz für gemeinnützige Organisationen, während Einzelpersonen ausdrücklich ausgeschlossen waren. Die Mitteilung beschränkte den Dienst auf E-Mail, ohne direkten Internetzugang oder Newsgroups, und untersagte geschäftliche oder politische Aktivitäten. „Öffentlich“ beschrieb damit den institutionellen Zweck, nicht den uneingeschränkten Zugang jeder Person.

Die Grenze wurde schon vor der FreeNet-Ankündigung diskutiert. Im April 1995 erwog die Tirana Internet Group, mit Unterstützung des UNDP einen Knoten an der technischen Schule Fultz einzurichten. Laut Protokoll waren der gemeinnützige Status der Schule, die Reinvestition von Einnahmen in Bildung, die steuerliche Behandlung, Computerräume und Zugänglichkeit wichtige Gründe. Ein kommerzieller Satellitenknoten wurde getrennt davon erörtert. Das Konzept unterschied also ein Entwicklungsnetz von einem kommerziellen Angebot, obwohl beide auf denselben Mangel an Konnektivität reagierten.

Ein NSRC-Bericht vom Januar 1996 zufolge hatte ein UNDP-Vertreter im Dezember 1995 einen Satellitenkanal mit 9,6 kbit/s eingerichtet. Zunächst nutzte ihn das lokale UNDP-Büro. Der Bericht erwog eine Erweiterung auf Partner sowie möglicherweise Forschungseinrichtungen, Hochschulen und NGOs; kommerzielle und öffentliche Nutzung war ausgeschlossen, die Zukunft der Erweiterung blieb unsicher. Eine zeitgenössische Notiz „First Ping AL“ verzeichnete eine zeitweise Verbindung und einen Ping zu einem Host in Tirana. Das belegt Erreichbarkeit zu einem Zeitpunkt, nicht einen stabilen und voll nutzbaren Internetdienst im ganzen Land.

Die FreeNet-Mitteilung vom Mai formulierte die Regeln ungewöhnlich klar: öffentliches Netz für gemeinnützige Organisationen, nicht für Einzelpersonen; nur E-Mail; kein direkter Internet- oder Newsgroup-Zugang; keine geschäftlichen oder politischen Aktivitäten. Für jede Organisation sollte die Nutzung erfasst werden. Belegt sind diese veröffentlichten Regeln. Die verfügbaren Quellen zeigen nicht, wie sie durchgesetzt wurden, ob alle Organisationen sie einhielten oder ob sich die Vorgaben noch 1996 änderten.

Am 31. Mai berichtete Netzwerkadministrator Rezart Andoni von einer dauerhaften 32-kbit/s-Verbindung in die Niederlande. Er nannte unter anderem die Soros Foundation und ihr Bildungsprojekt, die Polytechnische Universität, die Fultz-Schule, das Parlament und die Verwaltungsabteilung des Premierministers. Einige Standorte waren per Funk oder Mietleitung verbunden. Mehr als 20 Organisationen verfügten über E-Mail per Einwahl; Funkverbindungen seien jedoch langsam und unzuverlässig. Das zeigt institutionelle Reichweite, ist aber ein Betreiberbericht und keine Bevölkerungsstatistik.

Die Polytechnische Universität beschrieb im Juli einen eigenen Zugang: ein 19,6-kbit/s-Funkmodem zum UNDP, 50 regelmäßige E-Mail-Nutzer und Internetzugang für die meisten von ihnen. Das unterscheidet das Hochschulnetz vom E-Mail-Angebot des FreeNet, beschreibt aber nur einen Campus. Ein UN-Bericht führte Albanien später als UNDP-FreeNet auf, das mit öffentlichen Einrichtungen, Privatwirtschaft, Hochschulen und NGOs aufgebaut wurde. Das fasst das Entwicklungsmodell zusammen, zählt aber keine vernetzten Haushalte.

Daneben gab es kommerzielle E-Mail. Ein Bericht vom Dezember 1995 zufolge wählte sich der Tiranaer Server von Info-Soft viermal täglich bei einem italienischen Server ein. Genannt wurden 50 US-Dollar im ersten Monat, anschließend 25 Dollar sowie 10 Lek je Kilobyte; der Autor beklagte schlechte Telefonqualität und für die meisten unerschwingliche Kosten. Das ist ein Vergleich zwischen Entwicklungsnetz, Campus und kostenpflichtigem periodischem Mailabruf – nicht der Tarif des FreeNet und keine landesweite Preisumfrage.

Schon RIPE hatte 1993 eine E-Mail-Verbindung der Universität Tirana über CNUCE in Pisa zum Internet erwähnt, die offenbar nicht mehr funktionierte. Ein einziges Datum für die „erste Verbindung“ ist daher fragwürdig. Die Quellen von 1995–96 dokumentieren vielmehr wechselnde Leitungen, Institutionen und Leistungsversprechen. Ihre präzise Lehre lautet: Ein Netz kann einem öffentlichen Zweck dienen und dennoch Nutzerkreis, Anwendungen und die entscheidende Zulassungsstelle begrenzen.

Quellen: RIPE-86 (1993); Protokoll der Tirana Internet Group (1995); E-Mail-Dienst von Info-Soft (1995); UNDP-Satellitenverbindung (1996); First Ping AL (1996); Tirana-FreeNet-Mitteilung (1996); Verbindungen in Tirana (Mai 1996); Polytechnische Universität (Juli 1996); UN ECOSOC E/1996/81